Vom Balkon ihrer frisch bezogenen Zwei-Zimmer-Wohnung kann Anna Hausdorff das Vereinsgelände des SV Werder Bremen sehen, und mit dem Fahrrad ist sie in nur fünf Minuten auf dem Trainingsplatz. Die kurzen Wege waren es aber nicht alleine, die sie zu einem Wechsel in die Hansestadt bewegt haben. "Ich hatte auch andere Angebote, aber in Bremen passt einfach alles zusammen. Was ich bisher hier gesehen habe, war alles sehr positiv", sagt die aus Schammelsdorf im Landkreis Bamberg stammende 20-Jährige. Beim niedersächsischen Traditionsverein schlägt sie ein neues Kapitel ihrer Fußball-Karriere auf. Wenn am ersten Wochenende im September die neue Saison beginnt, darf sich Anna Hausdorff zum Kreis der Bundesliga-Fußballerinnen zählen.

"Mit Anna gewinnen wir eine talentierte Innenverteidigerin dazu, die neben ihren Defensivfähigkeiten vor allem in der Spieleröffnung ihre Stärke hat", begründete Werder-Trainer Alexander Kluge, warum sein Verein die Oberfränkin an die Weser gelockt hat.Vor wenigen Tagen ist die 17-fache Juniorennationalspielerin nach Bremen gezogen. Im Oktober wird sie an der dortigen Universität ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften beginnen.

Zuletzt drei Jahre in Hoffenheim

Gleichzeitig treibt die Innenverteidigerin ihre fußballerische Laufbahn voran. Nach drei Jahren bei der TSG Hoffenheim, für deren zweite Mannschaft sie in der 2. Liga zum Einsatz gekommen war, hat sie nun den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse geschafft. "Ich will so viele Minuten wie möglich spielen. Dafür werde ich mein Bestes geben", sagt Anna Hausdorff.

Seit der vergangenen Woche trainiert sie an der Weser bereits mit ihren künftigen Teamkolleginnen, die als Tabellenführer zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs die Rückkehr in die Bundesliga geschafft haben. Zweimal täglich stehen die Bremerinnen derzeit auf dem Platz - auch Anna Hausdorff hält problemlos mit. Der Kreuzbandriss, den sie kurz nach ihrem Wechsel von den Bayernliga-Junioren des FC Eintracht Bamberg zu den Hoffenheimerinnen im Sommer 2017 erlitten hat, ist vollständig auskuriert, das Knie wieder voll belastbar.

Zwölf Spiele hat sie in der vergangenen Saison für die TSG bestritten, bevor Corona für das vorzeitige Ende sorgte, insgesamt stehen für die Schammelsdorferin 32 Zweitliga-Einsätze zu Buche.

Neuer Lebensabschnitt

Nach drei Jahren in Hoffenheim suchte sie aber eine neue Herausforderung. "Ich wollte einen neuen Reiz setzen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen", sagt die Defensivspielerin, die nun den Sprung in die Bundesliga wagt. Auf das Duell mit Serienmeister VfL Wolfsburg freut sie sich heute schon. "Das Tempo und die Zweikampfhärte werden bestimmt noch einmal höher sein als in der 2. Liga", meint Anna Hausdorff, die in ihrer noch jungen Karriere schon beachtliche Erfolge vorweist.

Mit der U17-Nationalmannschaft gewann sie 2016 und 2017 die Europameisterschaft und nahm an der U17-WM 2016 in Jordanien teil. Ihre Nationalmannschaftskarriere kam aber aufgrund des Kreuzbandrisses und weiterer kleinerer Blessuren ins Stocken. Ein Lehrgang mit der U19-Auswahl des DFB im vergangenen Jahr steht für Anna Hausdorff als bislang letzte Berufung zu Buche.

"Froh, dass es wieder losgeht"

Doch die Nationalmannschaft ist für sie zunächst zweitrangig, die volle Konzentration gilt den Bremerinnen. "Ich wollte schon immer in der Bundesliga spielen und möchte mich jetzt beim SV Werder etablieren", sagt die 20-Jährige.

Sie freut sich, dass sie nach der langen Corona-Pause endlich wieder auf dem Fußballplatz stehen kann: "Ich habe zwar die lange Zeit zu Hause in Schammelsdorf genossen, bin aber froh, dass es jetzt endlich wieder losgeht."

Weitere Spitzenfußballerinnen aus Franken

Jessica Wich Die gebürtige Kronacherin spielt seit 2007, als sie vom Zweitligisten zu Turbine Potsdam wechselte, in der Bundesliga. Mit den Potsdamerinnen gewann die 30-Jährige drei deutsche Meisterschaften (2009, 2010, 2011) wurde Pokalsiegerin (2014) und triumphierte in der Champions League (2010). Seit der Saison 2014/15 geht die Angreiferin für Bayer Leverkusen auf Torjagd. Mit der U20-Auswahl holte Wich 2010 den WM-Titel, Katharina Baunach Die Würzburgerin spielte von 2006 bis 2017 für den FC Bayern München und gewann in dieser Zeit vier deutsche Meisterschaften. Nach zwei Jahren beim Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg wechselte die zweifache Nationalspielerin im vergangenen Jahr nach England zu West Ham United. Nach dem Saisonende im Juni hat die 31-Jährige das Ende ihrer aktiven Karriere bekanntgegeben. Julia Simic Die in Nürnberg geborene und in Fürth aufgewachsene Offensivspielerin gewann viermal den DFB-Pokal (einmal mit Bayern München, dreimal mit dem VfL Wolfsburg) und wurde mit den Wolfsburgerinnen 2017 deutscher Meister. Nach 140 Bundesligaspielen wechselte die 31-Jährige 2018 nach West Ham United. Bei den Engländerinnen steht die U19-Europameisterin von 2007 bis heute unter Vertrag. Lisa Ebert Die Offensivspielerin aus Ebermannstadt durchlief von der U15 bis zur U19 alle Nachwuchsauswahlteam des DFB und wurde mit der U19 2018 und 2019 Vize-Europameisterin. Vom 1. FC Nürnberg wechselte sie 2016 zum FFC Frankfurt und gab im September 2017 bei den Hessinnen ihr Bundesligadebüt. Zur Saison 2018/19 kehrte die 20-Jährige zum 1. FC Nürnberg in die Regionalliga zurück.