Die Bundesregierung sagt es in seltener Deutlichkeit: Der Klimawandel bedroht Deutschlands Skigebiete. Ganz besonders die in den Mittelgebirgen. Da hilft auch der massive Einsatz von Schneekanonen nicht weiter. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad könne von einer Verschiebung der Höhengrenze für die natürliche Schneesicherheit um 300 Höhenmeter ausgegangen werden, heißt es. Da bleibt selbst für Frankens höchstgelegene Skigebiete um den Ochsenkopf im Fichtelgebirge und den Kreuzberg in der Rhön nicht mehr viel. Natürliche Schneesicherheit existiert nach Aussage des Bundes Naturschutz nur noch in Lagen über 1800 Metern, sprich im Hochgebirge. Kunstschnee gilt deshalb vielerorts als die einzige kurzfristige Alternative. Wobei es auch für den Einsatz von Schneekanonen entsprechend niedrige Temperaturen braucht. Und langfristig benötigt der Mittelgebirgsraum wohl grundsätzlich neue Überlegungen.


Schneeunabhängige Alternativen

Und die werden auch schon angestellt, weiß Olaf Seifert, Geschäftsführer des fränkischen Tourismusverbands in Nürnberg. Entspannung und Erholung, darauf setzen die fränkischen Tourismusmanager nicht nur im Sommer, sondern in Zukunft verstärkt auch im Winter. Winterwandern, Wellness und Thermenbesuche nennt Seifert als schneeunabhängige Alternativen zur bisherigen Pistengaudi.
Die günstige Verkehrsanbindung ermögliche beispielsweise auch Tagesausflüglern aus Nürnberg kurzfristig den Besuch der Obermaintherme in Bad Staffelstein. Die kulinarischen Spezialitäten der Region hinzugenommen sei das ein interessantes Paket zur Erholung in der Region, so der Tourismus-Chef.
Ein Angebot, das in dieser Form den bisherigen Urlaubsregionen im Fichtelgebirge und in der Rhön nicht viel weiter hilft. Aber auch dort hat die Umstellung längst begonnen. Die unsichere Schneelage hat ja schon längst dazu geführt, dass überzeugte alpine Skifahrer ihr neues Sportgerät am Ochsenkopf oder am Kreuzberg gerade mal einfahren. Zum eigentlichen Urlaub geht's dann nach Österreich oder Italien, wo sich der Skienthusiast in Verbundskigebieten mit einer Vielzahl von Pisten und Liften regelrecht austoben kann.
Warmensteinachs Bürgermeister Axel Herrmann ficht das nicht an. Rund um den Ochsenkopf setzt man neben dem klassischen Skibetrieb längst auf attraktive Zusatzangebote, die unabhängig von der Schneelage Spaß machen. Zum Beispiel das "Biken". Egal, ob mit dem Fatbike, das sind die mit den dicken Rädern, oder per E-Bike, rund um den Ochsenkopf lassen sich jede Menge Radwege befahren. Und das eben auch im Winter. "Der Trend geht hin Richtung Ganzjahrestourismus", gibt sich Herrmann überzeugt.


Klimawandel hat schon eingesetzt

Egal ob Wellness, Wandern oder Radeln, der Tourismus in Franken braucht diese Alternativen dringend. Das belegt auch eine Untersuchung von zwei Bayreuther Wissenschaftlern, die sich mit der Wetterentwicklung im östlichen Oberfranken befasst haben. Unter anderem haben sie herausgefunden, dass sich im Verlauf der letzten 40 Jahre die Lufttemperatur durchschnittlich um 1,3 Grad erhöht hat. Gab's in Fichtelberg in den 60er Jahren im Schnitt an knapp 60 Tagen eine Schneedeckenhöhe von mindestens 30 Zentimetern, waren es 2012 gerade noch 18 Tage. "Ski und Rodel gut" - in Franken wird das in Zukunft immer seltener gemeldet werden können.