Schon wieder: Morgens um halb zwei trafen sie nach dem Match auf dem Rasen erneut aufeinander - der Club und die Frankfurter. In Geiselwind. Die Defensiv-Strategie der Nürnberger ging auf, beim Autohof Strohhofer kamen sie zum Ziel: Horst Haas und die eingeschworenen Club-Fans aus Burgwindheim schlossen die bittere Relegation mit einem genussvollen Imbiss ab, nachdem sie sich zuvor aus einem Lokal zurückgezogen hatten, in denen es nur so vor allzu aufgekratzten Hessen wimmelte. "Im anderen waren vernünftige Frankfurter", sagt der 58-Jährige, ein wenig heiser freilich nach der anstrengenden Partie, in der wieder einmal ein Aufstiegstraum zerschossen wurde. "Aber wir Club-Fans sind ja ebenso treu wie leidensfähig."


Besser als am Schirm

Eigentlich hatte der Wirt damit gerechnet, das Entscheidungsspiel in seiner Gaststätte nur vor dem Fernseher ansehen zu können. Das hätte er dann mit Gleichgesinnten in seiner Glubb-Ecke (Schal, Wimpel etcetera) getan. Doch in letzter Minute klappte es dann doch noch mit einer Karte übers Internet. So reiste eine vierköpfige Fan-Gruppe aus dem Steigerwaldort ins Grundig Stadion. Diesmal saß Haas leider nicht in der legendären "Nordkurve".



Dennoch, "die Atmosphäre war klasse." Freilich wollten Haas und die Burgwindheimer den FC Nürnberg wieder einmal aufsteigen sehen. "Ich hatte auf ein 1:0 für den Club gehofft." Am Ende war das der Stand, nur eben für Frankfurt. "Aber für die Mannschaft gab es genauso einen Applaus, wie wenn sie gewonnen hätte." Auch das zeichne die Anhänger der Rot-Schwarzen aus. "Mir gefällt der Zusammenhalt der Fans, egal ob die Mannschaft gewinnt oder nicht." Club-Fan ist der 58-Jährige seit er 15 war und aktiv in Herzogenaurach kickte.


Traditionalisten und Realisten

Aktiv als Club-Fans werden viele, so wie die Scheßlitzer, die 2004 den 1.FCN-Fanclub Scheßlitz gründeten. Selbstverständlich waren Vorsitzender Erhard Goppert und sein Stellvertreter Friedrich Schmittinger am Montag im Stadion; zusammen mit knapp 30 der insgesamt 150 Mitglieder. Freilich hätte man schon gerne den Aufstieg gefeiert. Aber Club-Fans sind ebenso Traditionalisten wie auch Realisten. "Wir waren die schlechtere Mannschaft und haben zu spät angefangen zu spielen", bekennt Goppert. "Aufstieg ist nicht alles", ergänzt Schmittinger. Gänsehaut-Feeling dagegen schon. Etwa, als die Nordkurve "You never walk alone" anstimmte.

Freilich auch in dem Bewusstsein, dass man so manchen aus dem Kader in der kommenden Saison nicht mehr in Rot-Schwarz auflaufen sieht. Egal, was auch passiert, "wir sind und bleiben FCN-Fan", lautet das Credo der Schätzä Vereinsführung, womit sie die Einstellung des FCN-Fans schlechthin wiedergeben dürften. "Liebe, Glaube, Leidenschaft" eben und weil kein anderer Verein so fränkisch sei wie die Nürnberger. Die erste Bundesliga ist schließlich toll, aber nicht alles, der Club an sich dagegen schon. Ein Lebensgefühl. "Das verlorene Spiel ändert gar nix an unserer Begeisterung", betont Goppert fast schon trotzig. "Denn der Club ist Herzensangelegenheit". Und damit geht der Blick nach vorn in die nächste Saison, "ich hoffe auf Aufbruchstimmung", sagt der 42-Jährige.

In der befindet sich Gastwirt Haas allerdings schon: Er hat jetzt erst mal die EM im Visier. "Da stelle ich das Zelt auf, in dem wir Weltmeister geworden sind."Er spielt auf das örtliche Public Viewing an, während er noch einen kurzen liebevoll-wehmütigen Blick auf die Insignien in der Glubb-Ecke wirft.