Laden...
Bamberg
Franken radelt

Mit dem Fahrrad geht es zur Integration

Ein Arbeitskreis von "Freund statt Fremd" macht Geflüchtete mobil. Ein wichtiger Beitrag in Sachen Eingliederung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Flüchtlinge jeder Altersklasse freuen sich über die Fahrräder. Foto: Megerle
Flüchtlinge jeder Altersklasse freuen sich über die Fahrräder. Foto: Megerle
+1 Bild

"Es ist das herzfrischende Lächeln von Kindern, wenn wir ihnen ein Fahrrad übergeben und sie damit ein bisschen Kindsein zurückbekommen", beschreibt Florian Schlund seine Motivation für das, was er mit einer Handvoll Ehrenamtlichen - Menschen mit und ohne Fluchterfahrung - auf die Beine stellt. Der Arbeitskreis Fahrrad des Netzwerks "Freund statt Fremd" hat sich bereits vor gut drei Jahren auf die Fahnen geschrieben, ältere Fahrräder wieder in Schuss zu bringen und an Geflüchtete im Ankerzentrum und außerhalb zu vergeben.

Fahrräder gegen 10 Euro Pfand

Spenden kommen unter anderem von den örtlichen Fahrradhändlern, welche auch schon mal Nachlass auf Ersatzteile geben, oder aus Restbeständen Reparaturteile spenden. Mit Schraubenschlüssel und Reifenheber in der Hand bringen die Aktiven dann die Zweiräder wieder in einen verkehrstauglichen Zustand. Die Werkstatt befindet sich in einer Gemeinschaftsunterkunft. Seit einem halben Jahr gibt es quasi eine Außenstelle im Ankerzentrum.

Die Idee ist einfach: Für Zehn Euro Pfandgebühr geht ein Rad an einen Geflüchteten. "Wir fragen immer nach, wie gut sich die Leute mit den Fahrrädern auskennen und schauen dann, welche Art von Rad wir gerade zur Verfügung haben", erklärt Schlund. Manchen Kindern habe man so auch schon das Fahrradfahren beigebracht. Gut 50 Räder, so schätzt er, werden jährlich neu ausgegeben. Jedes Rad ist mit einer Nummer gekennzeichnet und hat auch entsprechende Papiere, um auch bei Polizeikontrollen zeigen zu können, dass es sich tatsächlich um das eigene Rad handelt. Je nachdem wie sicher sie sich fühlen, tauschen die Radbesitzer ihre einfachen Drahtesel gegen Modelle mit Gangschaltungen und Co. Apropos Sicherheit: Zwar existieren die Straßenverkehrsregeln als Handouts in mehreren Sprachen, um darauf aufmerksam zu machen. Der Fahrradschrauber plant aber bereits einen Workshop mit der Polizei, welchen er im Ankerzentrum anbieten will.

So gerüstet eröffnet der Besitz eines Fahrrades ganz neue Möglichkeiten: "Für viele ist das die Chance, um zum Beispiel zum Deutschkurs zu fahren und auch ansonsten in der Stadt mobil zu sein", ist sich der Ehrenamtliche sicher. Geflüchtete, welche ihre ersten Jobs antreten, müssten häufig in Randzeiten arbeiten, in denen kaum eine Busverbindung besteht. Mit dem Rad können sie diese Jobs trotzdem wahrnehmen. "Eine Frau aus einer Unterkunft in Scheßlitz konnte dank eines Rades ihren Deutschkurs in Bamberg besuchen", betont Schlund. Für viele Frauen im Ankerzentrum sei ein Rad die Chance, aus der Enge der Großunterkunft auszubrechen. Nicht zuletzt deshalb findet Schlund: "Mobilität ist der Schlüssel zur Integration."

Unterstützer willkommen

Was muss man mitbringen, wenn man selbst Lust bekommen hat, Teil des Teams zu werden? "Man braucht nur Bock auf Schrauben an Fahrrädern zu haben und vielleicht schon ein bisschen Erfahrung, wie man einen Schlauch flickt, aber man braucht keine Ausbildung", antwortet Schlund. Corona und das damit erforderliche Hygienekonzept haben das Werkeln zeitweise gebremst. Nun soll es aber wieder losgehen.

Wer helfen will, dass das Projekt wieder Fahrt gewinnt, kann sich an fahrradspenden@freundstattfremd.de per Mail wenden.

Verwandte Artikel