Als Staatsanwalt Arno Ponnath seine Strafanträge aussprach, lief eine junge Zuhörerin weinend aus dem Sitzungssaal: Freiheitsstrafen zwischen vier und neuneinhalb Jahren wegen schweren Raubs forderte der Anklagevertreter. Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer des Landgerichts, Manfred Schmidt, kritisierte die Anträge des Staatsanwalts später unverblümt als "deutlich überzogen".

Das Verfahren gegen drei junge Männer, die am 30. November 2016 um 5.20 Uhr eine Bäckereifiliale in Gößweinstein (Landkreis Forchheim) überfallen haben, ging am zweiten Prozesstag zu Ende. Zwei Angeklagte wurden wegen schweren Raubs verurteilt: Michael B. (23), der maskiert und mit gezückter Schreckschusspistole in den Laden gegangen war, erhielt fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Der 20-jährige Ralf S., der als Fahrer fungiert hatte und bisher nicht vorbestraft ist, kam mit 22 Monaten Jugendstrafe davon, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Allerdings muss der 20-Jährige auch einen vierwöchigen "Warnschussarrest" absitzen - als spürbare Sanktion und zur Abschreckung. Michaels 24 Jahre alter Bruder

Peter B. (alle Namen von der Redaktion geändert) ist der Beihilfe zum schweren Raub schuldig und erhielt zweieinhalb Jahre Haft.

Die Beteiligung von Peter B. zu klären, war laut Schmidt eines der Probleme in diesem Verfahren. Am Ende der Beweisaufnahme ging die Jugendkammer davon aus, dass er schon zu Beginn der nächtlichen Autofahrt in den Plan eingeweiht war und am Tatort zumindest das Zeichen gab, das Fluchtfahrzeug zu starten. Das erfülle den Straftatbestand der Beihilfe.

Dass der 24-Jährige versucht haben will, den beiden anderen die Idee zum Überfall auszureden, glaubten die Richter nicht. Zumal es sich bei dem Arbeiter aus Fürth um kein unbeschriebenes Blatt handelt. Er hat, ebenso wie sein Bruder, bereits eine Reihe von Vorstrafen, auch einschlägige. Beide verbrachten schon mehrere Jahre hinter Gittern.

Nicht zuletzt wegen ihrer kriminellen Vergangenheit hatte der Staatsanwalt drakonische Freiheitsstrafen gegen die Brüder beantragt: acht Jahre für Peter und neuneinhalb Jahre für Michael B.

Mit ihren Urteilen lag die Kammer mehr auf der Linie der Verteidiger. Sein Mandant sei in den Monaten vor dem Überfall "in den Umkreis von Leuten gekommen, die er besser nicht kennengelernt hätte", sagte Rechtsanwalt Ralf Kämmer über S. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte den 20-Jährigen als unreif und leicht beeinflussbar charakterisiert. "Ohne Auto und Führerschein wäre er für die Brüder unintereressant gewesen", betonte auch der Vorsitzende Richter.

Zudem habe sich der Jüngste vor Ort ausgekannt: S. lieferte für den Bäcker eine Zeitlang aus, auch in Gößweinstein. Er wusste, dass zu so früher Stunde nur eine Verkäuferin anwesend war und die Einnahmen vom Vortag noch im Tresor lagen.

Die Angeklagten gaben zu, dass sie mit mehr als 1357,52 Euro Beute gerechnet hatten. Ob Peter B. wirklich seinen Anteil verschmäht hat, wie er im Prozess behauptete, konnte das Gericht nicht klären. Dass er ein Drittel bekommen sollte, sprach laut Schmidt dafür, dass der 24-Jährige nicht so unbeteiligt war, wie er behauptete.

Rechtsanwalt Nils Junge hatte für Michael B."nicht mehr als sechs Jahre" Freiheitsentzug beantragt und darauf hingewiesen, dass der 23-Jährige angesichts seiner Vergangenheit keine Aussicht mehr auf eine vorzeitige Entlassung habe.
Verteidiger Christian Barthelmes wollte für Peter B. eine Bewährungsstrafe erreichen.

Alle Drei müssen sich die gravierenden Folgen für das Opfer anrechnen lassen. Obwohl keine Gewalt im Spiel und der Tresor offen war, leidet die Bäckerei-Fachverkäuferin bis heute an dem schlimmen Erlebnis: Sie konnte ihre Arbeit noch nicht wieder aufnehmen.