Auch die siebte Veranstaltung des Bamberger Zirkus-Varieté e. V. im Giovanni-Zelt des Jugendwerks Don Bosco war wieder ein Hit in vielerlei Hinsicht! Dreimal (bereits im Vorverkauf) ausverkauftes Haus bei dieser Benefiz-Veranstaltung, dazu Akrobatik, Jonglagen und Artistik auf gewohnt hohem Level und eine wunderbare Atmosphäre bei den knapp 1500 Besuchern von "Neulich im Wald", die die 40 Künstler gebührend feierten.

"Ohne die großartige Gruppenleistung aller Varieté-Vereinsmitglieder wäre dieses bislang aufwendigste Programm nicht realisierbar gewesen", freute sich Jörg Treiber alias Schorsch Bross, der als Regisseur wieder alle Fäden in der Hand hatte, und spielte dabei besonders auf das "Wald"-Bühnenbild und die Live-Musiker Florian Ball (Leitung), Günther Schmuck, Florian Saam, Claudia Raab und Eduard Nagel an, wodurch die Einsätze für die Programm-Übergänge höchste Professionalität erfordern.

Der Gesamtleiter und sein Team setzten diesmal bewusst auf ein "ruhigeres Programm mit Tiefgang" und wollten damit einen "Kontrapunkt zu den unruhigen Zeiten" setzen. Ziel mit Bravour erreicht, man denke nur an das Tanztheater mit Bene S. Schmidt und Victoria Heinz, die "Cyr-Wheel"-Nummer mit Sara Wunderer oder an die Treiber-"Klangmalerei" (Sound Painting).

Diese lyrischen Szenen begeisterten auch Emil Hartmann, Leiter des Don Bosco Jugendwerks. "Chapeau, vor dem Engagement der Artisten! Aber nicht nur dafür. Hut ab auch vor den artistischen Leistungen, die Kreativität und den Mut im Zelt, nicht einfach nur zu explodieren, sondern emotional zu bewegen - mit leisen Tönen und viel Ästhetik. Choreographie, Inszenierung, Bühnenbild, technische Begleitung und Live-Musik waren hohes Niveau."

Nicht mehr wegzudenken bei diesem Event der besonderen Art ist Andrea Spenninger, die zunächst mit Urs Holzmeister sieben Keulen durch die Luft wirbelte. Mit einer Jonglage begann auch 2013 ihre Varieté-Zeit, am Wochenende brillierte sie erstmals an der Stange. Zehn Monate Training für die umjubelte Pole-Artistik-Nummer. "Vertikal braucht man einen gewissen Schwung beim Festhalten. Auch gibt die Stange nicht nach, was manchmal weh tut. Kraft, Athletik und Schmerzunempfindlichkeit sind für solche Auftritte notwendig", gibt die 27-Jährige preis.


Schülerin am Trapez

Fast ein Jahrzehnt jünger und zum ersten Mal dabei war Nathalie Girtgen. "Schon als Kind war ich ein Fan vom Zirkus Giovanni, fünf Jahre war ich als Zuschauerin hier und nach drei Monaten Mittwochs-Training stand die Trapez-Nummer." Die 16-jährige Schülerin kam ebenso wie Andrea Spenninger über Urs Holzmeister in diesen Zirkus, holte sich viele Ideen aus dem Internet, wobei ihr Ballett-Training sicherlich förderlich war. Apropos "Kontaktmann" Holzmeister: Dessen Vater Jürgen baute den überdimensionalen Regenschirm, an dem Natalie Horn mit "Aerial Umbrella" ihre Turnkünste bewies.

Da passt es auch ins Bild, dass Fabian Rieger und Jörg Treiber ein riesiges gleichseitiges Dreieck in Eigenregie zimmerten, um dann mit bis zu zehn Gummibällen zu "dotzen". Die verschiedenen Tricks der beiden "Varieté-Urgesteine" erforderten im Vorfeld eine hohe Intensität, einerseits das Bauen mit den Siebdruckplatten, andererseits das Üben im, oberhalb und mit dem Dreieck. Treiber "dotzte" im Dreieck mit fünf Bällen, Rieger analog auf dem Bauwerk! Das mehrfache Umbauen des Dreiecks hat sich gelohnt, da passten alle Winkel und die Bälle sprangen wie an einer Schnur gezogen zurück.

Der Atem stockte den Zuschauern aus einem anderen Grunde - insbesondere bei den jüngeren Besuchern - bei der Zauberei von Pascal Thieme. Zunächst ließ der 18-Jährige bei seinem zweiten Auftritt Bälle und Tücher verschwinden und auftauchen, als er jedoch mit einem Messer seinem Unterarm eine vermeintlich bluttriefende Wunde zufügte, stellte sich schnell die Frage nach dem besonderen Trick. Das Messer als Wurfgeschoss verwendete Dominik Oesterreicher, auch traf er den anvisierten Apfel, jedoch ohne menschliche Mitwirkung.
"Spektakulär und gefahrlos" gilt auch für die Feuer-Parade mit Bene S. Schmidt, der zusammen mit Kathrin Stubert, Maja Hilfenhaus, Luise Stiersdorfer und Lotta Schanz den Wald nicht anzündete, sondern mit tollen Feuer-Effekten mittels Seilen glänzte. Dass Jonglier-Bälle im Wald bei Neonlicht besonders wirken, bewies Letztgenannte zusammen mit Melissa Löser und auch Reiner Wolfschmidt mit dem "Doublestaff".


Garanten für Hochstimmung

Eine der Zutaten für das Erfolgsrezept dieses Varieté ist das Auftreten von Künstlern, die schon des Öfteren dabei waren. Garanten für Hochstimmung sind die Ein- und Hochradfahrerinnen Marion und Antje Benda und Simona Hoffmann, die beiden Kraftpakete Dominik Münch und Dominik Oesterreicher sowie Diana Forker am Vertikalseil.

Die "Baumakrobatik" mit 14 Künstlerin ähnelte dem viel umjubelten Schlussbild, Ausdruck der von Jörg Treiber beschrieben "Gruppenleistung", zu der auch die Live-Interpreten einen Großteil beitrugen. Nachdem Fabian Rieger ausplauderte, dass im "Nachgang zur Show" meist das nächste Thema kreiert werde, dürfte der 8. Auflage dieser Erfolgsstory 2018 nicht mehr viel im Wege stehen!