Die beiden Bewerber schauen mit gebanntem Blick auf den Tisch in der Mitte des Joseph-Keilberth-Saals der Konzerthalle, wo die Stapel an Zetteln wachsen. Nach einer Stunde Wahlgang war auch der Sitzungsleiter, Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), vom Ergebnis überrascht: Mit deutlichen 190 zu 62 Stimmen konnte der Feuerwehrmann Florian Kaiser den seit zwölf Jahren amtierenden Matthias Moyano in der Funktion des Stadtbrandrates ablösen.

Beide sind in der "Löschgruppe 2 Wunderburg" beheimatet. 394 aktive Feuerwehrleute der Bamberger Löschgruppen waren aufgerufen, den obersten Kommandanten zu wählen. Auch bei vergangenen Wahlen gab es mindestens zwei Kandidaturen.

Ewald Pfänder, Stadtbrandinspektor im Stadtgebiet Bamberg, hatte den bisherigen Amtsinhaber erneut vorgeschlagen. Anhand des Wortes "Vertrauen" warb er für Moyano. V für Vertrauen, dass man eigene Interessen auch mal in den Hintergrund rücke, aber dass auch ein offenes Ohr für die Belange der Kameraden da sei. Dazu gesellen sich "Einsatzerfahrung" und "Realität". Besonders bei Letzterem macht Pfänder deutlich: Man müsse auch das Positive und nicht nur das Schlechte in einer Person sehen. Sein Kandidat Moyano stehe für "Tradition" und die Möglichkeit, "Ratschläge" einzubringen. Mit "Argumentationskraft" sei Moyano nicht zuletzt bei der Ersatzbeschaffung von Einsatzbekleidung durchsetzungsfähig gewesen. Auch "Ehrgeiz" und "Neutralität" machten ihn aus.

Beim Punkt "Umgang" lässt Pfänder eine möglicherweise von außen herangetragene Kritik an Moyanos Führungsstil durchscheinen, die er entsprechend einordnet: Den richtigen menschlichen Umgang könne man lernen. "Wichtig ist es, dass dann die Einsicht besteht und die Bereitschaft da ist, darüber zu reden und eventuelle Fehler abzuändern."

"Ich habe Florian durch sein umsichtiges Verhalten bei gemeinsamen Einsätzen kennengelernt", betont Feuerwehrfrau Franziska Schmitt, welche die Fürrede für Herausforderer Kaiser hielt. Durch seine Mitgliedschaft bei der aktiven Wehr im Jahr 1998 und in einer Werksfeuerwehr habe er viel Erfahrung gesammelt. Nicht nur wegen seiner Lehrgänge bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg sei er ein "kompetenter Wissensvermittler". Kamerad Kaiser habe das Rückgrat, auch Missstände in der Feuerwehr anzusprechen. "Sein menschlicher Führungsstil wird die Schlagkraft unserer Wehr erhöhen", ist sich Schmitt sicher. Das bedeute auch die Verteilung der Verantwortung auf mehrere Schultern. "Er wird immer hinter uns stehen. Und wenn es sein muss, sich auch vor uns stellen", ruft die Feuerwehrfrau den Angehörigen der Löschgruppen zu.

Kommunikation gefragt

Nach der Wahl gratulieren die Feuerwehrleute aufgrund von Corona per Ellenbogen-Check. Der frischgekürte Stadtbrandrat ist erleichtert: "Es ist gut, so viele Kameradinnen und Kameraden hinter sich zu wissen." Der 40-jährige Kaiser, welcher als Disponent bei der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim arbeitet, und stellvertretender Löschgruppenführer ist, hat viel vor: "Kommunikation, Transparenz und die Pflege der Kameradschaft machen eine freiwillige Feuerwehr aus." Konkret heißt das, das Feuerwehrwesen in der Stadt nach Fachbereichen aufzuteilen, was so noch nicht existiert. Also Themen wie das Beschaffungswesen, die Einsatztaktik oder Ausbildung mit erfahrenen Leuten zu besetzen und daraus ein gemeinsames Gremium zu schaffen.

Apropos Einsatztaktik: "Die Löschgruppenführer sollen mehr Befugnisse im Einsatz erhalten", erklärt der neue Stadtbrandrat. Beim Thema Fahrzeugkonzepte und Ersatzbeschaffungen sieht Kaiser gute Anknüpfungspunkte an die Arbeit seines Vorgängers Moyano. Die Veränderungen sollen nicht überstürzt umgesetzt werden, um keine Überforderung zu erzeugen, verspricht Kaiser. Denn er ist sich der Herausforderungen seines Amtes bewusst: "Die Kunst ist es, die Ideen aller einzubinden und nach Prioritäten zu sortieren und jeden weiterhin zu motivieren."