Faschingsdienstag ist Königsfeld das Zentrum zahlreicher Narren aus dem Ort und der Umgebung, mit so wohlklingenden Dorfnamen wie Laibarös, Ludwag, Kotzendorf und Herzogenreuth. Das Leben auf dem Jura ist hart. Vielleicht suchen die Bewohner deshalb am Faschingsdienstag ein Ventil und lassen es besonders krachen. Dieses Jahr mussten sie dem Wetter wieder einmal trotzen, doch pünktlich zum Umzugsbeginn hörte es auf zu regnen. Wenn es auch etwas weniger Zuschauer als sonst waren, die Zahl der Wägen und Fußgruppen war auf 20 gestiegen und die Straßen waren gut gefüllt.

Zum letzten Mal als erstes dran

Wie immer startete der Wagen des Gemeinderats den lustigen Zug an, heuer zum letzten Mal angeführt von der feschen Bürgermeisterin Gisela Hofmann, die mit rotem Schutzhelm auf den Zustand der Wälder hingewiesen hat. Den Klimawandel verband der Spruch auf ihrem Wagen auch mit einer anderen Botschaft: "Wald und Gesellschaft werden braun, da dürfen wir nicht weiter zuschaun!"

Damit keine Wehmut aufkam, heizte die Blaskapelle Aufseßtaler den Jecken kräftig ein. Aus Burgellern rollte der große Prunkwagen herüber. In der Trutzburg jubelten auch das Prinzenpaar Birgit und Ulrich Kastner samt großem Hofstaat.

Zahlreich vertreten waren auch wieder die Feuerwehren. Auf den großen Wänden der Königsfelder wurde mehr Platz für die dortige Feuerwehr gefordert, und ein Vorschlag gleich mitgeliefert: auf dem angrenzenden Gelände der früheren Gaststätte Thein.

Hier aber will eine andere Interessengruppe ein neues Tanzcenter einrichten und hatten die Stars schon im Schlepptau dabei. Auch die Opelfreunde reklamieren den Thein für sich, da sie keine Notwendigkeit für eine Entbindungsstation dort sehen, sondern die einmalige Gelegenheit für ein Raumfahrtzentrum. Sie planen nämlich zu ihrem Planeten Opel zu fliegen.

Die Steinfelder Jugend fühlte sich gemeinsam stark und forderte, ihren Brunnen nicht versiegen zu lassen, da der nicht mit Geld aufzuwiegen sei. Auch dem Otto seinen Geburtstag feiern sie, genauso wie seit 200 Jahr' ihr Heimat-Bier.

Politisch suchen sie wie die Kinderfeuerwehr Stadelhofen auch einen neuen Bürgermeister. Eine Gruppe aus Königsfeld will ihren "Nobbi for Future", was bei nur einem Kandidaten doch sicher gelingen dürfte - wäre da nicht das Problem, dass er ausgerechnet aus Kotzendorf kommt.

Die "Oberfranken-Mafia" langte kräftig hin und überzog. Sie versprach als Ableger der Italiener Hilfe bei Korruption und Steuerbetrug, Asyl und Rente. Zur Abschreckung hatte sie die Reste einer Leiche in einer Badewanne dabei.

Dass die Probleme der Bauern beim Königsfelder Zug präsent waren, verwunderte wegen der ländlichen Lage nicht. Dieses Themas nahmen sich die Feuerwehren Kotzendorf, Hohenhäusling und Poxdorf an. Die Tiefefenellerner Wehr setzte sich für den Bau eines neuen Spielplatzes ein. Die Fußgruppe Weidner aus Poxdorf kritisierte die Kassen-Bon-Pflicht, und das Wikingerschiff aus Bojendorf mit seinen Seefahrern warb für ihr Jura-Metall-Exzess-Festival.

Besonders originell hatten die Feuerwehrsleute von Laibarös ihren Wagen gestaltet. Da die Gemeinde kein Geld für ihre Mauern hat, haben sie ein Haus des Geldes gebaut, in dem aber nur Maskierte bedienen, nach dem Motto: "Geh'n sie noch zur Bank, oder drucken sie schon selbst?" Neben dem Umzug ruhten fast unbemerkt zwei Skelette auf dem Mitfahrbänkla. Eine Frau aber hatte doch Mitleid, setzte sich zu ihnen und stellte auch noch einige Bierflaschen dazu.

Den krönenden Abschluss bildete der Wagen der Hubertusschützen Königsfeld. Darauf fand auch die Verlosung statt. Der Gewinn: eine frisch geschlachtete Sau.

Monsignore Michael Herrmann übte sich dieses Jahr wieder in Enthaltsamkeit. Er konnte auch nicht am Umzug teilnehmen, da er von zwei auswärtigen Securitys bewacht wurde. Den Umzug fand er trotzdem klasse, wie auch Noch-Bürgermeisterin Hoffmann, die ihren Abschiedsschmerz tapfer wegdrückte.