Leichter Nebel hängt noch zwischen den Häuserreihen der Herzog-Max-Straße, als am Mittwochmorgen vor Hausnummer drei ein kleines Stück des Gehwegs geöffnet wird.
Zwischen Eimern und nassem Sand liegen zwei etwa faustgroße Steine mit Goldtäfelchen auf der Oberseite. Nach kurzer Zeit ist das alte Betonfundament dank Hammer und Meißel entfernt und durch Zement ersetzt. Vorsichtig setzt Michael Panzer die Quader ins Pflaster, richtet sie aus und betoniert sie fest.


Gedenken an die Großeltern

Die beiden schimmernden Tafeln heben sich deutlich von ihrer rotbraunen Umgebung vor dem Gebäude, das 1939 als Judenhaus bezeichnet wurde, ab.
Hier wohnte das Ehepaar Ehrlich, bis es von den Nazis verschleppt und ermordet wurde. 156 Stolpersteine erinnern mittlerweile in Bamberg an Juden, die Opfer des NS-Regimes wurden.
"Wir wollen den Menschen, die alles verloren haben, symbolisch das Ansehen zurückgeben, das ihnen geraubt wurde", erklärt Daniel Manthey, Leiter der Willy-Aron-Gesellschaft, die das Projekt organisiert.
Evelyn Ehrlich, Enkelin der Getöteten, lebt in den USA und ist extra aus New York angereist, um bei der Würdigung dabei zu sein.
Sie habe ihre Großeltern nie kennengelernt, nur aus Erzählungen von ihrem Vater über sie erfahren. Max und Lina Ehrlich seien nie reale Personen für die Amerikanerin gewesen, sondern Opfer, deren tragisches Lebensende das einzig Bedeutende zu sein schien.
Seit ihrer Kindheit sei sie damit konfrontiert worden, dass ihre Großeltern ermordet wurden, weil sie Juden waren. Eine Tatsache, vor der Evelyn Ehrlich nicht fliehen konnte und die Jahre psychischer Behandlung zur Folge gehabt habe.
Trotz gemischter Meinung über die Deutschen sei sie stolz, dass viele nicht vergessen haben und alles tun, um die Opfer zu würdigen.
Auch für Moritz Frank und seine Frau Helene Frank, geb. Götz, wurden am 18. Oktober Stolpersteine gesetzt. Lebende Angehörige, die bei der Verlegung in der Unteren Königstraße 2 hätten anwesend sein können, gibt es nicht.
Bereits einen Tag vorher wurden in Sassanfahrt und Trabelsdorf goldene Gedenktafeln vor ehemaligen Wohnungen ermordeter Juden eingelassen. Die Willy- Aron-Gesellschaft will so die Erinnerung wachhalten.