Von München ist Familie Lang stolz zurück gekehrt: Das unterhalb der imposanten Burg, erste auf dem Hofe Lang geborene Hengstfohlen "Prince" wurde für die Zucht auserwählt, "gekört", wie es im Fachjargon heißt. Das bedeutet "Prince of Lisberg" darf seine Gene an Stuten einer speziellen und seltenen Pony-Rasse, die Hackneys, wie sie heißen, weitergeben. Damit haben sich die Mühen des Züchterehepaars Lucie und Georg Lang gelohnt.
Mehrere Wochen haben Langs auf dem Hof und auswärts gemeinsam mit ihrem landwirtschaftlichen Facharbeiter Daniel Kutzsche dafür trainiert, dass sich der temperamentvolle, kleine dunkelbraune Hengst der Körkommission in München von seiner besten Seite zeigt.

Doch wie kommt die Wahl-Lisbergerin Lucie Lang zu der ausgefalleneren Pony-Rasse? Als Jugendliche ist sie selbst Ponys geritten, erklärt die 43-Jährige. Dabei kam sie mit Hackney-Ponys und deren Ursprungsland England in Kontakt. "Hackneys haben mir schon immer gefallen", sagt sie. "Wegen der auffälligen Knie-Aktion, aber auch wegen ihres besonderen Wesens." Als sie vor sieben Jahren für ihre damals vierjährige Tochter Patricia ein Pony suchte, von dem das Kind länger etwas haben würde als von einem relativ kleinen Shetland-Pony, erinnerte sie sich an die Hackneys und machte sich via Internet auf die Suche.

Um dann hoch im Norden fündig zu werden. "Princess of Harvest" gefiel ihr gleich. Allerdings würde die Stute nur abgegeben, wenn die Lisbergerin deren Vater, den Hengst "Principal", der damals eine erhebliche Sehnenverletzung hatte, ebenfalls kaufen würde. Weil die Wahl-Fränkin von der Stute so angetan und die Auswahl an geeigneten Hackney-Ponys deutschlandweit nicht gerade üppig war, entschloss sie sich für den Kauf im Doppelpack.

Hackney-Ponys fallen nicht nur dadurch auf, dass sie ihre Vorderbeine beim Trab extrem weit nach oben heben, man spricht von einer hohen Knie-Aktion. Sie sind vor allem als Kutschenponys bekannt. Lucie Lang plante, möglicherweise die Neuerwerbung vor die Kutsche zu spannen.

Übers Netz machte sie ihren Zuwachs bekannt, um dann ihrerseits die Bekanntschaft einer ganzen Reihe von Hackney-Freunden und -Züchtern zu machen. Vor allem aus den Niederlanden. Wie sich dabei herausstellte, hatte Lucie Lang mit "Princess of Harvest", genannt "Mausi", nicht nur ein nettes Pferdchen für die Tochter, sondern mit "Principal" zudem ein züchterisches Juwel im Stall stehen.

Dessen Züchter war einer der renommiertesten Deutschlands. Dessen Sohn war aber nach Krankheit und Tod des Vaters nicht an den Ponys interessiert und wollte sie einfach nur loshaben.

Über ihre neuen Züchterbekanntschaften und mit wachsender Begeisterung für die etwa 120 bis 140 Zentimeter großen Ponys kam die Lisbergerin auf den Geschmack an dieser Rasse und entschied sich, selbst zu deren Erhalt beizutragen: Sie suchte für "Mausi" einen genetisch passenden Hengst - "Falanca's Rocky Bloemlust" aus Braunschweig. Das Resultat: "Prince of Lisberg". Ein Prachtexemplar, das schon als Fohlen prämiert und nicht zuletzt auch deswegen auf ein Leben als Zuchthengst vorbereitet wurde. Die Krönung bildete somit die Körung vor der Kommission, die für den Zuchtverband Bayern, Abteilung Spezialpferderassen- und Ponys, die für die Zucht geeigneten Tiere auswählt, also kört.

Dafür musste "Prince of Lisberg" zeigen, dass er über den für die Rasse typischen Körperbau verfügt, sich nach den vorgegebenen Standards zu bewegen weiß und er auch ein einwandfreies Benehmen (Charakter) drauf hat, erklärt die Lisbergerin für den Laien.

Zu dem großen Tag, also zur Körung war die ganze Familie mit "Prince of Lisberg" nach München gefahren. Georg Lang musste das temperamentvolle Pferdchen immer wieder halten, damit sich Daniel Kutzsche ausruhen konnte. Schließlich war es dessen Aufgabe, Runde um Runde mit dem Hengst durch die Manege zu rennen, damit die Bewegung des Tieres optimal zu sehen war. Gleich dahinter Patricia als Peitschenführerin, damit "Prince" wusste, dass er weiter flitzen musste. Lucie Lang selbst führte Regie und hielt alles per Kamera und i-pad fürs züchterische "Familien-Album" fest.

Neben Mausi und nach diversen Zukäufen von Zuchtstuten sowie "Principals" fruchtbarem Deckensatz tummeln sich insgesamt 15 Hackney-Ponys am Hof. Der vierjährige "Prince of Lisberg" hat bereits einen ein Jahr jüngeren Vollbruder - "Prince Gigolo of Lisberg". Und in diesem Jahr wurde "Prince George of Lisberg" geboren. Damit tue sie auch etwas für den Erhalt der Rasse, stellt Lucie Lang fest.

Warum haben ihre Hackney-Ponys alle den Zusatz "of Lisberg"? Das sei ihr züchterisches Markenzeichen, klärt Lucie Lang auf. Die Burg passe doch hervorragend zu so edlen Tieren.

Charakteristika der Rasse: Hackney-Ponys entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch der Kreuzung von Hackney-Pferden mit englischen Ponyrassen. Sie haben ein Stockmaß etwa zwischen 120 und 140 Zentimetern. Sie sind meist braun, schwarz oder schwarzbraun. Sie gelten als hübsch, temperamentvoll, leistungsstark, ausdauernd und zeichnen sich durch freundliches Wesen aus. Sie werden meist im Fahrsport oder als Kinderreitponys eingesetzt. Hauptverbreitungsgebiete sind England, die Niederlande und die USA. an