Die Tücken lauern auch im deutschen Kader. "Jo-su-a. Nicht Joschua oder irgendwie anders. Seine Mama will's so. In einem Interview habe ich das mal gehört." Maximilian Hubert nimmt es wirklich ganz genau. Diese eine Recherche, wie man den Vornamen des Abwehrspielers Kimmich (FC Bayern München) ausspricht, war quasi im Vorbeigehen erledigt.

Team Frankreich, ein französischer Name. "Nun kommt der Mann aber aus Reunion. Und dort ist die Aussprache anders." Vor solchen Zusatzaufgaben stand der Höchstadter, der in Bamberg Geschichte und Slavistik studiert, viele Male. "Spielberichte in Landessprache helfen dann weiter. Hundertprozentig kommt man nicht in allen Fällen an die korrekte Aussprache heran."


Kein kommerzieller Hintergrund

Das Projekt des 21-Jährigen hat keinen kommerziellen Hintergrund, sondern soll Interessierten die korrekte Schreibweise und Aussprache von über 700 Namen (Spieler, Trainer und Schiedsrichter) nahebringen. Sie sind kostenlos zugänglich und werden zum größten Teil von Muttersprachlern gesprochen. Kommilitonen und Dozenten haben Maximilian Hubert bei seiner Arbeit unterstützt. "Zum Glück werden an der Universität Bamberg so viele Sprachen gelehrt," sagt er.

Zu finden sind die Audiodateien über das Fußball-PortalTranfermarkt, wo die Profile der Spieler um die Aussprache erweitert worden sind.

Auch auf Maximilians Blog kann man sich die Spielernamen anhören. Hier hat der Fußballfan, der nie aktiv gekickt hat, umfassende Informationen zu den Eigenheiten der einzelnen Landessprachen niedergeschrieben. Insbesondere in Bezug auf die Namensgebung.


Auch Nachnominierte sind dabei

Da er im April in die "heiße" Phase seines Projekts gestartet ist, war er auf die vorläufigen Kader der Nationalmannschaften angewiesen. Besonders viel Zeit gelassen hatte sich Deutschland mit der Bekanntgabe der endgültigen Zusammensetzung des Teams, das in Frankreich Europameister werden will.

"Es ist jetzt alles auf dem aktuellen Stand. Auch Nachnominierte sind berücksichtigt", ist Maximilian Hubert zufrieden. Bis Mitte der vergangenen Woche hat er die letzten Ergänzungen vorgenommen.


"Ein Zeichen des Respekts"

Das Institut für Slavistik an der Universität Bamberg ist stolz auf seinen Studenten: "Leider passiert es häufig, dass selbst Sport-Fachzeitschriften oder sogar der Dachverband Uefa die Namen der jeweiligen Spieler und Funktionäre falsch schreiben. So werden diakritische Zeichen ausgelassen, die Namen vereinfacht, oder bei der Umschrift von der kyrillischen in die lateinische Schrift geht etwas schief.

Noch größere Probleme bereitet die Aussprache der Namen, die selbst bei den Kommentatoren und Experten der großen TV-Sender häufig nicht korrekt ist", heißt es auf der Uni-Webseite.

"Mit diesem in Eigenregie und mit großem Engagement durchgeführten Projekt setzt Maximilian ein unkonventionelles Zeichen für Respekt vor anderen Sprachen und Nationalitäten."