Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Vermutlich hieße der Bereich am Rande des Borstig-Wäldchens noch heute "Am Bettelsee", wenn sich keine oder nur irgendeine Firma und nicht der weltweit agierende Automobilzulieferer Brose hier niedergelassen hätte. Aber relativ kurz nach der Ansiedlung in Hallstadt drückte das Unternehmen dem neuen Standort auch seinen Stempel in Sachen Straßennamen auf. Wie sich der damalige Bürgermeister Erwin Braun (SPD) erinnert, habe Michael Stoschek seinerzeit mit dem Argument nachgefragt, dass es ganz in der Nähe auch eine Michelinstraße gebe.

Braun selbst habe im Straßennamen Max-Brose absolut nichts Verfängliches gesehen und vermutet, Stoschek habe damit seinem Großvater und Firmengründer Reverenz erweisen wollen.

Der Unternehmenschef habe sich seinerseits sogar noch gewundert, dass hier alles so schnell gegangen, also durch den Stadtrat gegangen war. Das habe aber daran gelegen, dass die Anfrage eben zeitlich sehr günstig, also kurz vor einer Sitzung erfolgt sei, erinnert sich Hallstadts Altbürgermeister.

Mit Brose habe er, so Braun, ausschließlich das heutige Unternehmen und eigentlich Michael Stoschek verbunden, der es erst groß gemacht habe. Mit Erstaunen habe er nun im Zuge der Coburger Diskussion von der NS-Vergangenheit des Unternehmens-Gründers Max Brose aus dem Fränkischen Tag erfahren. In Hallstadt habe damals kein Stadtratsmitglied aus einem solchen Grund Bedenken gehabt. "Das hat wohl keiner gewusst."
Wie würde er mit dem heutigen Wissen die damalige Entscheidung treffen? Braun meint: "Vermutlich auch nicht anders", es gehe ja um die heutige Firma Brose.

Was die betrifft, so hatte das Unternehmen 2004 in Coburg beantragt, eine Straße nach dem Firmengründer zu benennen, was die Stadt abgelehnt hatte. Jüngst ist die Diskussion wieder aufgeflammt. Eingeschaltet hat sich zwischenzeitlich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Präsident Josef Schuster hat Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) einen Brief geschrieben. Gemeinsam mit Michael Stoschek wollen die Beiden in dieser Woche über Angelegenheit sprechen. Jüngst war die Rolle des Industriellen Max Brose als NSDAP-Mitglied und NS-Profiteur im Dritten Reich (wieder einmal) in die Schlagzeilen geraten.

Und wie steht der derzeitige Hallstadter Rathauschef Thomas Söder (CSU) "seiner" Max-Brose-Straße gegenüber? Sehr sachlich. Es sei sehr schwierig mit Blick auf die Vergangenheit ein Urteil zu fällen. "Wer sind wir, dass wir urteilen dürfen?", bemüht er eine Äußerung von Papst Franziskus. Der Straßenname bestehe seines Wissens nach schon seit vielen Jahren, vermutlich seit Ende der 90er. "Für uns ist eher die heutige Situation entscheidend." Und da sehe er Brose als ein Unternehmen, das sich auch sozial engagiere, wobei er an die unbürokratische Hilfe nach einem Brand in Coburg erinnerte.

Größter Arbeitgeber
Brose sei der größte Arbeitgeber der Stadt Hallstadt und trage ganz erheblich zu den Steuereinnahmen bei. Gerade investiere das Unternehmen erst wieder 20 Millionen in den Standort Hallstadt.

Im Übrigen seien in Hallstadt auch weitere Straßen nach den großen, in der Stadt ansässigen Unternehmen benannt. Söder nannte hier die Michelinstraße aber auch die Dr.-Robert-Pfleger-Straße. Eine nach der Firma Leicht benannte Straße fehle hier noch, stellte der Bürgermeister in diesem Zusammenhang fest.
"Ich habe kein Problem damit, dass die Straße so heißt", unterstreicht der Bürgermeister. Er und der Stadtrat hätten sicherlich auch keines, sie Michael-Stoschek-Straße zu benennen.

Allerdings sieht Thomas Söder im jetzigen Namen viele, ganz praktische Vorteile. Dank eben dieses Straßennamens würden viele Lkws die Firma sofort finden und nicht erst den Weg über das Stadtzentrum nehmen. Verkehrstechnisch bedeute das eine Entlastung für den Ortskern.

In die Vergangenheit könne man jedenfalls nur schwer sehen, meint Bürgermeister Söder abschließend. Deswegen sehe die Stadt Hallstadt lieber in die Zukunft und die gehe man gerne mit Brose und auch mit einer "Max-Brose-Straße".