Ein schwarzbärtiges Gespenst geht um. "Geisterstadt Hollfeld" steht auf seinem Plakat. Doch gestern Nachmittag war Hollfeld alles andere als ausgestorben: 14 Wagen, zwölf Gruppen zu Fuß mit etwa 500 Teilnehmern trotzten den Tropfen und ließen ordentlich Konfetti und Kamelle auf die rund 2500 Besucher regnen.

Harter Sparkurs war Hauptthema

Mit dem Schild wollte das Gespenst auf das Geschäfte-Sterben im Ort hinweisen: Über 70 Läden gab es einmal, davon sind nicht mehr viele übrig. Das Sterben der Menschen wird indes teurer: Im Zuge des Ende 2018 beschlossenen Sparkurses werden die Bestattungskosten kräftig erhöht, was auf gleich zwei Wagen thematisiert wurde. Fast gestorben wäre der ganze Faschingsumzug.

Wer das zu verantworten hatte? Unklar. Bürgermeisterin Karin Barwisch und der Bauausschuss schoben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Glücklicherweise hatte sich kurzfristig ein TÜV-Mitarbeiter aus Marktredwitz finden lassen, der die Wagen für gaudiwurm-tauglich befand. Voran fuhr die Titanic, mit dem Prinzenpaar Martina I und Frank I der Hollfelder Faschingsgesellschaft. Und weil die Titanic bekanntlich baden ging, hatte der darauffolgende Wagen das Thema "Unter dem Meer".

Darauf, dass man im Hollfelder Hallenbad nicht mehr baden kann, weil auch die Bademeisterstelle dem Sparkurs zum Opfer fiel, machten Stadtrat Thomas Appel und seine Verbündeten aufmerksam und versprachen auf ihren Plakaten "Wir geben keine Ruh".

Streit um die Bürgerhäuser

Auch die Stechendorfer gaben beim Umzug keine Ruh und ließen es sich nicht nehmen, auf den Aspekt des Sparkurses hinzuweisen, der ihr Bürgerhaus betrifft.

Im Hollfelder Stadtrat gab es zuletzt viel Streit, weil Barwisch die Nebenkosten für die Bürgerhäuser den Vereinen aufbrummen will. Laut der Bürgermeisterin sei dies eine Auflage der Kommunalaufsicht für die Stabilisierungshilfen. Stadträte hatten ihr diesbezüglich allerdings widersprochen. Barwisch war gestern krankheitsbedingt nicht dabei beim Gaudiwurm.