Hunderte von Plüschohren hören zu und Hunderte von Knopfaugen beobachten das Geschehen: Im Besprechungsraum von Teddy-Hermann in Hirschaid hat man nie das Gefühl, allein zu sein. Hunde, Wellensittiche, Känguruhs, Affen, Eichhörnchen, Schafe Hasen, Seepferdchen und natürlich Bären in allen Größen und Formen bevölkern Regale und Schränke. Ob Säugetiere, Vögel oder Amphibien: Gesichtsausdruck und Körperhaltung der Plüschtiere sind so anziehend, weil sie naturalistisch sind und deshalb lebendig wirken.

Das Design, für das heute Traudel Mischner-Hermann verantwortlich zeichnet, ist einer von mehreren Faktoren, die das 1912 in der thüringischen Spielzeugstadt Sonneberg gegründete Familienunternehmen Hermann erfolgreich über ein ganzes Jahrhundert gebracht haben. Die Erfahrung mit Materialien und handwerklicher Fertigung sowie der eiserne Wille, von den hoch gesteckten Qualitätsstandard nicht abzuweichen, sind die anderen.
Und schließlich ist es das Gespür für die Kunden und ihre Wünsche. Längst sind es nicht nur Kinderaugen, die leuchten, wenn sie ein kuscheliges Plüschtier in die Hand gedrückt bekommen: Mit eigenen Kollektionen unter der Marke Hermann Teddy Original hat das Unternehmen weltweit den Sammlermarkt erobert. Hirschaider Bären reisen nach Amerika, Australien, Japan, Südafrika, Russland.

Die Sammlerstücke - aktuell zum Beispiel "Richard Wagner" mit blauer Mütze und Umhang sowie der Deutsche Michel mit leerem Geldsack - werden in limitierter Auflage von höchstens 800 Stück hergestellt und haben Felle aus feinem Mohairplüsch. Köpfe, Arme und Beine sind mit Holzwolle gestopft.

Was heute nur noch die wenigsten Teddybären auf der Welt von sich behaupten können, trifft für die Hermannschen Sammlerbären zu: Sie sind von Kopf bis Fuß "made in Germany" - und auch deshalb bei den Kunden besonders begehrt. Vom Entwurf über Zuschnitt, Nähen und Stopfen bis hin zum Versand wird alles am Firmensitz in der Amlingstadter Straße durchgeführt.

Die Geschäftsführerinnen Marion Mehling und Margit Drolshagen wollen das auch in Zukunft so beibehalten und ihren rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten. Die meisten der Frauen und Männer sind schon seit Jahrzehnten im Betrieb. Für das Unternehmen ist es nicht einfach, tüchtiges Personal zu finden, nicht zuletzt, weil das Handarbeiten in der Schule keinen hohen Stellenwert hat und bei den Menschen nicht mehr gut im Kurs steht.

Die Spielzeugplüschtiere sowie Geschenkartikel und "Sympathieträger", die von Firmen oder Organisationen geordert werden - beispielsweise der "Muskelkater" und "Susi Sauseschritt" als Maskottchen des Bamberger Welterbelaufs - lässt auch die Teddy-Hermann GmbH in der Regel in Fernost fertigen - entweder nach eigenen Entwürfen wie bei der Eigenmarke Hermann Teddy Collection oder nach Vorlagen, die von den Kunden selbst zur Verfügung gestellt werden.

Die Geschäftsführerinnen betonen in diesem Zusammenhang, dass sie sich ihre Partner in den Herstellerländern sehr sorgfältig aussuchen. In Hirschaid angekommen muss jedes importierte Stück noch eine Endkontrolle durchlaufen. Bei den Sicherheitsstandards geht die Teddy-Hermann GmbH mit freiwilligen Prüfungen beim TÜV Rheinland noch über die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Verpflichtungen hinaus.

Verlässlichkeit in jeder Hinsicht, auch im Hinblick auf pünktliche Lieferung an den Fach- und Einzelhandel, sind Drolshagen und Mehling wichtig. Bei der jüngsten Spielzeugmesse in Nürnberg fühlten sie sich wieder in ihrem Streben nach umfassender Qualität bestätigt: Die Auftragsbücher waren voll, als sie nach Hause zurückkehrten.
Die Cousinen sind im wahrsten Sinne des Wortes in das Unternehmen hineingeboren worden. Noch bevor sie die Schulbank zu drücken begannen, verdienten sie sich ihr Taschengeld mit dem Sortieren von Glasaugen: Weil die Pupillen der Teddy-Augen immer ein bisschen anders ausfielen, mussten passende Paare gefunden werden. Zusammen mit Margit Drolshagens Schwester Traudl Mischner-Hermann, die das Design für die klassischen Teddybären macht, sind sie das ideale Team.

Der Familienzusammenhalt wurde schon immer groß geschrieben: Firmengründer Bernhard Hermann, der 1912 in Sonneberg mit der Produktion von Teddybären und Puppen begann, sorgte dafür, dass seine Söhne Hellmut, Artur und Werner durch den Besuch der Industrieschule das nötige Rüstzeug für die Übernahme der Firma erhielten. Sohn Werner besuchte zusätzlich die Kunstakademie in München, um das Zeichnen und Modellieren zu erlernen.

1948 entschied sich die Familie, das Unternehmen nach Westdeutschland zu verlagern. Der Vater von Marion Mehling erhielt den Auftrag, nach einem geeigneten Platz zu suchen - und er fand ihn in Hirschaid, direkt an der Bahnlinie. "Es begann der eigentliche Aufstieg des Unternehmens zu einem der bekanntesten seiner Branche", heißt es in einer Firmenbroschüre, die im vergangenen Jahr zum 100. Jubiläum herausgegeben wurde. In den 1960-er Jahren waren bis zu 200 Menschen bei Teddy-Herrmann in Hirschaid und am Standort Mühlhausen beschäftigt, viele davon Heimarbeiter.

1994 übernahmen Marion Mehling und Margit Drolshagen die Geschäftsführung. Sie erkannten im wachsenden Sammlermarkt eine neue Chance für das Unternehmen. Besonders Amerikaner sind verrückt nach historischen Teddybären. Es gibt sogar einen eigenen Club mit rund 3000 Mitgliedern.

Ihre ersten eigenen Erfahrungen mit alten Teddys machten die Cousinen auf einem Trödelmarkt in Nürnberg, den sie vor Jahrzehnten zusammen mit ihren Töchtern besuchten. Sie fanden an einem Stand zwei historische Hermann-Bärchen, von denen sie eines kaufen wollten. 40 Mark wollte der Verkäufer für jedes Plüschtier. Trotzdem rückte er keinen einzelnen Bären heraus mit der Begründung, die Teddys seien noch niemals getrennt gewesen.

So machten sich die Familien ohne die teuren Bären auf die Heimfahrt. Bis Erlangen hatten die Töchter ihre Mütter dann so intensiv "bearbeitet", dass sie nach Nürnberg umkehrten und beide Bären kauften. Auf dem Weg nach Hirschaid bekamen die Teddys ihre Namen. Sie heißen Fritz und Erna - und sind natürlich für immer unzertrennlich.