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Grasmilben-Alarm in Franken: Ansturm auf einige Apotheken


Autor: Moritz Kircher

Bamberg, Freitag, 03. Juli 2026

In einigen Apotheken im Süden Frankens gingen die Medikamente aus. Der Ansturm der Kunden wegen eines juckenden Ausschlags war enorm. Grund ist ein kleiner Plagegeist, der auch in Oberfranken immer wieder Menschen befällt.
Grasmilben sind rot bis bräunlich gefärbt und sind bei einer Größe von 0,3 Millimeter kaum zu erkennen. Die juckenden Hautprobleme verursachen die Larven der Grasmilbe.


Sie leben in Gärten, Parks und Wiesen - überall dort, wo Gras selten oder gar nicht gemäht wird. Und wenn es lange trocken ist, kommen die kleinen, mit dem bloßen Auge kaum sichtbaren Spinnentiere raus, setzen sich auf die Spitzen von Grashalmen und warten auf Beute. Und das darf gerne auch mal ein Mensch sein. Ihre Bisse rufen juckende, teils schmerzhafte Hautreaktionen hervor. 

In der vergangenen Hitzeperiode herrschten ideale Bedingungen für die Grasmilbe. Und das bekamen viele Menschen in Franken unangenehm zu spüren. Aktuell klärt das Gesundheitsamt Coburg über die winzigen Plagegeister auf, die bei Kontakt mit dem Menschen meistens nicht nur einmal zuschlagen, sondern zahlreiche rote Punkte auf der Haut hinterlassen - weswegen die Symptome von Grasmilbenbissen von Laien auch gerne mal mit ansteckenden Krankheiten verwechselt werden.

Grasmilben-Larven befallen Menschen und Tiere

"Nicht die ausgewachsenen Milben, sondern ihre Larven befallen Menschen und Tiere", informiert das Coburger Gesundheitsamt. Zwar seien die Bisse unangenehm. Aber die gute Nachricht, so die Behörde: "Grasmilben sind zwar lästig, sie übertragen aber – anders als beispielsweise Zecken – keine ansteckenden Krankheiten."

Diese Einschätzung bestätigt Andrea Röder, Hausärztin in Bamberg und Sprecherin des Bamberger Hausarztvereins. Von einer echten Plage wie in Mittelfranken kann sie zwar aktuell nicht berichten. "Aber ich hatte auch schon Fälle in der Praxis, gerade jetzt, wo es so warm war."

In den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen gab es vermehrt Berichte über Menschen mit seltsamen Hautausschlägen, die wohl auf die Grasmilbe zurückzuführen waren. Apotheken vor Ort berichteten von einem regelrechten Ansturm von Patienten, die verzweifelt auf der Suche nach Mitteln gegen den Juckreiz waren.

Diverse Mittel helfen bei durch Grasmilben ausgelöstem Juckreiz

Hier weiß Volker Seubold, Inhaber der Marienapotheke in Bamberg, Rat. Er empfiehlt antiallergische Gele, wie zum Beispiel Fenistil oder Soventol. Diese hätten auch einen kühlenden und hautberuhigenden Effekt. Hautberuhigend wirkten aber auch Gele mit Aloe‑Vera ohne antiallergischen Wirkstoff. Wenn der Juckreiz oder der Schmerz nach Grasmilbenbissen gar nicht mehr auszuhalten sei, könnten auch cortisonhaltige Cremes Abhilfe schaffen. Ebenfalls Linderung bei starkem Juckreiz nach Grasmilbenbissen verschafften Antiallergika zum Einnehmen. "Wenn es Hautreaktionen sind, sind die älteren Mittel wie Fenestil überlegen", erklärt Seubold. Der Nachteil im Vergleich zu neueren Antiallergika, so der Apotheker: Diese Medikamente machen müde.

Aber was genau macht die Grasmilbe eigentlich zum juckenden Plagegeist? Hausärztin Andrea Röder klärt auf, dass die Spinnentiere genau genommen gar nicht im klassischen Sinne beißen. Sie ritzen die oberste Hautschicht an und lösen diese mit einem Enzym auf. Die Tierchen ernähren sich dann von den vorverdauten Zellen und austretender Zellflüssigkeit. Dieser Vorgang löse den Juckreiz aus, der typischerweise auch erst zwölf bis 72 Stunden nach dem Kontakt mit der Grasmilbe auftrete - was die klare Zuordnung zu einem möglichen Kontakt mit der Grasmilbe erschwere.

Haben empfindliche Menschen etwas von der Grasmilbe zu befürchten?

Grasmilben seien aber bis auf den nervigen Juckreiz völlig harmlos, erklärt die Ärztin. Sie übertragen keine Krankheitserreger. "Und selbst für einen allergischen Schock ist das einfach zu wenig." Sprich: Auch empfindliche Menschen haben von der Grasmilbenlarve kaum etwas zu befürchten.

Gibt es Mittel, die verhindern, dass die Grasmilbenlarve überhaupt zuschlägt? Das kann Apotheker Seubold, der auch oberfränkischer Sprecher des Apothekerverbandes ist, nicht mit Sicherheit sagen. Gängige Insektenschutzmittel wie Autan oder Antibrumm enthielten keinen Hinweis darauf, dass sie auch abschreckend auf Grasmilben wirkten.

Das Gesundheitsamt Coburg empfiehlt in seiner Mitteilung ein Hausmittel. Zitronensaft helfe, das Speichelsekret der Milben zu neutralisieren. Das ist aber offenbar nicht wissenschaftlich belegt. Jedoch könne eine Mischung aus Zitronensaft, Apfelessig und Wasser - auf die Haut aufgesprüht - helfen, die winzigen Spinnentierchen abzuschrecken. 

Auch wenn es juckt: Auf keinen Fall kratzen!

Am besten ist es, den Kontakt mit Grasmilbenlarven möglichst zu vermeiden. Wie das geht, erklärt das Gesundheitsamt Coburg:

  • Beim Aufenthalt auf Wiesen, im hohen Gras und bei der Gartenarbeit möglichst geschlossene Schuhe sowie lange Hosen tragen.
  • Hohe Gräser möglichst meiden und nach Möglichkeit auf Wegen bleiben.
  • Nach dem Aufenthalt im Freien duschen und die Kleidung wechseln.
  • Rasenflächen im eigenen Garten regelmäßig mähen und ggf. wässern – Grasmilben lieben die Trockenheit und ziehen sich bei Feuchtigkeit in den Boden zurück.

Allerdings dürfte es schwer werden, diesen Rat auf der Liegewiese im Schwimmbad zu befolgen. Dort sollte man immer nur auf Decken und Handtüchern liegen, nicht direkt auf dem Gras, rät Hausärztin Röder.

Und eines sollte man bei von Grasmilben ausgelöstem Juckreiz auf keinen Fall tun, auch wenn es schwerfällt: kratzen. "Wenn man kratzt, kann es zu Sekundärinfektionen kommen", warnt die Ärztin. Sollte sich eine Stelle großflächig entzünden oder gar anfangen zu eitern, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.