Glaubt man der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, könnten die Zahlen kaum besser sein. Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt in Stadt und Landkreis Bamberg um drei auf 127 Punkte. Was bedeutet dieser Wert konkret? "Die Bamberger Unternehmen machen gute Geschäfte. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage ist die beste im gesamten Kammerbezirk und hat deutlich zugelegt", bringt es IHK-Präsident Heribert Trunk auf den Punkt.

Die Gründe für die gute Laune bei den Wirtschaftsführern sind unbestritten. Während die Unternehmen im Ausland konstante Umsätze erwirtschaften, sind es nun auch die Geschäfte auf dem Inlandsmarkt, die sich deutlich verbessert haben. Das beschert der Bamberger Wirtschaft volle Auftragsbücher. "Nirgendwo im Kammerbezirk wird die Kapazitätsauslastung so gut eingestuft", freut sich Trunk.
Insgesamt melden 49 Prozent der Befragten eine gute Auslastung, 38 Prozent der Betriebe sind immerhin noch befriedigend ausgelastet.

Dennoch mischen sich in den Bericht der IHK auch negative Töne. Vor allem der Handel macht Sorge. Trotz der allgemein recht hohen Konsumlaune hält Trunk mit Blick auf die Bamberger Innenstadt eine strategische Unterstützung des Bamberger Handels für zwingend. "Der innerstädtische Handel steht unter Druck wie seit Jahren nicht mehr. Wenn wir auch in 20 Jahren noch eine attraktive Bamberger Innenstadt haben wollen, müssen jetzt die Weichen gestellt werden", sagt der IHK-Boss. Andernfalls drohe die Kluft zwischen wirtschaftlichem und steuerlichem Erfolg von Stadt und Landkreis beängstigend größer zu werden.

Was Trunk damit meint, zeigt eine der Pressemitteilung der IHK beigelegte Grafik. Sie vergleicht die Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen, aufgeschlüsselt nach einzelnen Städten und Landkreisen. Dabei zeigt sich, dass Bamberg im Vergleich der Jahre 2005 bis 2013 die große Verliererin im ganzen Regierungsbezirk ist und weit hinter dem zweitplatzierten Landkreis steht. Um minus 30 Prozent sind hier die Einnahmen gesunken, während etwa in Bayreuth (plus 22 Prozent) die Kassen klingeln und selbst das sprichwörtlich krisengeschüttelte Hof besser als Bamberg abschneidet.

Totalausfall bei Industriebetrieb

"Der Niedergang der Gewerbesteuerkraft bereitet mir Kopfzerbrechen. Der Landkreis macht zwar seine Hausaufgaben, aber auch die Stadt hat Aufgaben zu finanzieren", sagt Trunk.

In Bamberg freilich ist der anhaltende Niedergang der Gewerbesteuerzahlen nichts Neues. Seit einigen Jahren leidet die Stadt unter dem Totalausfall eines Industriebetriebs, der jahrelang die Kassen füllte und nun die Verluste aus der Solarsparte abschreibt. Und auch die Energiewende meint es nicht gut mit Bamberg. Sie schwächte große Energieversorger.

Doch warum fällt der Verlust in der IHK-Grafik so hoch aus, dass Bamberg überraschend als Letzter in Oberfranken dasteht? Peter Distler von der Stadt erklärt das mit dem aus seiner Sicht etwas willkürlich gewählten Vergleichszeitraum. 2005 erfreute sich die Stadt Bamberg an Rekordeinnahmen. Damals lag die Gewerbesteuer noch bei über 53 Millionen Euro. Im laufenden Jahr dümpelt Bamberg bei kaum mehr als 30 Millionen Euro.

Die anhaltende Finanzschwäche der Stadt beeinflusst auch die Planungen für die Konversion. "Wir haben ein Einnahmenproblem", sagte OB Andreas Starke (SPD) unlängst, als es um die Forderung nach mehr Gewerbeflächen im Osten ging. Und auch die Bamberger CSU scheint sich unter dem Eindruck schlechter Nachrichten aus dem Gewerbe wieder mehr der Wirtschaftsförderung zu verschreiben.

So sorgt sie sich aktuell um die Lage des Handels und stellt die Frage, wie man der Abwanderung von Unternehmen aus der Stadt entgegenwirken könne. Auch den schon früher geforderten Wirtschaftsbeirat will die CSU wieder auf die Tagesordnung setzen. Überlegt wird eine Besetzung mit Vertretern von Industrie, Handwerk und freien Berufen.