Die Planer der Stadt Bamberg sprechen von "Gelenkpunkt". Der "Gelenkpunkt" der Bamberger Konversion ist gewissermaßen die Achillesferse der in Entstehung begriffenen neuen Bamberger Stadtteile, weil hier die Bamberger Kasernenlandschaft auf den meist frequentierten Verkehrsweg trifft - den Berliner Ring.

Wie wird das neue Bamberg ausgehend von der Lagarde-Kaserne nach Osten wachsen? Wie kann man die Sperrwirkung des Berliner Rings auflösen? Das ist nur eine von vielen Fragen, mit denen sich sechs Planergemeinschaften beim Ideenwettbewerb Perspektive Ost beschäftigt haben. Die Antworten darauf fallen sehr unterschiedlich aus.

Folgt man den Plänen von "Albert Speer und Partner" (ASP), dann wird sich nicht nur das Kasernenareal wandeln, sondern auch der Ring. Dort, wo heute noch die "Panzerbrücke" als winziges Nadelöhr von Ost nach West führt, sieht man im Plan der Frankfurter Architekten eine Terrassenlandschaft. Man erkennt Alleebäume und eine Landschaftsbrücke, die die Schnellstraße überspannt und in einen Bürgerpark mündet, der wiederum den "Science Park Ost" begrenzt. Der Grund für die Anballung städtebaulicher Attraktionen ist schnell erklärt: Die Sperrwirkung des Berliner Rings soll gemindert, gleichzeitig ein neuer hochkarätiger Stadtteil begründet werden, der Platz für universitäre Nutzungen, für Dienstleistung und Gewerbe schafft.

10.000 neue Bamberger
Der Wissenschaftspark am Ring mit integrierter Sporthalle, aber auch die Verdichtung in der Lagarde-Kaserne haben den Architekten von "ASP" schon bei der Präsentation der Zwischenergebnisse Sympathiepunkte beschert, ebenso die Ausrichtung am vorhandenen städtebaulichen Entwicklungskonzept der Stadt. Doch es gibt auch Kritik: Negativ merkt Konversionsamtsleiter Harald Lang die Insellösungen im Hauptsmoorwald an. Diese ergäben ein "künstliches Bild" und seien nicht gut mit der Umgebung verflochten. Zweifel lösen in der Stadtspitze die Dimensionen des Planes aus, der bis auf wenige Gebäude in der Flynn-Area fast alle Häuser im Bestand erhält. Lang geht davon aus, dass ein Zuwachs von 10.000 Menschen und mehr, wie er hier offenbar zu Grunde gelegt wurde, utopisch für Bamberg ist. "Woher sollen die Menschen kommen? "

Auch Klaus Stieringer (SPD) fragt sich, ob eine solche Bau-masse nicht zu viel des Guten ist und am tatsächlichen Bedarf vorbeigeht. Er vermisst Neubauflächen und bemängelt, dass vor allem das Konzept für die Pines-Siedlung mit ihrer Gebäudezahl weit über dem liegt, was in den anderen Entwürfen geplant worden sei. Sympathie empfindet der SPD-Chef dagegen gegenüber der Idee einer Waldsiedlung. Das Künstlerdorf Worpswede bei Bremen zeige, dass ein solches Modell funktionieren könne.

Bamberg - eine Stadt für über 80.000 Menschen? Es gibt Leute im Stadtrat, die sich dafür begeistern. Helmut Müller zum Beispiel hält Bamberg für attraktiv genug, um bis 2030 auf 80.000 Einwohner zu wachsen. Zu viel Zurückhaltung wäre aus Sicht des CSU-Chefs daher schädlich: "Wir sollten eher zu viel als zu wenig anbieten."