Wenn die "fünfte" und die "sechste" Jahreszeit zusammenfallen, der schrille Fasching also von einem nervenaufreibenden Kommunalwahlkampf begleitet wird, dann haben die Narren Zündstoff en masse - und alle was zu lachen. Nur dem einen oder anderen Akteur der politischen Bühne bleibt da schon mal nichts anderes übrig, als gute Miene zum beißenden Spott zu machen. So legte das Narrenschiff des Ortskulturrings Hirschaid am Wochenende für zwei Mal sechs Stunden zu turbulenten Kreuzfahrten durch die Wogen einer aufgewühlten Marktgemeinde ab: Kein Wunder, wo sich doch vier Kadetten um das Erbe des alten Lotsen Andi reißen. Der geht demnächst von Bord. Hostä gädocht: Er kehrt als Scharfrichter wieder und bleibt ...

Hilferuf an den Vorsitzenden

Was Karin Schröder freilich zusammenreimte über die Eigenart des scheidenden Bürgermeisters Andreas Schlund, seinen Parteifreund Klaus Homann nicht für die Nachfolge zu empfehlen und stattdessen die Wahl zwischen einem Roten und zwei von den Freien Wählern anheim zu stellen, das war fast schon als Hilferuf an den CSU-Parteivorsitzenden zu verstehen. Komm, Horst Seehofer, und sprich ein Machtwort, damit auch der Andi Schlund wieder weiß, wer zu ihm gehört, flehte die Kapitänin, die mit den schnuckeligen Matrosen des MS Queckenbelzer vom OGV Regnitzau in Häschaa gestrandet war. Die sturmerprobten Bootsleute verwandelten sich flugs in putzige "Duckerla" und schnatterten um die Wette.

Turbulentes Programm

Das war eine der zahlreichen, entzückenden Tanznummern im turbulenten Programm, die den Besuchern der restlos ausverkauften Prunksitzungen Beifallsstürme entlockten. Perfekt einstudierte Darbietungen zwischen Polonaise und Hip hop, zahllose Tänzerinnen und Tänzer in fantasievollen Kostümen und Maskeraden, Akteure zwischen acht und achtzig, drollig, kess, akrobatisch, herzerweichend. Eine Augenweide nach der andern.
Zurück zum roten Faden: Welcher Kandidat hat die besten Chancen? Edwin Jungkunz, Mainleuser Gast in der Hirschaider Bütt', hatte die Antwort: Am besten sollte er parteilos, alleinerziehender Landwirt mit Seniorenpass, Geschäftsführer und Feuerwehrkommandant sein.

Da müssen die für Hirschaid ins Rennen gehenden Bürgermeisterkandidaten freilich passen. Und die "Häschaadä Tramps" kamen denn auch zu dem Ergebnis: "Ohne Qual ka Wahl!". Sie stellten eine Riesenkiste mit Wahlversprechen auf die Bühne und rollten Wahlprüfsteine aus, zum Beispiel Ausbau der Kindergruppen, Seniorenparkstationen, Baulücken schließen, Energiewende etc.. Doch fällt den Bewerbern ums Bürgermeisteramt immer nur das Gleiche ein. "Ansprechbar und bürgernah" (Busch), "Ich bin der Neue und nah am Menschen" (Auer), "Unsere Gemeinde stärken!" (Kestler), "Hirschaid geht es gut und so soll es bleiben" (Homan). Naja, die Leier kennt der Häschaadä allmählich zur Genüge und schmunzelt: "Wart nä, euch wämmä helfn!"

Nackedei in Lederhose

Derweil trifft man sich in der Sauna der Franken-Lagune und lässt sich von Frank Rattel einen Aufguss machen: Der Obersaunist bewies als Nackedei in Lederhose bei seinem Sauna-Blues dann auch noch Sängerqualitäten. Wer da nicht kommt ins Schwitzen, bis es läuft in alle Ritzen ...!

Während sich auf der politischen Bühne die Möchtegerne tummeln, hatte Monika Schaiblein bei der Suche nach einem neuen Faschingsprinzen gegenteilige Erfahrungen gemacht. Als Prinzessin mit viel Figur lockte sie mit dem Versprechen, dass doch so ein Faschingsprinz viele holde Damen küssen dürfe. Klar: vergebens. Ob ihr Hilferuf gehört wird? Dieses Jahr wurde das Hirschaider Narrenvolk von dem leibhaftigen Ehepaar Florian I. und Claudia I. plus dem kleinen "König Emil" regiert. Das Dreigestirn aus Seigendorf verlieh Faschingsorden, tanzte mit und machte sich auch mal einen Reim auf seine famosen Häschaadä Untertanen.

Spitzel im Elferrat

Wen wundert es noch, dass sich selbst in den Elferrat ein NSA-Spitzel eingeschlichen hat? Franz Besold wurde, in Ketten gelegt, auf die Bühne geschleppt und gestand seine Untaten: Ganz Hirschaid sei ausspioniert, bis auf die Unterhosen. Wer so im Untergrund wühlt, der findet den roten Stuhl richtig cool, der weiß, woher der Strom kommt, damit sich im Advent ein Dienstleistungsbetrieb in Little Vegas verwandeln kann oder wer wo wieviel Schwarzgeld gebunkert hat.

Bis ins Verteidigungsministerium ist der Mainleuser Maulwurf vorgedrungen, um die neueste Strategie bekannt zu geben: "Raketenursula" wolle dafür sorgen, dass jeder Panzer einen Wickeltisch hat.

Weil die Konkurrenz "immer schärfer" wird, fühlt sich Benny Wagner zu einer "Swingerwahl last minute" herausgefordert. "Glücklich verwitwet" stellte er die neue GSP mit ihren Zielen im Bereich freizügiger Körperkultur vor. Und natürlich ist die kurzberockte Schwester Beate zur Stelle, wenn mit über 66 Jahren ein Zipperlein zu kurieren ist.

Den Gipfel der Heiterkeit erklommen schließlich die "Seigendorfer Bergleut" mit ihrer Hymne auf "Mei Häschaa". Dieser Luftkurort biete nicht nur den die stickige Berliner Luft fliehenden Klaus Wowereit Asyl. Im Süsslforä Schloss wäre sogar noch Platz für den Limburger Bischof, der als Pappkamerad die Narrhalla von Häschaa besuchte. Der Palazzo Protzi, kurz vor der Vollendung, ließe sich für die Eminenz aus Hessen schnell noch mit einem Whirlpool aufpeppen. Und dann wollen die Seigendorfer noch eine Führungspersönlichkeit aus der Alpenrepublik ansiedeln. Dafür sind sie bereit, einen Schleichweg um die Mautschranken zu finden. "Raudi" sei jedenfalls herzlich willkommen.

Ein lustiger Knirps

Am Ende von zwei bravourös geleiteten Prunksitzungen hatte sich dann auch Romana Gensel einen großen Blumenstrauß verdient: Bei solcher Führungskraft muss einem um Hirschaid nicht bange sein. Nicht mal um die närrische Zukunft! Denn die siebenjährige Lorena Bickel machte sich schon mal zum Ergötzen aller Zuschauer fein - vielleicht für König Emil, den lustigen Knirps des Prinzenpaares. Häschaa Helau!