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Modenschau in Bamberg: So protestieren Schülerinnen gegen Plastiktüten-Irrsinn

Bei der Modenschau "Ausgetütet" der Maria-Ward-Schülerinnen in Bamberg stehen die Kulturgeschichte der Plastiktüte und die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt im Rampenlicht.
 
Rund 50 verschiedene Outfits aus Plastik wurden in der Alten Hofhaltung präsentiert.  Foto: Barbara Herbst
Rund 50 verschiedene Outfits aus Plastik wurden in der Alten Hofhaltung präsentiert. Foto: Barbara Herbst
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Die Tür bleibt noch verschlossen. Das ein oder andere vorfreudige Gesicht schaut bereits durch das Fenster nach draußen. Endlich hat das Warten ein Ende: Die Musik beginnt und die Tür schwingt auf. Bühne frei für das erste Model - im Plastikkleid.

Sei es ein Overall aus Karstadt-Tüten, ein elegantes Ikea-Kostüm mit passendem Mundschutz oder ein Plastikoberteil mit der Aufschrift "There is no Planet B": Bei der Modenschau am Samstag in der Alten Hofhaltung wurden zahlreiche ausgefallene Kreationen präsentiert.

Kulturgeschichte der Plastiktüte

Die Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums präsentierten ihre Plastik-Eigenkreationen vor einem beachtlichen Publikum. Die Modenschau fand unter freiem Himmel statt. Gastgeberin war die Direktorin des historischen Museums, Regina Hanemann. "Ich freue mich sehr, dass die Modenschau zustande gekommen ist, und sich Frau Keesmann mit uns ins Abenteuer gestürzt hat", begrüßte Hanemann die Zuschauer. In Kooperation mit dem Verein Flussparadies Franken und besagter Kunstlehrerin Johanna Keesmann wurde diese Veranstaltung möglich gemacht. Den Laufsteg passierten hier nicht nur zahlreiche Schülerinnen, sondern auch vereinzelte Lehrkräfte der Maria-Ward-Schule.

Auch die 17-jährige Schülerin Carolina Post lief in ihrem rosafarbenen Plastikkleid über den Steg. "Das Kreieren unserer Outfits hat viel Zeit und Arbeit in Anspruch genommen. Letztendlich war die Modenschau ein voller Erfolg und ich bin glücklich, dass alles gut gelaufen ist", sagte die Schülerin nach der Veranstaltung.

Hintergrund der Modenschau ist die Ausstellung "Tüte um Tüte" des historischen Museums, in der die Plastiktüte mit ihrer Kulturgeschichte im Rampenlicht steht. Im gleichen Zug werden Thematiken wie verheerende Umweltprobleme, die Verschmutzung der Meere und Mikroplastik angesprochen. Diverse Akteure durften sich an einem Rahmenprogramm zur Ausstellung beteiligen, so auch die Maria-Ward-Schule. Die 51 Jahre alte Kunstlehrerin Keesmann berichtet in einem Interview, welche Arbeit und Leidenschaft sich hinter der Veranstaltung verbirgt.

Corona erschwerte Vorbereitung

15 Schülerinnen der Oberstufe besuchten ihr Projekt-Seminar ab November letzten Jahres und wurden für das Thema "Mode" sensibilisiert. Hierfür wurden Künstler- und Modeikonen unter die Lupe genommen und Designer vorgestellt. "Modedesignerin Vivienne Westwood zum Beispiel trägt wichtige Messages nach außen, bezogen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz", so Keesmann. Im Frühjahr sollte der praktische Teil des Seminars folgen: Tüten in Mode transformieren.

"Meine Schülerinnen haben Hunderte von Tüten auseinandergenommen, zerschnitten, ausgetütet und verformt. Mittels eines Spendenaufrufes und der Hilfe vom historischen Museum kamen wir zu unseren Materialien".

Der eigentliche Termin für die Modenschau im Juli konnte aufgrund der Corona-Situation nicht stattfinden. "Die Schülerinnen mussten von Zuhause aus an ihren Kostümen feilen, ich konnte nur über digitale Medien beraten. Die Umsetzung des Seminars ist durch Corona um vieles komplizierter geworden". Als neuer Termin wurde der 10. Oktober festgelegt.

Nach vielen intensiven Arbeitsstunden und Sonntagen in der Schule seien am Ende etwa 50 fantasievolle und abwechslungsreiche Outfits zustande gekommen, so die Lehrerin. Diese konnten schließlich bei gutem Wetter und einem vorfreudigen Publikum am Samstag präsentiert werden.