Es ist das Jahr, in dem die Sandkerwa ausfällt. Und zum ersten Mal wäre es ein Jahr ohne die Kerwa für Edelgard Koch gewesen. Sie, eine Urbambergerin aus dem Sandgebiet, wohnte direkt gegenüber jener Kirche, zu deren Ehren eigentlich das Fest gefeiert wird: St. Elisabeth.

Nicht nur auf die Kirche hat sie acht gegeben, die Elisabethen-Rosen am gleichnamigen Platz gepflegt, auch ihre Mitmenschen waren ihr wichtig. "Sie war der zentrale Anlaufpunkt, die Versorgungsstation, die Nachrichtenzentrale", sagt Gisela Bosch, Vorsitzende des Bürgervereins IV. Distrikt im Sandgebiet.

Um die Älteren im Viertel habe sie sich gekümmert, Lebensmittel besorgt und ausgeliefert. Bis 2014 konnten die Leute bei ihr selbst einkaufen, in ihrem Tante-Emma-Laden am Elisabethenplatz. Es war ein Kindheitstraum von Edelgard Koch gewesen, den Laden von ihrer Oma zu übernehmen, hatte sie einmal gesagt. Im Alter von 20 Jahren war es soweit, 55 Jahre sollte die Bambergerin hinter der Verkaufstheke stehen.

Doch auch danach hat Edelgard Koch den Laden immer wieder aufgesperrt, stets zur Sandkerwa, auf der Verkaufstheke waren dann Kaffee und Kuchen aufgebaut. Legendär sind neben ihren deftigen Brotzeiten die russischen Eier, die sie zubereitet hat - und natürlich die Hühnersuppe. Die wurde immer von Bürgermeisterin der "Sand G‘ma" frisch gekocht und direkt nach dem Hahnenschlag auf der Kerwa aufgetischt.

Der Hahnenschlag - der Moment, wenn ganz Bamberg Edelgard Koch in Aktion erleben durfte. Den moderierte sie über 30 Jahre lang, immer einen flotten Spruch auf den Lippen, nie um eine Antwort verlegen.
So lernte sie auch vor 60 Jahren ihren Mann Adolf kennen. Der verließ als junger Schreiner damals seine Heimat, den Frankenwald, um auf die Walz zu gehen - auch nach Bamberg. "Bei einem Boxkampf im Stadion ist mir dann meine spätere Frau über den Weg gelaufen", berichtet er. Edelgard habe mit einer Freundin über den Kampf gesprochen, "dass sie es dem einen Boxer gegönnt hätte, wenn der eine abgekriegt hätte. Da hab ich gefragt ,warum‘ und schon waren wir im Gespräch", erzählt der Ehemann.


Auf die Menschen zugegangen

Offen sei sie gewesen, seine Edelgard, immer auf die Leute zugegangen. "Wenn in der Gaststätte welche gekartet haben ist sie gleich mit denen ins Gespräch gekommen. Am liebsten hätte sie selber mitgespielt."

Geheiratet hat das Paar am zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahr 1957, dieses Jahr wäre es der 60. Hochzeitstag geworden. Doch Edelgard Koch ist Anfang August überraschend im Alter von 80 Jahren gestorben. Aus Rücksicht auf die Angehörigen erscheint dieser Nachruf erst mit zeitlichem Abstand. Edelgard Koch hinterlässt ihren Mann Adolf sowie drei Söhne und vier Enkelkinder.

Doch auch dem Bürgerverein Sand geht sein Ehrenmitglied, dem "Sand G‘ma"-Stammtisch der Kopf, verloren. "Sie war immer für alle da", sagt Gisela Bosch vom Bürgerverein. Ihr Fehlen müsse man erst mal verkraften. "Es ist schon schwer ohne unsere Edelgard."

Bei jeder Veranstaltung im Sand hat sie geholfen, hat Ausflüge mit dem Stammtisch organisiert, war immer für die Familie und andere da. Trotzdem hat sie noch Zeit zum Tanzen gefunden, 25 Jahre lang hat sie mit ihrem Ehemann dieses Hobby gepflegt. Diesen durften die Teilnehmer beim Hahnenschlag kurz "ausleihen", bevor es daran ging, den Hahn - einen Blumentopf - zu zerschlagen. Noch mit dem Drehwurm im Kopf.

Adolf Koch war stets an der Seite seiner Frau und wurde zu einem echten Sand-Bewohner. Er baute den Käfig für den Kerwa-Gockel und den Dreschflegel für den Tontopf.

Als seine Frau Edelgard 2014 die Stadtmedaille verliehen bekam, gratulierte Oberbürgermeister Andreas Starke seiner "Amtskollegin", der Bürgermastera vom Sandgebiet. Doch auch an den Ehemann, der seine Edelgard bei allen Aktivitäten unterstützte, dachte Starke: "Er hätte gleichermaßen die Stadtmedaille verdient." Die gab's zwar nicht für Adolf Koch, dafür jedoch den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten im Jahr 2016.