Zwischen dem Main und der Bundesstraße 4 liegt - verkehrsgünstig und trotzdem ruhig - ein kleines Juwel: die Gemeinde Kemmern. Nicht nur die Menschen aus Bamberg und Umgebung wissen, was sie Gutes an diesem, mit fast 2700 Einwohnern überschaubaren Ort und seiner in Wirtschaften und auf Bierkellern gepflegten Gastfreundschaft haben.

Auch viele Touristen schätzen die wunderschöne Fluss- und Waldlandschaft und verbringen ihren Urlaub hier. Die 140 Gästebetten sind Jahr für Jahr rund 20 000 Mal belegt. Die Besucher genießen die Ruhe, die Natur, die Nähe zur Welterbestadt Bamberg und nahe gelegene Sehenswürdigkeiten wie Kloster Banz und Vierzehnheiligen.

Genau diese Stärken sind es, die Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) nennt, wenn er von der Zukunft des Dorfes spricht, denn Kemmern hat keine nennenswerten Gewerbeflächen, keine Industrie und
keine großen Expansionsmöglichkeiten. Allein schon der Hochwasserdamm, der fast rund um das Dorf läuft, wirkt sich wie eine kleine Stadtmauer aus.

Sanfter Tourismus

Deshalb setzt Kemmern auf Handwerk und Kleingewerbe, Gastronomie und sanften Tourismus - und die 16 Bauern, die als Nebenerwerbslandwirte die Felder rund um die Gemeinde bewirtschaften. Was nur Spezialisten wissen: Sie tun das auf wertvollem historischen Boden. Weil es in Kemmern nie eine Flurbereinigung gegeben hat, gibt es immer noch die langen Felder - kleinparzellige "Spitzgewannfluren" - die durch schmale Wege voneinander getrennt sind. Historiker und Bodenfachleute aus ganz Deutschland waren schon zu Gast in Kemmern, um sich diese Jahrhunderte alte Kulturlandschaft anzusehen. Hochmittelalterliche Ackerlandstrukturen wie in Kemmern sind heutzutage eine große Rarität.

Die historische Kulturlandschaft mit dem typischen Wegesystem ermöglichte auch das Überleben selten gewordener Tierarten wie Knoblauchkröte und Mohnbiene. Bei der Mohnbienenpopulation (Osmia papaveris) nahe Kemmern handelt es sich um das weltweit größte bekannte Vorkommen.

Zusammenhalt und Identifikation

Aber es gibt noch einiges andere, auf das der Bürgermeister stolz ist, zum Beispiel die Auszeichnungen im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft - unser Dorf soll schöner werden". Um die Anstrengungen der Bürger zu erahnen, die ihren Ort zu einem der schönsten in Bayern gemacht haben, genügt ein Spaziergang durch das einladende Dorf mit seinen perfekt hergerichteten Häusern. Dahinter steckt viel mehr als nur der Wille, den Ort schön herauszuputzen: Es ist sichtbarer Ausdruck dafür, dass die Bürger von Kemmern fest zusammenhalten und sich mit ihrem Dorf identifizieren.

Selbst bei frisch zugezogenen Familien dauert es nie lange, bis sie in Kemmern Anschluss gefunden haben. Neben Einrichtungen wie Kinderkrippe, Kindertagesstätte und Grundschule spielen die Vereine eine tragende Rollen. Auf das Vereinsleben ist man in Kemmern besonders stolz. Bürgermeister Gerst formuliert das so: "Das Miteinander von Gemeinwesen, Vereinen und Kirche funktioniert hier reibungslos."

Der harmonische Zusammenhalt und die Tatsache, dass es zwischen April und Oktober kaum ein Wochenende ohne größere Veranstaltung gibt, gehen nicht zuletzt auf die so genannte Gesamtvorstandschaft zurück, bei der alle Fäden zusammenlaufen und die die vielen Termine koordiniert - eine "lose, aber effektive Klammer".

An deren Spitze steht Waltraud Ruß, die zusammen mit ihrem Mann Hans-Dieter vor 25 Jahren die Trachtengruppe "Kemmärä Kuckuck" und kurze Zeit später die dazugehörige Musikgruppe gegründet hat. Hans-Dieter Ruß ist ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig einem Bürger in Kemmern das Vereinsleben ist. Er leitet nicht nur die Musikgruppe, sondern ist "nebenbei" auch ehrenamtlicher Zweiter Bürgermeister und aktiver Feuerwehrmann. Der Bezirk Oberfranken hat ihn zum ehrenamtlichen Volksmusik-Pfleger für den Landkreis Bamberg ernannt.

Bei allen kirchlichen und weltlichen Festen sind immer alle Vereine dabei, wobei die Organisation jeweils in den Händen eines Vereins liegt: Der Sportclub "macht" das Weinfest, der Angelsportverein das Seefest, der Obst- und Gartenbauverein kümmert sich um die Aufstellung des Kirchweihbaums und um das Erntedankfest, die Reservisten um die Fischkerwa und so weiter. Immer mit von der Partie sind die drei Blaskapellen: die Jugendblaskapelle, die Hüttenbläser und die Musikfreunde. Der Bürgermeister ist sicher, dass das so bleibt: "Wir wollen authentisch beiben, wir wollen uns nicht verbiegen."

Bei so viel Gemeinschaftsgeist und Zusammenhalt wird bestimmt auch das nächste Großprojekt zum Erfolg werden: die Anschaffung und der Einbau einer neuen Orgel in die Kirche für einen hohen sechsstelligen Betrag. Die Gesamtvorstandschaft macht sich schon Gedanken, wie die dafür nötigen Spenden zusammenkommen können.

Für Bürgermeister Gerst ist es wichtig, dass sich die Bürger auch außerhalb der Feste gerne treffen. Deshalb wurde die Mitte des Dorfes durch eine umfassende Ortskernsanierung aufgewertet. Alle wichtigen Einrichtungen, an denen sich große und kleine Bürger begegnen können, liegen zentral - beispielsweise die Gemeindebücherei, die ihren Platz im Rathaus gefunden hat.

Kemmern will besonders für junge Familien als moderne Wohngemeinde attraktiv sein. Neben Einrichtungen wie Kindergarten und Schule gehört dazu auch der DSL-Breitbandanschluss, den Kemmern als eine der erste Gemeinden im Landkreis ohne Zuschuss gebaut hat. Der größte Schatz aber liegt in der sie umgebenden Natur, die Kemmern so einmalig macht. Um diesen Schatz zu bewahren hat die Gemeinde vor Jahren als Gründungsmitglied den Verein Flussparadies Franken mit aus der Taufe gehoben.