Am Ende legte im Duell zweier erheblich ersatzgeschwächter Mannschaften der deutsche Meister mehr Siegeswillen an den Tag und setzte sich sehr zur Freude seiner 70 mitgereisten Fans bei Schlusslicht Armani Mailand mit 84:76 (50:36) durch. Mit dem zehnten Euro-league-Sieg im Rücken muss die Mannschaft von Trainer Andrea Trinchieri in den nächsten drei Tagen die Akkus so schnell wie möglich wieder etwas aufzuladen, um in der Festung Frankenhölle am Sonntag die Himmelsstürmer aus Ulm zu Fall zu bringen und noch einmal in das Rennen um Platz 1 einzugreifen.

In Mailand, wo seine Frau und die beiden Kinder wohnen, musste Trinchieri weiter auf Janis Strelnieks (Schulter) und Elias Harris (Knie) verzichten. Maodo Lo, der am Dienstag bei der Heimpleite gegen Vitoria noch wegen einer Knöchelverletzung pausieren musste, war wieder mit an Bord. Wie am Dienstag bei der Pleite bei Panathinaikos Athen - der insgesamt sechsten in Folge - fehlten Armani-Coach Jasmin Repesa neben den schon länger verletzten Zoran Dragic und Krunoslav Simon auch Topscorer Rakim Sanders - der Ex-Bamberger hat Kniebeschwerden - sowie Bruno Cerella und Simone Fontecchio.

Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten (2:7) fanden die Bamberger, angeführt von Fabien Causeur und unter Regie von Nikos Zisis, ihren offensiven Rhythmus: Nicolo Melli, der fünf Jahre für Milan auf Korbjagd ging, Causeur, Lucca Staiger und Maodo Lo versenkten vier Dreier in Folge - mit einem 24:2-Lauf zog der deutsche Meister auf 26:9 davon. Neun Assists im ersten Viertel sprechen für eine hervorragende Ballbewegung.


Spielfreude kehrt zurück

Und auch in den zweiten zehn Minuten war den Bambergern die wieder gewonnene Spielfreude deutlich anzumerken. Allerdings ist auch zu konstatieren, dass die Gastgeber einen ganz schwachen Tag erwischt hatten. Nach einer 50:29-Führung des deutschen Meister verkürzte Ricky Hickmann für Emporio Armani bis zur Pause auf 36:50. "Die Offensive war okay, aber wir haben teilweise nachlässig verteidigt. Das müssen wir in der zweiten Halbzeit besser machen", betonte Andrea Trinchieri nach 20 Minuten.

Nach dem Seitenwechsel war der Begegnung deutlich anzumerken, dass für beide Teams der Play-off-Zug längst abgefahren ist. Obwohl die Bamberger kräftig durchwechselten, änderte sich am Ergebnis wenig. Die Bamberger gingen mit einem 64:52-Vorsprung in die letzten zehn Minuten. Um weiteren Nachlässigkeiten vorzubeugen, rief Trinchieri seine Jungs dann schon nach einer Minute zu einer Auszeit zusammen. Die Würfe der Bamberger fielen jetzt nicht mehr.

Beim 59:66-Zwischenstand versenkte Darius Miller aber einen wichtigen Dreier, und wenig später schraubte der starke McNeal den Vorsprung wieder auf 73:61. Das war's aber noch nicht: Ricky Hickman brachte die gut 8000 Milan-Fans noch einmal in Wallung. Bis auf 72:77 kam Mailand heran, doch Causeur zerstörte mit seinem Dreier die Hoffnungen der Gastgeber in dieser wenig ansehnlichen zweiten Hälfte. Die Fans aus Freak City feierten ihr Team und stimmten sich schon mal auf den Schlager gegen Ulm ein.


Die Statistik

Emporio Armani Mailand - Brose Bamberg 76:84
(14:29, 22:21, 16:14, 24:20)
Mailand Hickman (20 Punkte/5 Dreier), Raduljica (19), Cinciarini (9/1), McLean (8), Kalnietis (8/2), Pascolo (7), Abass (4), Macvan (1)
Bamberg Causeur (17/2), McNeal (12/1), Melli (9/2), Radosevic (9), Theis (8), Lo (7/1), Miller (7/1), Staiger (6/2), Nikolic (5/1), Zisis (4), Veremeenko, Heckmann
SR Ryzhyk (Ukraine), Petek (Slowenien), Papapetrou (Griechenland)
Zuschauer 8098
Gesamtwurfquote Mailand 37 Prozent (25 Treffer/68 Versuche), Bamberg 51 (29/57)
Dreierquote Mailand 31 Prozent (8/26), Bamberg 48 (10/21)
Freiwurfquote Mailand 72 Prozent (18/25), Bamberg 70 (16/23)
Rebounds Mailand 36 (23 defensiv/13 offensiv), Bamberg 34 (29/5)
Ballgewinne/-verluste Mailand 6/13, Bamberg 8/15
Assists Mailand 17/ Bamberg 22
Fouls Mailand 20/ Bamberg 26