Drei Tage waren sie abgetaucht, am Samstag früh präsentierten die Macher der Sandkerwa die Hintergründe, weshalb es zur überraschenden Absage des Volksfests gekommen war. Aus Sicht der Veranstalter ist dieser Schritt unumkehrbar. In der bisherigen Organisationsform wollen sie die Großveranstaltung nicht mehr stemmen. "Das Haftungsrisiko können wir als persönlich haftende ehrenamtliche Geschäftsführer nicht länger tragen. Wir wollen nicht irgendwann vor dem Gericht stehen oder gar ins Gefängnis müssen", sagte Ulrike Heucken, Geschäftsführerin der Sandkerwa GmbH.


Das Baby schläft

Deshalb hat der Bürgerverein wenig Hoffnung, dass es das legendäre Volksfest 2017 doch noch geben wird. Es wäre die 67. Veranstaltung seit 1951. Geplant war die Kirchweih zwischen dem 24. und 28. August. "Niemand fällt es schwerer als uns, die Kerwa abzusagen, die wir das Fest seit Jahrzehnten begleitet und unser Herzblut eingebracht haben", sagte Gisela Bosch, Vorsitzende des Bürgervereins Sand. Bildhaft drückte sich Heucken aus: "Wir haben das Baby schlafen gelegt."



Doch warum zweifelt der Bürgerverein so massiv daran, dass es zu einer schnellen Wiedererweckung kommen könnte? Mehrfach hatten hochrangige Bamberger Politiker über eine "Ersatzkerwa" und eine Auffanggesellschaft spekuliert. Und auch Unterstützungsangebote hatte es gehagelt: "Wir sind natürlich gesprächsbereit. Doch wieso sollte jetzt auf einmal möglich sein, worum wir seit Jahren erfolglos gekämpft haben - eine gemeinsame Trägergesellschaft mit der Stadt?", fragte Ulrike Heucken.

Grund für die Skepsis ist auch: Die zur Verfügung stehende Zeit ist nicht mehr lang. Vor allem die Standbetreiber benötigen einigen logistischen Vorlauf, um das Kerwa-Angebot auf gewohntem Niveau möglich zu machen. Festzeltbetreiber Jürgen Winkler etwa beschäftigt während der tollen Tage im Sand 26 Mitarbeiter. Wenn er nicht in Kürze Bescheid erhält, muss er die Segel streichen. Sein Fazit: "Das wird ganz schwierig."


Kosten explodierten

Was viele Festveranstalter im Land umtreibt, trifft im besonderen Maße die Sandkirchweih: Der Aufwand für Großveranstaltungen ist dramatisch gestiegen - und das nicht erst seit der Flüchtlingskrise. So kletterten die Kosten für den Rettungsdienst im Sand zwischen 2014 und 2016 von 6000 auf 15 500 Euro. Dazu kamen laut Heucken zuletzt noch weitere 5000 Euro für Notärzte. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Sicherheitsdienst. Auch hier explodierte der Aufwand in den letzten drei Jahren von 8000 auf 30000 Euro. Und auch die Beschilderung der Sandkirchweih ist kein Pappenstiel: 2012 musste die Kerwa GmbH dafür 9500 Euro hinblättern. Mittlerweile erhält die Stadt dafür über 14 000 Euro.


Wie Angestellte behandelt

Der Vorstand des Bürgervereins widersprach der Darstellung, dass sich die Auflagen von 2016 auf 2017 nicht verschärft hätten. Erstmals sollte die Gesellschaft heuer die Kosten für LKW-Sperren übernehmen. Zusätzlich habe die Stadt verlangt, eine Besucherzählung durch eine externe Firma zu beauftragen. Zuletzt sei der Wunsch laut geworden, den Alkoholkonsum der Jugendlichen auf der Markusbrücke zu kontrollieren.

Natürlich geht es nicht nur ums Geld. Das Klima zwischen der Stadtverwaltung und den Machern der Sandkerwa im Bürgerverein ist eisig. Geschäftsführer Jürgen Wirth beklagte, in der Vergangenheit beim Bamberger OB kaum Gehör gefunden zu haben. "Wir wurden wie Angestellte behandelt, ja teilweise abgekanzelt", sagte Wirth.


Zum zweiten Mal ein Minus

Wirth korrigierte auch die öffentlichen Mutmaßungen über die Finanzen des Vereins. Demnach schloss die Gesellschaft 2016 wegen der erhöhten Kosten erstmals mit einem Minus von 8 000 Euro ab. Für 2017 hatte der Geschäftsführer mit einem Fehlbetrag von 20 000 Euro gerechnet. "Warum soll ein Bürgerverein eine Veranstaltung durchführen, die Verluste bringt." Nach seinen Angaben hatte die Sandkerwa in den letzten Jahren stets mit einem kleinen Plus abgeschlossen, das zwischen 1000 und 9000 Euro lag.
Das Verhältnis zwischen den Kirchweihmachern und der Stadt scheint scheint schwer belastet. Dennoch setzt Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) immer noch auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Unmittelbar nach der Pressekonferenz veröffentlichte die Stadt eine Mitteilung, aus der hervorgeht, dass Starke alles dafür tun will, dass die Sandkirchweih 2017 doch noch stattfindet.

So kündigte das Stadtoberhaupt an, eine "Task Force" einzurichten, mit dem Ziel die Durchführung der Sandkerwa 2017 zu sichern und einen Langfristplan für die kommenden Jahre zu entwickeln. Erste Ergebnisse sollen dem Bamberger Stadtrat am 24.Mai vorgestellt werden. "Die Sandkerwa muss gerettet werden, weil sie eine traditionsreiche Veranstaltung ist, die von den Bambergern geliebt wird", erklärte der OB. Offenbar liegt ihm viel daran, die Wogen zu glätten. Er ruft dazu auf, die bisherigen Meinungsverschiedenheiten beiseite zu schieben: "Alle sollten jetzt an einem Strang ziehen."

Dennoch bleibt es spannend, ob der Drahtseilakt gelingt. Klar ist, dass die Stadt die Sandkerwa 2017 nur mit dem Bürgerverein retten kann, weil dieser nicht nur über die komplette Infrastruktur mit Standbetreibern verfügt, sondern auch über die Namensrechte. Eine Auffanggesellschaft, die sich darüber hinwegsetzt, habe schlechte Karten, urteilt Jürgen Wirth: " Ohne Bürgerverein gibt es keine Sandkerwa, sondern höchstens ein Altstadtfest."


Kommentar des Autors:


Bambergs Oberbürgermeister in der Zwickmühle

Andreas Starke gilt als erfahrener Krisenmanager.

Um die Sandkirchweih zu retten, wird er diese Fähigkeiten brauchen.

Der öffentliche Druck ist riesig, und wenn man dem Bürgerverein glauben darf, ist das Stadtoberhaupt nicht ganz unschuldig, dass es zu einem völlig unnötigen Zerwürfnis kam.

Doch Vergangenheitsbewältigung nützt dem Patienten wenig. Die Beteiligten sollten sich dem Neuanfang nicht widersetzen. Die Sandkerwa ist wichtiger als das Ego Einzelner.

Auch über den Sinn des Volksfests muss geredet werden. Der Bürgerverein hat schon einmal erklärt, was mit ihm nicht zu machen ist: eine Kirchweih mit Eintritt, Einzäunung und Vermarktung durch Großsponsoren