Es ist der Blick in den Abgrund, der sich nächste Woche im Hegelsaal der Stadt auftun wird, wenn die Mitglieder des Finanzsenat zur zweiten Sitzung zusammenkommen. Und es gibt niemanden im Gremium, der sich an einen vergleichbaren Absturz erinnern könnte. Der Stadt fehlen, Stand Mitte Juli, 32,5 Millionen im Haushaltsjahr 2020 - das ist etwa zehn Mal das Budget des E.T.A-Hoffmann-Theaters.

Erstmals werden mit dieser Zahl die Kosten der Pandemie für den Haushalt der Stadt Bamberg greifbar - jenes Zahlenkorsett, in dem vom Personal der Stadtverwaltung bis zum Fördergeld für Chapeau Claque eine Unzahl von Einzelposten steckt. "Die Lage ist mehr als dramatisch", sagt Kämmerer Bertram Felix. Und tatsächlich greift das Virus die Stadt in ihren Grundfesten an. Da geht es nicht nur um die Kosten des Corona-Rettungschirms von 2,2 Millionen Euro und um die durch Schließung verursachten Mehrkosten für die budgetierten Einrichtungen wie VHS, Theater oder Musikschule von 3,1 Millionen Euro. Der Eindringling pulverisiert vor allem die Gewerbesteuereinnahmen (minus 27 Millionen Euro), lässt die Einkommens- und Umsatzsteueranteile um 4,3 Millionen Euro in der Sonne schmelzen und gleichzeitig die Kosten für Sozial- und Jugendhilfe steigen (2,5 Millionen Euro).

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Trotz dieses katastrophalen Szenarios bleibt die Stadt, deren Haushalt in den letzten Jahren kräftig wuchs, 2020 vom Schlimmsten verschont. Noch muss keine Einrichtung geschlossen, keine Baustelle abrupt eingestellt, kein Personal entlassen werden. Doch schmerzhaft wird es. Kämmerer Bertram Felix und der Stadtrat müssen kräftig auf die die Bremse treten, um die Ausgaben der Stadt an die verringerten Einnahmen anzupassen und den drohenden Nachtragshaushalt mit seinem finanziellem Lockdown zu vermeiden. Die Liste aller vorgeschlagenen Haushaltssperren umfasst weit über 100 Positionen mit einem Umfang von 23 Millionen Euro und wird im Finanzsenat am Dienstag unweigerlich kontrovers diskutiert werden. Vom Vorplatz der Reithalle (2 Millionen Euro) bis zur Lärmschutzwand für die Offizierssiedlung (1,8 Millionen Euro), vom Sanierungsgebiet Sand (0,2 Millionen) bis zur Erneuerung der Friedrichstraße (0,1 Millionen) reicht das Spektrum der Haushaltssperren. Wichtig ist dem Kämmerer: Es sollen keine bereits begonnenen Maßnahmen gestoppt werden und es soll "mit Augenmaß" gekürzt werden. Doch klar ist auch: Sollte "Corona" weiter schlechte Zahlen produzieren, steht eine ganze Reihe von freiwilligen Leistungen im Feuer.

Sparen bei Stadtmarketing?

Das klingt unabweislich. Dennoch gibt es viele im Stadtrat, die das Sparpaket nicht unhinterfragt abnicken wollen. "Es kann nicht sein, dass wir eine fertige Liste beschließen sollen, ohne einen gesamten Überblick zu bekommen", kritisiert BA-Stadträtin Ursula Redler. Widerspruch kommt vom CSU-Fraktionschef Peter Neller, der vor allem bei den Investitionen hinschauen will, damit "hinterher nicht alles tot ist". Farbe bekennt Neller für das Rathaus-Personal, das sich mit Einsparzielen von Rot-Grün konfrontiert sieht: "Für uns ist es völlig klar, dass an den tariflichen Ansprüchen nicht gerüttelt werden darf", sagt Neller und spricht sich dafür aus, den Zuschuss für Stadtmarketing zu hinterfragen. Es dürfe keine Denkverbote geben. Auch der Ausbau des Radverkehrs könnte unter Corona leiden. 200 000 Euro will Kämmerer Felix bei einem der grünen Steckenpferde einsparen. Heiß umkämpft dürfte die Frage sein, ob die geplante Kürzung der Förderung der freien Kulturszene um 75 000 Euro "nicht gerade die Schwächsten" trifft", wie sich Hans-Günter Brünker ausdrückt. Der wirtschaftspolitische Sprecher von Grünes Bamberg-Volt-ÖDP sieht keine Alternative zum Sparkurs. Doch müsse sicher gestellt sein, dass dieser tatsächlich gerecht und mit Augenmaß geschehe und nicht den politischen Willensbekundungen widerspreche, für die man angetreten sei.

Bambergs SPD fürchtet unterdessen den "finanziellen Kollaps", sollten Städte wie Bamberg mit den Corona-Folgen allein gelassen werden. Bund und Land sollten endlich klar benennen, was das bereits beschlossene Konjunkturpaket bringt.

Tatsächlich weiß im Moment niemand, wie viele Millionen aus Berlin und München nach Bamberg fließen, um den Fehlbetrag von 32,5 Millionen Euro auszugleichen. Sicher scheint nur, dass es keine volle Kompensation sein wird.

Die Alternative, Schulden zu machen, wie es auch die CSU bereits wieder für denkbar hält, lehnt der Kämmerer strikt ab. "Damit würden wir die Probleme nur auf die nächsten Jahre verschieben", sagt Felix. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Krise Bamberg in voller Härte erst 2021 und 2022 treffen werde.