Der Präsident des Bayerischen Brauerbunds ist zufrieden. Friedrich Düll, Inhaber der Privatbrauerei Düll im unterfränkischen Volkach/Krautheim, nannte 2014 am Donnerstag "ein gutes Jahr". Tatsächlich verzeichneten Bayerns Brauer in einem tendenziell rückläufigen Markt das höchste Produktionsvolumen seit 20 Jahren. Damit trugen sie maßgeblich zu einem bundesweiten Plus bei: "Das kommt aus bayerischen Sudkesseln," sagte Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz. Die aber stehen nirgendwo im Freistaat dichter als in Oberfranken. In Nordbayern insgesamt ist der Zuwachs beim Bierabsatz deutlich höher als in Südbayern. Dies führt Ebbertz zurück auf den "Spezialitätencharakter vieler oberfränkischer Brauereien".

Nach den gestern vom Brauerbund vorgestellten Zahlen für das vergangene Jahr ergibt sich für die deutsche Brauwirtschaft eine Steigerung beim Bierabsatz von gut einem
Prozent oder um eine Million Hektoliter auf 95,6 Millionen im Vergleich zum Vorjahr, das, wie seit 1994 fast ununterbrochen, einen deutlichen Rückgang gezeigt hatte.

Bayerischer Bierabsatz zog an
Diese Entwicklung, in die alkoholfreies Bier und Malztrunk nicht eingerechnet werden, verlief in Bayern seit dem Jahr 1998 wesentlich stabiler. Hier stieg der Bierabsatz seit 2011 wieder leicht an, und besonders deutlich fiel dieser Zuwachs im vergangenen Jahr aus: Der gesamte bayerische Bierabsatz im In- und Ausland zog um 3,6 Prozent auf 23,1 Millionen Hektoliter an.

Noch stärker fällt der Anstieg aus bei Berücksichtigung der alkoholfreien Biere, die sich mittlerweile zu einem eigenständigen Segment entwickelt haben. Hier verzeichneten die bayerischen Brauereien einen Absatzzuwachs um fünf Prozent auf nun 1,8 Millionen Hektoliter.

"Fußball-Weltmeisterschaften tun uns gut."
Damit erreicht Bayern ein Produktionsvolumen von knapp 25 Millionen Hektolitern. Dieser Wert wurde zuletzt vor 20 Jahren erzielt, als alkoholfreies Bier noch keine Rolle spielte. Als Ursachen für diese positive Entwicklung nannte Düll Sondereffekte des vergangen Jahres wie den nahezu ausgefallenen Winter 2013/14 und die Fußball-Weltmeisterschaft. Ebbertz dazu: "Fußball-Weltmeisterschaften tun uns gut. Aus Sicht der Brauwirtschaft finden sie zu selten statt."

Beide, der Präsident wie der Hauptgeschäftsführer, hoben aber auch die Exporterfolge der bayerischen Brauer hervor. Sie stabilisierten in den vergangenen Jahren, bei nachlassender Binnennachfrage, den Bierabsatz. Mittlerweile gehen rund 20 Prozent in das Ausland. Ebbertz: "Da wird jede fünfte bayerische Maß getrunken." Auch hier ist Bayern im bundesweiten Vergleich vorn, denn im deutschen Mittel gehen nur 16 Prozent in den Export.
Hier allerdings werden innerhalb des Freistaats erhebliche Unterschiede registriert: Der Export ist eindeutig eine Domäne der in Südbayern ansässigen Brauereien. Zwar stehen in Nordbayern rund 60 Prozent der bayerischen Brauereien, aber ihr Anteil am Export bayerischen Bieres liegt nur bei knapp 30 Prozent.

Nordbayern verzeichnet ein Absatzplus von fast acht Prozent
Die Erklärung liegt in der unterschiedlichen Brauereistruktur in beiden Regionen: Im Süden ist die Konzentration wesentlich weiter vorangeschritten als in der kleingliedrigen nordbayerischen Bierlandschaft, wie sie sich vor allem in Oberfranken Bestand hat. Ebbertz: "Die Dickschiffe finden wir eher im Süden." Und sie sind, schon aufgrund ihrer schieren Größe, besser aufgestellt für das internationale Geschäft.

Dies allerdings bedeutet umgekehrt, dass die vergleichsweise kleinen nordbayerischen Brauereien überdurchschnittlich erfolgreich sind im heimischen Geschäft. Denn ihr Zuwachs beim Bierabsatz fällt im innerbayerischen Vergleich deutlich höher aus: Nordbayern verzeichnet ein Absatzplus von fast acht Prozent, während es in Südbayern, trotz der Exporterfolge, nur knapp zwei Prozent sind.

Insgesamt traut Präsident Düll den günstigen Zahlen des vergangenen Jahres noch nicht: "Es wäre zu früh, den deutlich stärkeren Bierabsatz als Trendwende im Biermarkt zu deuten," sagte er gestern.
Einstweilen rüsten sich die Brauer für ein zugkräftiges Jubiläum: Im kommenden Jahr besteht das Bayerische Reinheitsgebot seit 500 Jahren.