"So schlimm wie diesmal war es früher nicht", klagt Georg Isert. Unzählige Sandkerwa-Besucher hätten fünf Tage lang aus "allen Öffnungen und mit allem, was Menschen nur ausscheiden können" Höfe, Türen und vor allem Gärten beschmutzt. Wie seine Nachbarin Lisa Neundörfer ergänzt, ist das sogar so weit gegangen, dass wildfremde Menschen nachts in die Höfe gegangen seien, um in Reih' und Glied in alle Ecken zu pinkeln.
"Ich habe an einem Abend drei junge Wildpinkler überrascht und zur Rede gestellt. Da haben sie mir doch glatt vorgelogen: Sie würden hier wohnen und ihre Schlüssel nicht finden", berichtet Neundörfer. Aber nicht nur die Hinterhöfe waren für Wildpinkler beliebte Orte, auch vor, hinter und zum Teil auf ihren Autos fanden die Anwohner am nächsten Tag Erbrochenes oder Kot.
"Und so ganz nebenbei", schilderte Isert "haben sie mir meinen Außenspiegel und meine Autoantenne abgebrochen."

Von zwei Seiten angepinkelt

Am schlimmsten war es aber in den Gärten am neuen Uferweg. "Nicht nur, dass wir dieses Jahr von zwei Seiten angepinkelt wurden, viele Besucher sind einfach in die Gärten eingestiegen und haben Party gefeiert", klagt Christiane Hartleitner. Am Sonntag bot sich ihr ein wahres Schreckensbild, als sie ihren liebevoll gepflegten, idyllischen Garten betrat. Zwei Taschen voll leerer Wodka-, Bier- und Plastikflaschen sowie Müll musste sie auflesen und wegbringen.

Der nagelneue, von der Landesgartenschau GmbH errichtete Zaun konnte die Eindringlinge nicht abhalten. "Neu gesetzte Pflanzen wurden zertrampelt, meine Hängematte war mit Brandlöchern übersät, Kippen lagen im ganzen Garten verstreut und mehrere Scheißhaufen auf der Gartenmauer sowie Kotze auf dem Rasen haben das Ganze gekrönt", berichtet sie. Gegen den Uringestank konnten selbst ihre Rosen nichts ausrichten.

Ähnlich erging es ihren Nachbarn, dem Ehepaar Seidenath. "Wir haben drei junge Menschen nachts in unserem Garten angetroffen und des Platzes verwiesen. Es dauerte keine halbe Stunde, und schon waren sie wieder da", sagt Annelore Seidenath. Ganz frech und ungeniert hätten sie es sich in den Liegestühlen bequem gemacht und ihre Kippen in den Garten geworfen.

Andere ungebetene Gäste haben im Garten von Georg Isert eine Zinktonne "mitgehen lassen". Beide Gartenbesitzer haben Anzeigen bei der Polizei gegen Unbekannt gestellt. Die Chance, dass wenigstens einer der Eindringlinge ermittelt werden kann, stehen gut: Der bisher noch Unbekannte hat sein Handy verloren. Es ist jetzt bei der Polizei. "Wir hoffen, dass die Übeltäter ermittelt werden können", sagt Otto Seidenath.

Geärgert haben sich die drei Gartenliebhaber aber auch, weil sie während der ganzen Sandkerwa nicht wie früher grillen oder das Feuerwerk hätten genießen können.

"Mein Sohn war mit Freunden im Garten, kam aber bald wieder frustriert nach Hause", schildert Christiane Hartleitner. Und warum? Ständig standen junge, aber auch ältere Kerwabesucher am Zaun, öffneten ungeniert die Hosentüren und ließen ihrem Drang freien Lauf.

Für Ulrike Heucken, Geschäftsführerin der Sandkerwa GmbH, ist das "Wildpinkeln" direkt im Sandgebiet hingegen kein großes Thema mehr. "Ich habe das Gefühl, es werden weniger." Die Polizei traf 14 Männer beim Urinieren an und verwarnte sie. Laut Heucken sind die "Piss nix in the City"-Karten inzwischen gut angenommen worden: "Die meisten standen anständig vor den Klohäuschen an." Im übrigen sei die Kirchweih, gemessen an den 300.000 Besuchern, sehr friedlich und ruhig verlaufen. "Die Stimmung war gut, und ich denke, wir konnten neben den vielen Traditionen mit dem Gaustadter Chor und den Fackeltauchern wieder eine schöne italienische Nacht bieten."

Mit Sorge sieht Heucken hingegen die von Jahr zu Jahr größer werdende Menschenmenge, die sich auf der Markusbrücke niederlässt und die damit verbundenen Alkoholexzesse von Jugendlichen. Allerdings habe die Sandkerwa GmbH keine rechtliche Möglichkeit, den Aufenthalt auf der Brücke zu verbieten. "Ich darf auch keine Rucksäcke kontrollieren und überprüfen, ob Jugendliche Alkohol darin verstecken." In ihren Augen sind die Eltern der jungen Kirchweihbesucher in der Pflicht. Sie müssten dafür sorgen, dass Zwölfjährige nicht mehr früh um 24 Uhr dort herumlungern.

Die Bamberger Polizei hat in diesem Jahr täglich eine kombinierte Streife vor Ort gehabt, berichtet der Leiter der Inspektion Stadt, Udo Skrzypczak. "Jeweils ein Mann vom Jugendamt und ein Zivilbeamter waren fünf Tage auf Streife und haben verstärkt Jugendliche bis zu 16 Jahren kontrolliert." Insgesamt wurden 22 Jungen und Mädchen aufgefunden, die unter Alkoholeinfluss standen. Sie wurden ihren Eltern übergeben. Leider, so der Polizeichef, brachten manche der Erziehungsberechtigten wenig Verständnis dafür auf, dass die Kinder von der Polizei nach Hause gebracht wurden. Einige Beamte handelten sich massive Vorwürfe ein.

"Die Markusbrücke ist nach wie vor ein Brennpunkt. Ich schlage vor, dass sich demnächst alle Beteiligten an einen Tisch setzen und beraten müssen, wie wir ihn künftig entschärfen können", so der Polizeichef.