Im Hause Gehringer steht der Weihnachtsbaum in diesem Jahr schon seit dem ersten Advent in voller Pracht. Das ist einer Energieleistung von Joachim Gehringer zu verdanken - und der Hartnäckigkeit seiner vierjährigen Enkeltochter Larissa. "Sie hat gesagt: Wir bauen heute den Christbaum auf." Und so ist Joachim Gehringer in den Keller gestiegen, hat die Kartons herausgesucht, den künstlichen Baum in Position gebracht und dann mit der Enkelin festlich geschmückt.

Was für andere 60-jährige Großväter vielleicht nicht die schwerste Übung gewesen wäre, war für den Fibromyalgie-Patienten Joachim Gehringer so anstrengend wie eine größere Bergtour. "Ich war danach zwar zwei Tage völlig fix und fertig, aber während des Aufbauens habe ich komischerweise fast nichts gemerkt." Wenn Enkelkinder zu Besuch sind, macht der Muskel-Faser-Schmerz auch für den Mann mit der zehnjährigen Krankheitsgeschichte kurz Pause. Aber sonst bestimmt er Leben und Alltag der Betroffenen.

Vor allem im eigenen Haus

Joachim Gehringer leitet die noch junge Selbsthilfegruppe Fibromyalgie Hirschaid/Bamberg. Deren Mitglieder leiden unter Schmerzen am ganzen Körper sowie an einer erhöhten Schmerzwahrnehmung, besonders an der Muskulatur und den Sehnenansätzen. Wenn Gehringer morgens aufsteht, muss er seinen versteiften Körper erst einmal 90 Minuten lang mobilisieren. Eine Art kleinen Fitnessraum hat der 60-Jährige sich dafür gleich neben dem Schlafzimmer eingerichtet. Dort lockert er auf einer Traktionsliege den schmerzenden Rücken, arbeitet mit Chi-Maschine und anderen medizinischen Rüttelgeräten den gesamten Körper durch, bis er in der Lage ist, die Treppe hinunterzusteigen und zu frühstücken.

Gehringers Alltag findet zum allergrößten Teil im eigenen Haus statt. In seinem Büro erledigt er am Computer die meisten Einkäufe, seine Frau ist wie er stark in der Mobilität eingeschränkt. Auto fährt der Schmerzpatient seit zwei Jahren nicht mehr, die dafür nötige Haltung verkrampft seinen Körper zu sehr. Wenn er sich doch mal draußen bewegt, ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. "Ich geh' eigentlich nur noch zum Arzt."

Aber es gibt einige Mitglieder seiner Selbsthilfegruppe, die noch gut ein Fahrzeug lenken können, denn "Fibromyalgie kann bei jedem anders aussehen". Aber alle Betroffenen müssen morgens mit Übungen ihren Weg in den Tag finden - und im jahrelangen Austausch immer wieder nach Sachen suchen, die ihnen gut tun. Auf ein Medikament, das er selbst zahlen muss, das ihm aber hilft, ist Gehringer durch seine Selbsthilfegruppe gekommen: Guaifenisin wird eigentlich als Schleimlöser eingesetzt, hochdosiert habe das Mittel jedoch auch muskelerschlaffende Wirkung.

Vor allem Frauen betroffen

Was in Corona-Zeiten fehlt, ist der direkte Austausch bei den regelmäßigen Treffen der Gruppe. Nun würde man sich gern einen Van zulegen, mit dem sich die Betroffenen dann abwechselnd gegenseitig besuchen könnten - auch noch nach der Pandemie. "Franken helfen Franken" unterstützt die Selbsthilfegruppe bei diesem Wunsch. Denn es gibt auch einige Mitglieder, die das Haus überhaupt nicht mehr verlassen können. "Nach dem ersten Zeitungsbericht hat mich ein Betroffener angerufen, den ich noch nicht kannte. Er lebt allein und kommt sich vor wie in der Todeszelle: Sogar das Essen wird ihm vor die Tür gestellt."

Weshalb Gehringer zu den wenigen Männern gehört, die an der Muskel-Schmerz-Erkrankung leiden (meist trifft sie Frauen), kann er nicht sagen. Genetisch bedingt sei es in seinem Fall nicht, aber welche genaue Rolle die Nerven, seine Vorerkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck), Umwelteinflüsse oder Medikamente spielen, weiß der 60-Jährige auch nicht. Dafür, dass er zwei Stunden Mittagsschlaf braucht und abends bis 20 Uhr ins Bett muss, weil er schmerzbedingt immer wieder aufwacht und sich anders lagern muss. "Schlafstörungen hat jeder von uns, bei mir eher körperlich, bei vielen aber auch psychisch." Wie die meisten Betroffenen musste er lange suchen und viele Ärzte abklappern, bis die richtige Diagnose gestellt wurde.

In seinem früheren Leben war Gehringer Personalchef bei einer Versicherung, nach seiner Frühverrentung gab er noch einige Jahre Wochenendseminare für Volkswirte und Deutsch-Kurse für die internationalen Führungskräfte eines Sportartikel-Herstellers. Aber auch das verhinderte seine Erkrankung irgendwann. "Fibromyalgie macht einen einfach unberechenbar, ich bin zu oft ausgefallen. Es gibt Tage, da konnte ich mich einfach nicht bewegen."

Schmerzspitzen zuvorkommen

Und so sind nun seine Familie, die drei Kinder und vier Enkelkinder, der starke Gegenpol im Kampf mit der Krankheit. Der viele Höhen und Tiefen kennt. "Ich hatte schon Zeiten, da musste mich mein Sohn abends ins Bett tragen." Vor einem Jahr an Weihnachten erlebte Joachim Gehringer einen dieser fürchterlichen Schmerz-Schübe, die zwei bis drei Wochen dauern können. Und jetzt hat er Tage, an denen er nachmittags ganz normal mit seinen Enkeln spielt.

Indem er alles unternimmt, was seinem Körper gut tut, will Gehringer Schmerzspitzen zuvorkommen. Er hat kürzlich mit einer Betroffenen gesprochen, die allein lebt und nach einer Schmerzattacke vier Tage nicht aus dem Bett kam. Heute hat sie einen Hausnotruf. "Auch solche Menschen könnten wir mit unserem Van besuchen. Einige von ihnen haben null Ansprache und müssen trotzdem mit dieser Krankheit zurechtkommen."

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Zeitungen, wie beispielsweise den Fränkischen Tag, sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600 000 Menschen.

Außerdem ist die mgo mit Tochterfirmen wie mgo360, mgo Fachverlage oder mgo Digital Ventures als Multimediaunternehmen breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein "Franken HELFEN Franken" seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurden seit der Gründung 2009 deutlich über eine halbe Million Euro von Franken HELFEN Franken vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken HELFEN Franken e.V. Sparkasse Bamberg IBAN DE 62 7705 0000 0302 1945 01 BIC BYLADEM1SKB. Als Verwendungszweck geben Sie "Muskelschmerz" an, wenn Sie dazu beitragen wollen, dass die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie ein Fahrzeug bekommt. In einer parallel laufenden Aktion sammelt FhF Geld für die vielfältigen Aufgaben von Pro Familia (Verwendungszweck "Pro Familia").