Bei diesem Nostalgietreffen ging es mal nicht um die alltäglichen Zipperlein des Alters. Es wurde gezuckt und gerockt. So fegte der Kabarettist und Buchautor Helmut Vorndran als "Ballroom Blitz" durch die Reihen. Seine zwei Hüftoperationen merkte man dem Wahl-Rattelsdorfer nicht an. "Ich sage nur - Sweet" kommentierte der bekannt scharfzügige 58-Jährige die Ü-50-Party mit Live-Musik ungewohnt moderat und doch doppelsinnig.

Denn Andy Scott und Pete Lincoln von "The Sweet" setzten eines der Glanzlichter bei dieser dreistündigen Rock-Retro. "Wegen dieses Hits (Ballroom Blitz) und der Mädchen bin ich damals noch mit dem Mofa in eine der drei Discos nach Oberhaid gedüst", ergänzte ein 61-jährige Hallstadter - und fühlte sich in diese Strum-und-Drang-Zeit zurückversetzt.

Hauch der Vergänglichkeit

Und doch lag über dem Gastspiel von "Rock meets Classic" (RmC) am Donnerstagabend in der Brose Arena der Hauch der Vergänglichkeit. Das begann schon mit dem Intro, als auf der Filmleinwand zur Jubiläumstour ein Rückblick auf die klangvollen Namen geworfen wurde, die schon mitgemacht hatten. Mit Rick Parfitt (Status Quo) und John Wetton (King Crimson, Asia) tauchten zwei Gesichter auf, die mittlerweile das Zeitliche gesegnet haben.

"Oft werden wir die Idole unserer Jugend nicht mehr live auf der Bühne erleben können", nannte ein Eberner, der das Rentenalter auch schon erreicht hat, als Grund für die Fahrt in den Jungbrunnen an der Forchheimer Straße, wo er sich mit 2000 Rockoldies tummelte, die bisweilen weite Wege auf sich genommen hatten, um Deep Purples Ian Gillan.(73) oder Sweet-Begründer Andy Scott (69) nochmals in Aktion zu erleben. Und dies zusammen mit einer tollen Band (die von Musikdirektor Mat Sinner) und einem Symphonie-Orchester, das für eine gewaltige Klangfülle sorgte, aber leider nicht von Bernhard Wünsch dirigiert wurde, da der gebürtige Bamberger ausgerechnet in seiner Heimatstadt wegen einer Erkrankung ausfiel und von Mario Gebhardt vertreten wurde.

Der Chor springt ein

Eine besondere Rolle fiel dem fünfköpfigen Chor zu, der gekonnt einsprang, wenn die Stimmen der älteren Herrschaften bei höheren Passagen versagten (was besonders für Mike Reno von "Loverboy" galt). Für Anna Maria Kaufmann waren solche akustischen Höhenflüge keine Probleme, da sie mit "Phantom of the opera" nicht nur die Herzen der Fans, sondern - gefühlt - auch das dreigestrichene C erreichte.

Den Stimmungspegel trieben Scott Gorham und Ricky Warwick in die Höhen, da es ab dem Thin-Lizzy-Klassiker "Whiskey in the Jar" niemanden mehr auf seinem Sitz hielt. Dabei kam es sogar zu einer Reinkarnation: "Wenn Du die Augen schließt, denkst Du Phil Lynott sing", lobte der Bischberger Eugen Kügler die Vorstellung des Sängers, wohl wissend, dass Band-Chef und Kultfigur Phil Lynott bereits vor 33 Jahren verstorben ist.

Stimmprobleme und Brillanz

Und dennoch waren die "Boys back in town", im Geiste und leibhaftig, wie etwa US-Boy Kevin Cronin (67), der auf der Bühne feststellte, das "Rock'n'Roll uns ewig jung hält", was sich zumindest am Haltbarkeits-Datum einiger Songs ablesen lässt. Hatte irgendjemand Kevin Cronin gesteckt, dass "Keep the fire burning" einer der größte Speedwagon-Erfolge in Deutschland gewesen war, weswegen er ihn spontan und solo zur Gitarre einstreute, griff Ian Gillan ganz tief in die Klamottenkiste: Mit "Hush" hatte er den ersten Purple-Hit ausgewählt und damit eine Zeitreise von 51 Jahren gestartet. Bekam Gillan bei "Highway Star" noch unüberhörbare Stimmprobleme, brillierte er dagegen mit der Ballade "When a blind man cries" oder bei "Perfect strangers".

Als nach drei Stunden Nostalgie-Rock alle Akteure zu "Smoke on the water" auf die Bühne kamen, waren die Rauchzeichen, dass das Ende des Parforce-Ritts durch die Rockgeschichte naht, unverkennbar. Selig schlichen sie nach Hause und auf Weg zum Auto fiel die Bemerkung, dass es durchaus etwas lauter hätte sein können. Womit wir doch noch bei den Zipperlein angelangt wären. Beispielsweise den Hörproblemen.