Stolz präsentiert der elfjährige Louis Schönlein seine Siegerurkunde. Wenige Augenblicke zuvor hatte er sich gegen seine drei Mitstreiterinnen aus dem Landkreis Bamberg durchsetzen können und den Regionalentscheid des Bücherwettbewerbs in der St. Vitus Bücherei in Burgebrach gewonnen. "Ich habe zwar viel geübt für den Wettbewerb, trotzdem war ich sehr aufgeregt", berichtet der Sechstklässler der Staatlichen Realschule Scheßlitz. Seine Nervosität war ihm allerdings keineswegs anzumerken.

In der ersten Runde, in der die Schüler einen zu Hause vorbereiteten Text vorlesen mussten, konnte Louis durch einen sicheren Auftritt überzeugen. Auch den Vortrag einer - den Kindern vorher unbekannten - Textpassage aus "Feo und die Wölfe" in Runde zwei meisterte er souverän. Besonders hier machte sich sein jahrelanges Lesen bezahlt: Die Harry-Potter-Reihe sei seine absolute Lieblingslektüre. "Ich habe sie schon zwei Mal gelesen."

Für die Jury zeichnete sich der Realschüler schnell als Favorit ab, wie Jurymitglied Elisa Wünsch vom Veranstalter Kreisjugendring erzählt. "Natürlich haben wir darauf geachtet, wie verständlich oder betont der Text vorgelesen wird. Auch die Selbsteinschätzung der Kinder, nicht über die drei Minuten Lesedauer hinauszugehen, war ein entscheidendes Kriterium." Doch nicht nur der erste Platz wurde ausgezeichnet: Auch Nadine Lunz, Letizia Arums und Laura Amberg, die auf den Plätzen dahinter folgten, wurden mit einer Urkunde für ihre Lesekünste geehrt und durften sich über Büchergutscheine freuen.

Für Sieger Louis Schönlein ist der Vorlesewettbewerb aber noch nicht beendet: im Bezirksentscheid wird er sich schon bald mit den besten Leseratten aus ganz Oberfranken messen müssen. Bis hin zum Bundesfinale wird das Teilnehmerfeld weiter eingeengt, ehe am 20. Juni in Berlin der schulübergreifend beste Vorleser der sechsten Klassen gekürt wird.


Immer weniger Teilnehmer

Ein bekanntes Gesicht beim Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs ist Franz Will, ehemaliger Grund- und Hauptschuldirektor in der Region. "Seit 40 Jahren bin ich schon dabei - ob als Lehrkraft oder wie jetzt als Moderator der Veranstaltung." Ein dermaßen kleines Teilnehmerfeld habe er aber noch nicht gesehen: Lediglich acht Schulen aus dem Landkreis Bamberg hatten die Sieger der jeweiligen Schulentscheide gemeldet - vier Kinder mussten zum Teil krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Laut Will fand der Wettbewerb früher immer mit rund 20 Schülern statt.

Die Begeisterung der Kinder für das Lesen bestehe weiterhin, meint der frühere Lehrer und verweist dabei auf seine lesefreudigen Enkel. Den Grund für den Rückgang der Teilnehmerzahlen sieht er an anderer Stelle. "Ich weiß nicht, inwieweit das Lesen im Engagement der Schulen noch oben steht", bedauert Franz Will. "Ich wünsche mir von den Lehrern, das Lesen wieder mehr in den Mittelpunkt zu nehmen."
Max Eberlein