Das Tor zum Abendglück besteht aus 144 Kästen. Bierkästen, allerdings leere, stehen als Oberes und Unteres Tor, dazwischen mediterranes Flair, das ein bisschen an die Sandkerwa in ihren besseren Zeiten und auch ein wenig an die Atmosphäre des Zeiler Weinfestes erinnert, aber in seiner Art doch unverwechselbar ist: Die Lange Nacht in Scheßlitz.

Wie an der Sandkerwa gibt es stellenweise leichtes Gemöhr. Der Unterschied: Ein Großteil hier kennt sich und nutzt den Stau zum Plausch. Beziehungsweise Pläusche erzeugen Gemöhr. Die Idylle zwischen Fachwerkfassaden und unter Wimpelketten lässt an Zeils Weinfest- Flair denken. Nur: Hier trinkt man bei der Gerstensaft-Auswahl von 20 Sorten (mindestens) mit Sicherheit keinen Wein. Obwohl sich durchaus Exotisches wie Thai-Bier ins pralle Fest-Leben mischt. Das rockt, das groovt, das bringt Folklore. Wie beim Essen und Trinken, für jeden Geschmack etwas.

Auf den 500 Metern zwischen den Kasten-Toren ist das Veranstaltungs-Orga-Quartett mit Holger Dremel, Julia Kauper, Florian Roth und Reinhold Söder für Spantan-Einsätze aller Art unterwegs. Für alle medizinischen Notfälle steht erneut eine San-Station des Roten Kreuzes im Osten parat. Besetzt aus der Scheßlitzer Bereitschaft um Thomas Schrauder. Ein Novum: Der Schulbus-Transit hat erstmals als Barriere vor dem Oberen Tor Position bezogen. "Man weiß ja nie" , so Holger Dremel. 15 Security-Leute mischen sich auffällig unauffällig unters Volk. Da ist auch Landrat Johann Kalb mit Gattin Monika zu finden. Begeistert: "Die Leute sind fröhlich, alles entspannt, ein schönes Fest." Bei bestem Wetter. Alles im Griff. Dem kann selbst ein Stromausfall nichts anhaben. Unaufgeregt und effizient kümmert sich das Orga-Team.


Schnell organisiert

Im Keller des Rathauses behebt ein schnell organisierter Elektriker den Schaden. "Nein, das ist kein Weinkeller", erklärt Florian Roth einem Gast und Julia Kauper, ganz die einfühlsame Lehrerin, versichert dem sechsjährigen Jan-Luca, dass es da unten auch kein Kindergefängnis gibt. Dann ist die Tür auch wieder zu und der Ausfall vergessen. Dafür hat Dremel so viele Anrufe aufs Handy bekommen, dass der Aku erst mal in die Knie geht. Kein Problem, auch hier sind unauffällig schnell Lösungen gefunden. Das Quartett ist immer am Optimieren. So wurde die Engstelle beim Alten Rathaus bei diesem und dem sechsten Mal entschärft, indem einfach weniger Bänke stehen.

"Heuer sind es mehr Auswärtige," stellt Dremel zu den Besuchern fest. So wie der Buttenheimer und Stellvertretende BBV-Kreisobmann Peter Schlund. "Ich habe einen sehr guten Eindruck", lobt er schon nach kurzer Zeit. Die Orga-Team-Leute freut es, wissen sie doch um die Bedeutung hinter den Kulissen der 30 Stände: Für den Frauenchor "Joyful Voices ist das die einzige Einnahmequelle", erklärt Julia Kauper. Immer wieder läuft sie ihrem Vater, Bürgermeister Roland Kauper über den Weg, der hier kräftig Hände schüttelt und Pläusche hält. So wie der Landrat. "Eine tolle Stimmung", lässt dieser wissen und will mit seiner Monika dann noch irgendwo Fox tanzen. "Mindestens einen."


Familienfest

"Schön war die Zeit" schmettern die "Rossinis" von der Mauer. DJ Hammer rockt am Rathaushof die Jüngeren. Für alle was geboten. Ein Familienfest eben, eine lange, lauschige Nacht nimmt Einheimische und Gäste mit.