Ein Messerangriff hat sich am Montagmorgen gegen 6 Uhr in einer Bäckerei-Filiale am Troppauplatz in Bamberg ereignet. Eine Milchkanne und ein mutiger Anwohner verhinderten wohl weitere Gewalt.

Täter war stark betrunken

Seitens der Kriminalpolizei war am Montag nur bekannt, dass ein stark betrunkener 59-Jähriger einen 58-jährigen Kunden in der Filiale mit einem Messer schwer verletzt hat. Eine Angestellte der Bäckerei wählte den Notruf. Mithilfe eines Augenzeugen konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter noch vor Ort festnehmen. Daraufhin ermittelten Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft wegen versuchter Tötung. "Weiteres können wir erst nach der Vernehmung sagen", erklärt Anne Höfer, Sprecherin der Polizei Oberfranken. Der stark alkoholisierte Verdächtige müsse hierfür aber "in der Lage sein, zu folgen", sagte Höfer am gestrigen Nachmittag. Anders gesagt: erst ausnüchtern.

Am Dienstag gaben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft weitere Details bekannt:

Der 59 Jahre alte Messerstecher aus Bamberger sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Behörden bemerkte das Opfer unvermittelt einen Stich und flüchtete hinter die Theke, wo der Mann weitere Messerangriffe mit einer Milchkanne abwehren konnte. Die Verkäuferin und der Verletzte flohen anschließend aus der Bäckerei. Ein Bewohner des Hauses kam hinzu und hielt den stark alkoholisierten Täter am Boden fest, bis die Polizei eintraf. "Der Hausbewohner hat sich sehr gut verhalten", lobt Polizeisprecherin Anne Höfer. Das Opfer konnte das Klinikum mittlerweile wieder verlassen. Das Motiv des Täters sei unklar. Die Polizei habe keine Vorbeziehung zum Opfer oder zur Verkäuferin festgestellt.

Der Bäckerei-Inhaber Thomas Loskarn hat von der Angestellten, die zum Tatzeitpunkt in der Bäckerei war, von dem Vorfall erfahren. Er war um diese Zeit - 6.10 Uhr - gerade Waren für andere Filialen ausliefern. Als er zum Troppauplatz kam, hatte die Polizei den mutmaßlichen Täter bereits festgenommen und Spuren gesichert.

An einen möglichen Image-Schaden für seine Bäckerei denke Loskarn nicht. "Meine Gedanken sind bei meiner Mitarbeiterin und dem Verletzten." Er hofft, dass der Stammkunde bald wieder gesund wird und "die Verkäuferin das psychisch irgendwie verkraftet".

Polizei: "Kein Hotspot"

"Am Troppauplatz ist das doch schon immer so?", kommentiert ein Nutzer in den Sozialen Medien unter der Erstmeldung. Diesen Eindruck kann Loskarn nicht bestätigen: "Der Troppauplatz hat vielleicht keinen guten Ruf, aber es ist kein Gewalt-Hotspot."

Und auch die Polizei Bamberg-Stadt geht nicht von einem problematischen Bereich aus: "Aktuell gibt es dort kaum Probleme", sagt Polizeisprecher Jens Fischer. "Vor etwa zwei Jahren war es etwas mehr, aber auch damals konnte man nicht von einem Hotspot sprechen. Heute morgen ist etwas Extremes passiert - das hätte aber auch überall sonst passieren können."