Ulrike Heucken hat die Bilder der Stadt schon einmal bei ihren Nachbarn im Sand herumgereicht. Das Echo auf die dreidimensionalen Rekonstruktionen war nicht gerade schmeichelhaft für die planerische Weitsicht in der Stadtverwaltung: "Die haben alle gedacht, das ist ein Spaß", berichtete die grüne Stadträtin im Bausenat.
Doch aus Spaß kann in Bamberg schneller ernst werden, als es manchen lieb ist.

Die Bilder der Stadt zeigen eine zweistöckige Containeranlage, die nach der im Zweckverband Gymnasien bereits getroffenen Entscheidung während der Sanierung des Clavius-Gymnasium (CG) im Garten des Stadtarchivs errichtet werden soll. Zehn Schulklassen können hier zwischen August 2014 bis August 2017 unterrichtet werden, was nach Ansicht von Baufachleuten aus Sicherheitsgründen während der Arbeiten auf dem Schulhof des CG nicht möglich sein soll.


Doch ungeachtet der bereits weit gediehenen Planungen und einer gewissen Zeitnot für das 35-Millionen-Euro- Großprojekt löste die weiß glänzende Containerschule, die sich zwischen das ehrwürdige Stadtarchiv und das Staubsche Haus drängt, einen Aufschrei aus.


Anblick ist nicht zumutbar



Alle Fraktionen waren sich einig, dass man dem Welterbe Bamberg mit seinem berühmten Blick über den Fluss zum Kloster Michelsberg hinauf ein solches Bauwerk - und sei es auch nur provisorisch - nicht zumuten könne. "Wer das sieht, muss schon zwei Mal schlucken", sagte Peter Röckelein von der CSU. Von einem Schlag ins Gesicht der Stadt sprach Norbert Tscherner. Er fürchtet, dass diese "Schuhschachtel" deutlich länger steht als angekündigt. Auch die Grünen wollten sich nicht überfahren lassen. Der Kommentar von Ursula Sowa: " Hammermäßig!"

Doch so leicht wird es nicht, das Gespenst einer Containerburg mitten im Stadtdenkmal zu bannen. Zwar beschlossen die Stadträte, dass vor einer zweiten Lesung am 26. Juli im Stadtrat noch einmal Alternativen zu prüfen seien. Doch wie der Finanzreferent Bertram Felix unmissverständlich klar machte, sind die Sachzwänge, die zu dem Standortbeschluss geführt haben, erdrückend.

Alternative 1, das von den Stadträten vorgeschlagene Grundstück der Stadt an der Pfeuferstraße, scheidet aus Sicht von Felix aus, weil es eines der wenigen ist, das die Stadt angesichts der großen Herausforderungen der nächsten Jahre noch "versilbern" kann. Hier soll Wohnungsbau entstehen.

Absolut ungeeignet ist nach Meinung der Schulleitung des CG ein Standort neben der Tiefgarage Georgendamm. Auf dem Grundstück der Gangolfsschule reicht laut Felix der Platz nicht aus, und die Pestalozzischule werde bereits für den anstehenden Umbau der Blauen Schule gebraucht.


Canisiusheim-Parkplatz soll verkauft werden



Auch für den Parkplatz auf dem Gelände des Canisiusheims stehen die Ampeln derzeit auf rot. Wie Felix mitteilte, trägt sich der Orden der Salesianer mit Verkaufsabsichten; Überlegungen für eine minderwertige Nutzung als Containerstandort würden deshalb kaum auf Gegenliebe stoßen.

Dazu erreichte uns der Zwischenruf von Emil Hartmann vom Canisiusheim. Bei der in Frage kommenden Fläche handele es sich zu zwei Drittel um einen Spielplatz. Eine Preisgabe des Spielplatzes für die Container stehe aus seiner Sicht nicht zur Debatte. Auch die Verkaufsabsichten des Salesianerordens bestätigt Hartmann nur für den Fall, dass das Heim einen Alterntivstandort für seine derzeitigen Nutzungen hat, unter anderem eine E-Schule, Wohngruppen und eine heilpädagogische Tagesstätte.

CG-Schulleiter Wolfgang Funk beurteilt die Frage des Containerstandorts aus der Sicht des verantwortlichen Pädagogen. Man habe sich gegen den ursprünglich geplanten Standort im Hof der Martinsschule entschieden, um den Platz für die Schüler nicht noch mehr einzuengen. Für ihn geht es weniger um eine ästhetische Einschätzung, als darum, den Unterrichtsbetrieb während der komplizierten Phase des Umbaus zu organisieren. Funk: "Da wir das Fachlehrerprinzip haben, müssen Schüler und Lehrer häufig den Unterrichtsort wechseln. Für den Standort Stadtarchiv spricht dessen Nähe zum Gymnasium."