Lustig und heiter ging es zu beim Kerwa-Auftakt am Donnerstagabend zu vorgerückter Stunde im Festzelt. Wenige Stunden zuvor freilich, während der offiziellen Eröffnung mit dem Bieranstich, dürfte es zumindest dem Oberbürgermeister und einigen Stadträte nicht ganz so wohl in ihrer Haut gewesen sein. Denn in ihrer Eröffnungsrede fand Gisela Bosch, Vorsitzende des Bürgervereins des vierten Distrikts, deutliche Worte in Richtung Stadtverwaltung.


Wie der Vater so die Tochter

Zwar ist so mancher Seitenhieb gegenüber der Stadtspitze durchaus Tradition bei der Eröffnung der Sandkerwa. Schon vor 37 Jahren, also 1978, wetterte der damalige Bürgervereinsvorsitzende Heiner Bosch: "Eines ist gewiss: Sollte der Bürgerverein eines Tages die Kraft nicht mehr aktivieren können, um dieses Volksfest zu organisieren: Die Stadt wird weder den Geist noch die Idealisten und schon gar nicht die finanziellen Mittel aufbringen, denn ein solches Volksfest lässt sich weder verordnen noch verwalten." So steht es in alten Archivaufzeichnungen. Bosch wollte damals, wie er selbst weiter betonte, seine Bemerkung aber weder als Drohung noch als Resignation verstanden wissen, sondern vielmehr an den "eigentlichen Geist des Volksfestes" und die Absichten seines Vereins erinnern. Schließlich sei in seinen Augen die Sandkerwa keine "Bier-Olympiade", sondern eine überzeugende Demonstration gewachsener Lebensqualität, die der Bürgerverein gerne erhalten und weitergeben möchte. Auch seine Tochter, die amtierende Vorsitzende Gisela Bosch, ist bekannt dafür, dass sie mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält und in den letzten Jahren so manches Problem im Vorfeld der Sandkerwa offen zur Sprache brachte. Heuer jedoch "steigerte" sie sich deutlich und nahm sprichwörtlich kein Blatt vor den Mund. Die Festzeltgäste reagierten mit Buhrufen, Beifallskundgebungen und Lachen gleichzeitig. Denn zwischen der scharfen Kritik war auch so manch ironisch überspitzte Bemerkung verborgen.


Ein Damoklesschwert

Zunächst betonte Gisela Bosch, dass in den letzten 64 Jahren trotz mancher Schwierigkeit alles gut funktioniert und auch lange vor dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg für die Verantwortlichen stets die Sicherheit immer im Vordergrund gestanden habe. "Doch ausgerechnet zum 65. Jubiläum hängt ein Damoklesschwert über der Kirchweih, weil jahrzehntelange Erfahrungen vom Tisch gefegt wurden. Und selbst, als ein Sicherheitskonzept vorlag, werden wir unserer Traditionen beraubt", sagte Bosch. So gebe es wegen des Badeverbotes in der Regnitz bereits seit 2009 eine Sondergenehmigung für das Fischerstechen. Auch sei aufgrund der Sicherheitsanforderungen inzwischen das Aufstellen des Kirchweihbaumes in Gefahr. Und bis zwei Tage vor Kirchweihbeginn hätte man nicht gewusst, ob das Feuerwerk vom Michaelsberg wie seit 50 Jahren stattfinden werde. "Demnächst brauchen wir einen Waffenschein für Dreschflegel beim Hahnenschlag und es fehlt nur noch eine neue EU-Norm für Wimpel", wetterte sie.


"Unsere Kerwa!"

Dennoch, so Bosch, wolle der Bürgerverein weiterkämpfen, selbst auf die Gefahr hin, dass die Ehrenamtlichen als "vernarrte Idealisten in die Weltgeschichte eingehen" werden. Und in Richtung Oberbürgermeister unterstrich sie: "Fakt ist: Es ist unsere Kerwa. Die Stadt oder der Stadtrat, auch der Oberbürgermeister, können zwar beschließen - aber allein der Bürgerverein mit seiner GmbH wird entscheiden, ob eine Sandkerwa stattfindet oder nicht. Herr Oberbürgermeister, da hilft Ihnen auch kein Plan B!"

Ansonsten startete die Sandkerwa, wie Ulrike Heucken, Geschäftsführerin der Sandkerwa Gmbh, mitteilte, recht gemütlich. "Bedingt durch den Regen waren deutlich weniger Besucher am Donnerstag unterwegs als in den Vorjahren", bilanzierte sie. Auch hätte sich das Festgebiet gegen 0.30 Uhr schnell geleert. Besondere Vorkommnisse habe es keine gegeben.

Notiz vom Abend: So schnell wie heuer war der Kirchweihbaum noch nie aufgestellt worden. Zwar wurde ein stattlicher 17-Meter-Baum von der Zimmerer-, Schieferdecker- und Bauhandwerkerzunft zur Elisabethenkirche transportiert. Weil aber ein ausreichender Sicherheitsabstand nicht gewährleistet werden konnte, wurde er noch an Ort und Stelle mit der Handsäge auf 6,50 Meter gekürzt. Und dieser war natürlich spielend leicht in die Höhe gehievt worden. Ehrenobermeister Kaspar Reinfelder scherzte: "Letztes Jahr haben wir in Gaustadt nur den Stumpf aufgestellt und an der Sandkerwa holen wir jetzt die Spitze nach".