Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bittet seine Mitgliedsvereine an die virtuelle Urne: Der Vorstand hat in seiner außerordentlichen Online-Sitzung am Dienstagabend einstimmig beschlossen, alle rund 4500 Mitgliedsvereine zum weiteren Umgang mit dem von staatlicher Seite weiterhin untersagten Wettkampfspielbetrieb zu befragen. Dabei geht es auch darum, inwieweit der BFV als Interessenvertreter seiner über 1,6 Millionen Mitglieder den Rechtsweg beschreiten soll.

Der Ministerrat hatte sich in seiner Sitzung am Dienstag wiederholt überhaupt nicht zum weiteren Vorgehen im Wettkampfsport oder zu Rahmenbedingungen für die Wiederaufnahme des Wettkampfspielbetriebs geäußert - und ist damit nicht auf die mehrfach kund getanen Forderungen des BFV eingegangen. So fehle den Amateurfußballern im Freistaat weiterhin jedwede Perspektive, allmählich nähmen auch die Auswirkungen nicht nur in wirtschaftlicher Sicht höchst besorgniserregende Formen an: Ersten Erhebungen zur Folge brechen den Vereinen gerade in den jüngsten Jahrgängen immer mehr Kinder weg, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind es bei den F-Junioren nahezu 20 Prozent weniger, Tendenz steigend.

Amateurfußball in Bayern: Noch immer kein Spielbetrieb möglich

"Wir haben den Kurs der bayerischen Staatsregierung in der Vergangenheit stets mitgetragen und für sehr verantwortungsvoll befunden. Wir haben akzeptiert, dass wir - anders als unsere Freunde in den benachbarten Landesverbänden - bis Anfang September keinen Wettkampfspielbetrieb aufnehmen durften. Wir haben uns mit Trainingsspielen ohne Zuschauer zufriedengegeben, wir haben verstanden, dass die Zuschauerfrage behutsam diskutiert werden muss, wir haben mit größter Sorgfalt Hygienekonzepte entwickelt und der Staatsregierung vorgelegt. Wir waren der Auffassung, die Voraussetzungen geschaffen zu haben, dass der Spielbetrieb ab dem 19. September 2020 wieder aufgenommen werden darf. Leider ohne Erfolg", schreibt BFV-Präsident Reiner Koch in seinem Wahl-Aufruf an die Vereine.

Es sei für die meisten nicht nachvollziehbar, dass in Bayern aktuell der Spielbetrieb nicht gestartet werden kann, obwohl die Staatsregierung es längst wieder erlaubt, beispielsweise Konzerte oder Gottesdienste unter freiem Himmel zu veranstalten und dabei sogar bis zu 400 Zuschauer zugelassen sind. "Nur ein paar Kilometer weiter in unseren Nachbarbundesländern wird längst wieder vor einer begrenzten Anzahl an Zuschauern gespielt. Und in jedem Schwimmbad und an jedem Badestrand tummeln sich mehr Menschen als bei den meisten Amateurfußballspielen rund um das Spielfeld Zuschauer stehen würden. Warum dies so ist? Wir können es nicht sagen! Denn diese Antwort bleibt uns und Euch die Politik nach wie vor schuldig. Dass wir stets die aktuellsten Zahlen der Neu-Infizierten im Blick haben, steht dabei außer Frage. Dennoch sollte gleiches Recht für alle gelten, so zumindest unsere Meinung im BFV-Vorstand", so Koch weiter.

Nach heutigem Stand sei davon auszugehen, dass der Ministerrat in den nächsten zwei Wochen keine weiteren Lockerungen beschließen wird, was - unter Berücksichtigung einer für den Spielbetrieb zwingend erforderlichen Vorlaufzeit - Amateurfußball in Bayern im Monat September unmöglich macht. "Ein Umstand, der für Euch und Eure Vereine bereits jetzt existenzielle Folgen hat und noch haben wird - wirtschaftlicher Natur, aber auch hinsichtlich mehr und mehr fernbleibender Frauen und Männer, Jungen und Mädchen", erklärt Koch, der betont, dass es gerade jetzt ganz besonders wichtig sei, dass Vereine und Verband mit einer klaren Stimme sprechen.

BFV zieht Gang vor Gericht in Betracht - Entscheidung liegt bei Vereinen

Der BFV habe in den letzten Wochen mehrmals das zuständige Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (StMI) kontaktiert und umfangreiche Konzepte vorgelegt. Gehör habe der Verband nicht gefunden - und zieht nun einen Gang vors Gericht in Betracht. Dafür nimmt der BFV seine Vereine ins Boot. "Dabei geht es uns insbesondere auch darum, von Euch zu erfahren, ob wir als letzte Möglichkeit jetzt auch noch den Rechtsweg beschreiten und in der Tat Klage erheben sollen", schreibt Koch.

Die Entscheidung, ob Klage eingereicht werden soll oder nicht, überlässt der BFV allerdings seinen Vereinen. In einer Online-Umfrage bittet der Verband an die virtuelle Urne. Bis zur nächsten Sitzung des Ministerrats am Dienstag, 8. September, werde der BFV die Umfrage auswerten.