Gleich zu Beginn stellt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) klar: "Wir steuern nicht naiv auf dieses Wochenende zu. In Hysterie geraten werden wir aber auch nicht." Dazu gibt es auch keinen Grund, glaubt man der Einschätzung der Bamberger Polizei.

In der Sitzung des Sicherheitsbeirates stellte Polizeichef Thomas Schreiber klar: "Derzeit gibt es keine konkreten Hinweise auf eine Organisation, die außerhalb der sozialen Netzwerke stattfindet." Damit deutet er an, dass die Polizei sehr wohl auch beobachtet, was im Internet bei Facebook sozusagen in einer zweiten, digitalen Öffentlichkeit passiert.

"Die Zentralstelle für Cybercrime hat zwei Facebookseiten festgestellt, die sich mit Alternativveranstaltungen zur Sandkerwa beschäftigen", sagt Schreiber. In einer in dem sozialen Netzwerk angelegten Veranstaltung, die von etwa 3500 Nutzern verfolgt wird, heißt es zur Erklärung: Die Seite solle "lediglich als Plattform/Community dienen, um den Austausch von Ersatzveranstaltungen und somit die ,Belustigung des Prekariats‘ zu kanalisieren."
Auf der zweiten Seite wird in den Raum gestellt: "Was ist, wenn Sie einfach trotzdem feiern? Diese Frage kommt so langsam auf." Etwa 135 Facebook-nutzer verfolgen, ob sich dort etwas tut.

Erfahrungsgemäß würden in den sozialen Netzwerken zwar viele Menschen ihr Interesse durch Klicks bekunden. Ob sie dann jedoch auch kommen, sei etwas anderes, sagt Polizeichef Schreiber. Gleichwohl: "Wir bereiten uns am Sandkerwa-Wochenende auf alle Eventualitäten vor." Sobald konkrete und tatsächliche Anhaltspunkte vorlägen, werde die Polizei tätig. Aktuell sei eher "ein gewisses Grundrauschen" zu vernehmen, das man beobachte.

Für Schreiber ist gleichwohl klar: "Wenn das Wetter gut ist, wird die Stadt voll sein. Das ist jetzt ja auch schon so."
Ähnlich sieht es Florian Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. "Das Sandkerwa-Wochenende wird wie jedes andere Sommerwochenende gut besucht sein. Die Hotels sind sicher ausgebucht." Im Unterschied zu den vergangenen Jahren, in denen Bambergs traditionelle Kirchweih stattfand, würden die Gäste vielleicht etwas kürzer in der Stadt bleiben.

Müller bekräftigt: "Wir werden in der Sandstraße unseren normalen Betrieb fahren." Man werde sich an die Einigung mit der Stadt halten, keine Kerwa-Ersatzveranstaltungen organisieren. "Es gibt keinen Zusammenschluss, nichts gemeinsam Geplantes." Auch der Vertreter der Gastronomen sieht das Engagement auf Facebook eher gelassen. "Ich betrachte das nicht als Problem." Die Anzahl der Nutzer in den entsprechenden Facebookveranstaltungen läge noch in einem überschaubaren Bereich. "Außerdem ist ja die ganze Stadt geöffnet." Müller sagt: "Man sollte kein Problem herauf beschwören, wo keines ist."

Gleichwohl gab es von anderer Seite durchaus Bestrebungen, trotz des Kirchweih-Ausfalls feiern zu wollen: "Wir sind hellhörig geworden, als es darum ging, öffentliche Flächen anzumieten", sagte Oberbürgermeister Starke in der Sitzung des Sicherheitsbeirats.

Christine Feldbauer, Leiterin des Ordnungsamtes, erläutert: "Zusätzliche Veranstaltungen haben wir abgelehnt. Alles, was über das normale Maß hinaus geht, wird unterbunden." Anfragen, zum Beispiel von Privatpersonen oder gewerbsmäßigen Veranstaltern, seien nicht genehmigt worden. Sollte trotzdem jemand etwas auf öffentlichem Grund auf die Beine stellen wollen, sei dies ganz klar illegal. Zu einer möglichen Nutzung des Innenhofs von Schloss Geyerswörth etwa habe es "genügend" Anfragen gegeben.


Sandkerwa erneut im Stadtrat

Wie es um die Zukunft der Sandkirchweih bestellt ist, wird am Mittwoch Thema im Bamberger Stadtrat sein. In der letzten Vollsitzung vor der Sommerpause soll es einen Vortrag zum aktuellen Stand der Dinge geben. In dem Gremium war Ende Mai beschlossen worden, dass die Verwaltung mit dem Bürgerverein IV. Distrikt aus dem Sandgebiet - und dessen Sandkerwa Veranstaltungs GmbH - die Verhandlungen fortsetzen soll.