Brose Bamberg ist nur noch einen Schritt vom Erreichen des Pokal-Finalturniers entfernt. Der Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers genügte am Samstagnachmittag in der Ulmer Ratiopharm-Arena gegen s. Oliver Würzburg eine solide Vorstellung und eine starke Phase in der zweiten Halbzeit, um den fränkischen Konkurrenten mit 89:68 (45:38) in die Schranken zu weisen.

Auf Bamberger Seite glänzte Co-Kapitän Chase Fieler mit 18 Punkten, fünf Assists und vier Rebounds. Am Mikrofon von Magentasport fand der Power Forward aber nach der Partie lobende Worte für das Kollektiv. "Wir haben heute gut als Team funktioniert. Wir wollen nicht von einem Spieler abhängig sein, der jedes Spiel 20 Punkte machen muss. Unsere Philosophie ist es, dass immer der offene Spieler den Ball bekommen soll."

Die Bamberger treffen zum Abschluss der BBL-Pokal-Vorrunde am Sonntag (20.30 Uhr) auf die MHP Riesen Ludwigsburg. Bei einem weiteren Sieg steht Brose sicher im Top Four, die Würzburger haben nach ihrer zweiten Niederlage dagegen keine Chance mehr, das Finalturnier in München zu erreichen. Wann das Top Four stattfinden wird, steht nach den coronabedingten Spielausfällen von Alba Berlin und neuerdings auch Medi Bayreuth noch nicht fest.

BBL-Pokal

s. Oliver Würzburg - Brose Bamberg 68:89

(20:23, 18:22, 18:17, 12:27)

Nach müden Anfangsminuten aus Bamberger Sicht (3:7) brachte die Einwechslung von David Kravish Stabilität ins Bamberger Spiel. Der Center arbeitete exzellent an den Brettern, sicherte sich in seinen ersten vier Minuten Spielzeit sechs Rebounds und ermöglichte dadurch zweite Bamberger Wurfchancen. Diese nutzte unter anderem Michele Vitali, der mit schnellen neun Punkten (zwei Dreier und drei Freiwürfen) für den ersten Bamberger Lauf (11:16) sorgte. Brose versuchte nach Würzburger Fehlwürfen oder Ballverlusten viel Tempo ins Spiel zu bringen, leistete sich dann aber selbst einige Fehler bei Fastbreaks.

Testspieler Elias Lasisi bewies in der Defensive ein ums andere Mal schnelle Hände, hatte aber vor allem in der ersten Halbzeit bei seiner Wurfauswahl und Quote noch viel Luft nach oben. Diese Tatsache trug auch dazu bei, dass die Unterfranken zunächst im Spiel blieben. Der athletische Würzburger "Big Man" Zach Smith ließ Bambergs Norense Odiase stehen und glich zum 25:25 (13.) aus. Dann drehte auf Bamberger Seite Chase Fieler auf. Zunächst traf der US-Amerikaner einen Dreier, dann ging er einem Fehlwurf nach und stopfte den Ball in den Korb und zu guter Letzt fand er Kenneth Ogbe, der von der 6,75-Meter-Linie traf.

Nach einem Ogbe-Korbleger betrug die Bamberger Führung zehn Punkte (25:35). Doch Würzburg ließ sich wieder nicht abschütteln und antwortete seinerseits mit einem 9:0-Lauf (34:35). Brose-Coach Roijakkers probierte es in dieser Phase mit einer kleinen Formation mit Christian Sengfelder als Center und Joanic Grüttner Bacoul als Power Forward - doch diese Aufstellung funktionierte nicht. Nach der Brose-Auszeit übernahmen die Oberfranken wieder das Kommando. Das Ausrufezeichen der ersten 20 Minuten setzte Fieler 25 Sekunden vor der Pause, als er den 34-jährigen Micah Downs abschüttelte, unter dem Korb durchtauchte und mit einem einhändigen Dunking abschloss.

Von der Sieben-Punkte-Führung (38:45) der Bamberger blieb bereits nach zwei Minuten in Hälfte nichts mehr übrig. Das Team von Trainer Denis Wucherer brachte nun mehr Energie aufs Spielfeld und ließ den Ball sehenswert laufen. Die deutsche Nachwuchshoffnung Joshua Obiesie brachte Würzburg per Dreier nach langer Zeit wieder in Führung (49:47). Das Brose-Team präsentierte sich in dieser Phase offensiv sehr fahrig, leistete sich in sechs Minuten sechs Ballverluste. Auch Spielmacher Tyler Larson brachte in dieser Phase keine Ruhe ins Spiel und erwischte nach einigen guten Leistungen einen recht gebrauchten Tag (0/8 aus dem Feld, drei Ballverluste, fünf Assists). Nach einem Sechs-Punkte-Rückstand war Roijakkers (56:50) bereits nach sechs Minuten zu seiner zweiten Auszeit gezwungen.

Diese sollte fruchten und es sollte - wie so oft im Basketball - beim Spiel der Läufe bleiben. Die Bamberger schraubten die Intensität in der Defensive wieder nach oben und kamen so ins Laufen. Vitali mit zwei Dreiern und der überragende Fieler am Brett drehten die Partie zum Viertelende (56:62). Viertelübergreifend baute Brose seinen Lauf sogar auf 20:0 aus und zog nach 33 Minuten zweistellig (56:70) davon. Die Bamberger setzten noch einige optische Glanzlichter, unter anderem einen Alley-Oop von Kravish auf Pass des gut aufgelegten Bennet Hundt. Als dann auch noch Lasisi seinen ersten Wurf traf (58:77, 35.), war der zweite Bamberger Sieg im BBL-Pokal frühzeitig unter Dach und Fach. So inkonstant sich das Brose-Team während des Spiels auch präsentierte, am Brett war auf die Überlegenheit (44:27 Rebounds) Verlass. Alleine Kravish sicherte sich 14 Abpraller.

Nur teilweise zufrieden zeigte sich Coach Roijakkers nach dem zweiten Pokalsieg. "Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. 25 Minuten haben wir nicht den Basketball gespielt, den wir spielen können, der uns ausmacht. Da hatten wir lediglich zwei, drei Spieler, die Bamberger Basketball gespielt haben. Aber wir haben einen Weg gefunden. Vor allem Dominic Lockhart hat uns in der entscheidenden Phase sehr viel Energie in der Verteidigung gegeben."

Die Basketball-Statistik

Würzburg: Smith (15 Punkte), Persons (12), Ward (10), Koch (7/1 Dreier), Obiesie (6/1), Hunt (6), Downs (5/1), Albus (5/1), Ogden (2), Hoffmann Bamberg: Vitali (21/4), Fieler (18/1), Ogbe (12/2), Hundt (10/2), Kravish (8), Lasisi (5/1), Odiase (5), Sengfelder (4), Plescher (3/1), Lockhart (3/1), Grüttner Bacoul, Larson Schiedsrichter: Reiter, Streit, Loder Zuschauer: keine Gesamtwurfquote: Würzburg 42 Prozent (25 Treffer /60 Versuche), Bamberg 49 (34/70)

Dreierquote: Würzburg 24 (4/17), Bamberg 39 (12/31) Freiwurfquote: Würzburg 74 Prozent (14/19), Bamberg 90 (9/10) Rebounds: Würzburg 27 (21 defensiv/6 offensiv), Bamberg 45 (31/14) Ballgewinne/-verluste: Würzburg 11/15, Bamberg 9/18

Assists: Würzburg 13 / Bamberg 23 Fouls: Würzburg 15 / Bamberg 16

Spieler des Spiels

Chase Fieler zeigte eindrucksvoll, wie variabel er in der Offensive punkten kann: ob mit dem Rücken zum Korb gegen einen körperlich schwächeren Gegenspieler, den Dreipunktewurf nach dem Pick-and-Pop oder den dynamischen Zug zum Korb mit spektakulären Abschluss. Dazu glänzte er auch als Passgeber.