Die Brandserie in der Schlesienstraße in Lichteneiche (Memmelsdorf) ist wohl geklärt: So soll eine Anfang der Woche festgenommene 77 Jahre alte Anwohnerin auch für weitere Feuer in der Straße verantwortlich sein. Das teilte das Polizeipräsidium Oberfranken gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Bamberg am Donnerstag mit. Insgesamt soll die Frau in der Straße sechs Brände gelegt haben. Demnach erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft Unterbringungsbefehl wegen zum Teil schwerer Brandstiftung gegen die Seniorin. Die offenbar psychisch auffällige Frau befindet sich in einem Bezirkskrankenhaus.

In einer ersten Reaktion sagte Memmelsdorfs Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos): "Mir fällt ein riesen Stein vom Herzen, denn die Bewohner der Schlesienstraße können nun auch ohne Sicherheitsdienst endlich wieder ruhig schlafen."

Am Montagabend war es zuletzt in der Straße in einem Keller eines Mehrfamilienhauses zu einem kleineren Feuer gekommen. In diesem Zusammenhang war die 77-Jährige in den Fokus der Ermittler gerückt. Ein Zeuge hatte die Kripo auf die Anwohnerin aufmerksam gemacht.

Unklar blieb zunächst allerdings, ob die Frau auch für andere Feuer in der Schlesienstraße verantwortlich ist: Dort war es bereits im Januar zu zwei Bränden mit Sachschaden gekommen. Am Abend des 12. Februar machte dann ein Feuer in einem Keller ein Mehrfamilienhaus unbewohnbar. 78 Bewohner mussten von der Feuerwehr gerettet werden, fünf Bewohner wurden leicht verletzt.

Seitdem ist auch die Gemeinde auf der Suche nach Ersatzwohnungen für die obdachlosen Bewohner, die kurzfristig bei Bekannten, Verwandten sowie in Hotels und Ferienwohnungen untergekommen sind. Stadt Bamberg und Gemeinde Memmelsdorf appellierten später an den Freistaat, dass die Anker-Einrichtung in Bamberg geöffnet werden soll. "Die Kapazität ist da", sagte Memmelsdorfs Bürgermeister. Doch lehnte die Regierung das ab (siehe unten).

Zeugenaussagen entscheidend

Am 14. Februar stand dann ein Müllcontainer in der Straße in Flammen, am Abend war außerdem eine Wolldecke im Keller eines Anwesens in Brand gesetzt worden. Intensiv ermittelte die Polizei in der Folge nach dem Feuerteufel: Am 15. Februar war eine Ermittlungskommission der Kripo gebildet worden. Polizeibeamte machten ebenso wie die Bewohner Kontrollgänge. Seit Dienstag hatte ein privater Dienst Wache geschoben.

Entscheidend soll dann der Hinweis von zwei Zeugen gewesen sein, die die Frau kurz vor dem Brand des Müllcontainers dort gesehen hatten. Aufgrund des dringenden Tatverdachts in allen sechs Fällen erließ am Donnerstag der Ermittlungsrichter den Unterbringungsbefehl gegen die 77-Jährige.

In Hallstadt kommen Betroffene unter - in der Anker-Einrichtung gibt es "keine Kapazitäten"

Leerstand Auf der Suche nach Unterkünften für die vom Brand in Lichteneiche betroffenen Menschen ist das Landratsamt in Hallstadt fündig geworden: Hier verfügt die Stadt über ein leerstehendes Gebäude, das abgerissen werden soll, und nun vorübergehend vier Familien Platz bietet. Gemeinden und Privatpersonen sollen weiter entsprechende Leerstände melden.

Anker-Einrichtung Nicht in Betracht kommt aus Sicht der Regierung von Oberfranken eine Unterbringung der betroffenen Familien in der Anker-Einrichtung (AEO) in Bamberg. In der AEO seien keine Kapazitäten und kein Gebäude für die Unterbringung der Brandopfer frei, heißt es in einer Stellungnahme. Darüber hinaus wären die AEO-Unterkünfte ohnehin dafür nicht geeignet, da sie auf Asylbewerber ausgelegt sind und auf Grund deren zentraler Versorgung weder über Herde, noch Kühlschränke verfügen würden. Aus Sicherheitsgründen sind die Haus- und Wohnungstüren außerdem nicht abschließbar.

Zuständigkeit Die Regierung weist darauf hin, dass laut Gesetz für die Unterbringung der Brandopfer bei drohender Obdachlosigkeit die Gemeinde Memmelsdorf zuständig ist. Falls die Stadt Bamberg helfen möchte, könnte sie "zum Beispiel eine dezentrale Asylbewerberunterkunft im Stadtgebiet für diese Zwecke zur Verfügung stellen." Schließlich habe hier die Regierung von Oberfranken die Zahl der dezentral unterzubringenden Personen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert (von 246 Ende 2015 auf aktuell sieben).