Für die Basketballer von Brose Bamberg geht die Negativserie im Süd-Derby der Bundesliga weiter. Gegen den FC Bayern München bezogen sie am späten Sonntagabend bereits die sechste Niederlage in Folge. Nach dem 70:84 (41:46) im Audi-Dome mussten sie ihren bayerischen Rivalen seit dessen Wiederaufstieg in die BBL erstmals vorbeiziehen lassen. Von 43 Duellen haben die Oberbayern nun 22 für sich entschieden, 21 gingen an die Oberfranken.

Dabei boten die Gäste dem Euroleague-Vertreter, der zuvor in Oldenburg und Kaunas zwei Niederlagen kassiert hatte, zunächst durchaus Paroli. Das hohe Niveau, auf dem sie spielten, konnten die Bamberger aber nur 19 Minuten lang halten. Als die Bayern den Druck erhöhten, kippte die Partie in ihre Richtung. "Wir haben sehr schlecht in der ersten Halbzeit gespielt, waren langsam in der Defensive und in unserem Reaktionsverhalten und sehr passiv", meinte Bayern-Trainer Andrea Trinchieri.

Das änderte sich nach der Pause aber schlagartig. Die Münchner waren nun in der Verteidigung sehr bissig und zogen damit ihrem Gegner den Zahn. Das bis dahin flüssige und sehenswerte Angriffsspiel der Bamberger kam gehörig ins Stocken, weil die Bayern den Spielaufbau empfindlich störten. Bennet Hundt hatte gegen die physische Verteidigung Schwierigkeiten, Struktur in die Angriffe zu bekommen. Devon Hall und Dominic Lockhart leisteten sich folgenschwere Ballverluste. Mit 22:10 entschieden die Münchner, die ihrem Gegner insgesamt neunmal den Ball klauten, das dritte Viertel für sich. 15 Ballverluste leisteten sich die Bamberger, davon neun nach der Pause. "Nach der Halbzeit hat Bayern das Tempo angezogen, und wir sind auseinandergebrochen. In der Offensive haben wir den Ball nicht mehr gut laufen lassen und waren zu wenig in Bewegung", sagte Brose-Coach Johan Roijakkers.

Der Niederländer hatte aber keinen Grund, sauer auf sein Team gezeigt. Denn ehe die Bayern Ende des zweiten Viertels mit einem 8:0-Lauf die Führung an sich gerissen hatten, waren die Bamberger lange Zeit das bessere Team gewesen. Mit guter Ballbewegung erspielten sie sich viele freie Würfe. Besonders aus der Distanz erwiesen sich die Gäste mit sechs Dreiern bei zwölf Versuchen treffsicher. David Kravish (13 Punkte/9 Rebounds) arbeitete gewohnt zuverlässig unter den Körben. Chase Fieler (neun Punkte/zwei Assists) drehte jedoch erst dann auf, als die Partie bereits entschieden war. Positiv war auch, dass die Bamberger nicht die Köpfe hängen ließen, als offensiv gar nichts mehr ging und sie mit 21 Punkten ins Hintertreffen gerieten (53:74, 35. Minute). "Meine jungen Spieler haben bis zum Schluss alles gegeben, um das Ergebnis so akzeptabel wie möglich zu gestalten", sagte Roijakkers. Hundt (9 Punkte), Norense Odiase (7) und Kenneth Ogbe (4) sorgten dafür, dass die Bamberger den letzten Durchgang sogar noch knapp für sich entschieden (19:16).

Lob vom Ex-Coach

"Wir haben heute gegen ein gutes Team aus Bamberg gespielt, ihr Ergebnis in der Champions League hat gezeigt, dass sie mit viel IQ spielen", lobte Trinchieri das Team seines Ex-Klubs, das aber im Vergleich zu seiner Amtszeit in Bamberg bei weitem nicht so stark besetzt ist und demzufolge auch eine ganz andere Zielsetzung hat.

An seine dreieinhalb Jahre in Oberfranken mit drei deutschen Meisterschaften und einem Pokaltriumph denkt der Italiener gerne zurück, wie er am Mikrofon bei magentasport.de verriet: "Es war eine großartige Zeit. Die Stadt und die Fans dort werden immer einen Platz in meinem Herzen haben."