Frischen Wind wollen die Freien Wähler mit der 29-jährigen Kandidatin Claudia John an ihrer Spitze ins Bamberger Rathaus wehen lassen. Die politische Gruppierung will im März "ausschließlich mit Kandidatinnen und Kandidaten, die von der bisherigen Stadtratsarbeit unbelastet sind, in die Stadtratswahlen 2020 gehen".

Kandidatin John nennt als erstes konkretes Thema ein verstärktes Aktivwerden der Stadt Bamberg als Investorin - bei den dringenden Themen Wohnungsnot und Kinderbetreuung. Ein Projekt wie eine städtische Kindertageseinrichtung wie in Gaustadt soll kein Einzelfall bleiben. Die Stadt müsse in die Zukunft ihrer Bürger investieren und "ein Mehr an Kommune wagen", nimmt sie Bezug auf Willy Brandts berühmten Slogan zur Demokratie.

Die städtische Demokratie brauche eine Verjüngungskur: "Bamberg kann nur mit jungen, frischen Ideen weiterentwickelt werden. Jetzt ist die Zeit für einen Generationenwechsel an der Stadtspitze und im Stadtrat", erklärt John, die bei der Mitgliederversammlung der Freien Wähler viel Rückenwind erfahren hat.

Erklärtes Ziel der Freien Wähler ist es, "mindestens in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzuziehen", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Und auch die 29-Jährige an der Spitze zeigt sich selbstbewusst. Freilich bringe Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) einen Amtsbonus mit, aber: "Ich bin jung und habe die Zukunft vor mir".

Die Bamberger Zukunft will die Grundschullehrerin mit einem gestärkten Ehrenamt gestalten. "Anstatt einen übertriebenen Aufwand bei der Pressestelle zu betreiben, braucht es eine Koordinierungsstelle fürs Ehrenamt", fordert die gebürtige Bambergerin, die in Pettstadt aufgewachsen ist. Vereine sollten einfacher Fahrzeuge oder Toilettenwagen leihen können und unterstützt werden. Als Vorbild nennt die stellvertretende Vorsitzende der Freien Wähler den Kreisjugendring.

Einsparen möchte sie etwa beim Amt des Dritten Bürgermeisters, auf das man verzichten könne. Um Einnahmen zu generieren, kann sich die Bewohnerin der Innenstadt beim Tourismus Übernachtungs- und Kreuzfahrtpauschalen vorstellen. Als Umweltthemen nennt John zum Beispiel eine "eh da"-Politik: "Grünflächen, die eh da sind, wie auf Kreisverkehren oder am Ende von Sackgassen, sollten als Blühstreifen gestaltet werden. Umweltminister Thorsten Glauber zeige, wie gut die Freien Wähler das Thema Klimaschutz bespielen könnten.

John selbst hat politisch bereits zur letzten Stadtratswahl kandidiert, damals unter ihrem Mädchennamen Müller. Privat ist sie als Übungsleiterin im MTV Bamberg oder als Autorin für einen Kinderführer durch die Gärtnerstadt aktiv.