Links steht Jesus Christus, rechts eine Mutter mit Kind, unten am Rand die Aufforderungen "Bete und arbeite" und "Sei getreu bis in den Tod": So wurden Kinder im Jahre 1925 in Fischhausen in Ostpreußen aus der Schule entlassen.

Unsere Leserin Christiana John hat uns kurz vor Schuljahresende das Schul-Entlassungs-Zeugnis ihrer Mutter Martha Falk in die Redaktion gebracht mit der Bemerkung, dass Schulzeugnisse früher doch offenbar sehr viel liebevoller gestaltet worden waren als heute. Besonders fasziniert hat sie die Tatsache, dass alle Lehrer der Schule damals eigenhändig unterschrieben haben.

Von Ostpreußen nach Bamberg

Außerdem gaben sie der Schülerin gute Wünsche für ihre Zukunft mit auf den Weg.
Handschriftlich steht unter der Notentabelle (mit den bemerkenswert guten Zensuren) in altdeutscher Schrift der Satz: "Dieselbe (gemeint ist die Schülerin) wird hierdurch mit den innigsten Wünschen für ein ferneres Wohlergehen aus der Schule entlassen."

Einziger Schönheitsfehler des Zeugnisses, mit dem Martha Falk im Alter von 14 Jahren aus der siebenklassigen Stadtschule in das Erwachsenen-Leben entlassen wurde, ist der falsch geschriebene Vorname. Statt Martha, wie es hätte richtig heißen müssen, steht dort "Marthe".

Marthas Tochter Christiana ist noch in Ostpreußen geboren, wo ihre Eltern - der Vater war Soldat und stammte aus Bamberg - geheiratet haben. Anfang 1945 flüchtete Mutter Martha mit der kleinen Tochter in die Heimat ihres Mannes.

Martha John hatte auf die beschwerliche Zugreise (die Fahrgäste gestatteten ihr, dass sie in dem überfüllten Zug mit ihrem Kleinkind auf der Toilette sitzen durfte) nur einen kleinen Koffer mit Habseligkeiten mitnehmen können, darin die wichtigsten Papiere mit dem letzten Zeugnis ihrer alten Schule.