Ein Album für ein ganzes Dorf - ist so etwas möglich. Maria Köppl liefert den Beweis. Sie hat Bilder aus einer vergangenen Zeit zu einer beeindruckenden Zusammenschau komponiert. "So was würde es ohne Frau Köppl nicht geben", stellt Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) voll Respekt und Dankbarkeit fest. Wohl nicht nur, aber auch weil er als Gemeindeoberhaupt jetzt ein Präsent für Gundelsheimer aller Generationen zu verschenken hat. 500 Exemplare des "Gundelsheimer Dorfalbums" wurden aufgelegt, erhältlich bei der Gemeinde. Das Album erfreut sich großer Beliebtheit, wie Verwaltungschef Merzbacher betont.

Doch wie kam Gundelsheim zu seinem eigenen Dorfalbum? Letztlich über die Arbeit der Gemeinde-Archivpflegerin. Die heißt Maria Köppl. Seit 1978 lebt die aus Niedersachsen stammende Studienrätin (nun a.D.) in der Gemeinde. Mit den Unterrichtsfächern Englisch und Geschichte lag es wohl irgendwie nahe, dass sie sich auch für die Geschichte ihrer Wahlheimat interessiert.

Viele Ausstellungen konzipiert

Dort stand 2007 das Jubiläum "100 Jahre SPD Ortsverein" an. Maria Köppl verfasste dazu die Chronik. 2008 feierte die Ein-Ort-Gemeinde ihr 900-jähriges Bestehen - mit einer Chronik von Maria Köppl. "Mein erstes großes Werk", merkt sie zu dem 333 Seiten umfassenden Opus zufrieden an. 2009 folgte dann der Bildband zu 40 Jahre Kirche Sieben Schmerzen Mariens. Auch hier war die gebürtige Friesoytherin Fachfrau, schließlich engagierte sie sich über 16 Jahre lang als Pfarrgemeinderatsvorsitzende.

Zu den jeweiligen Anlässen konzipierte die umtriebige Ex-Studienrätin immer auch Ausstellungen. Dafür und für die Chroniken hatte sie an Dokumenten nach und nach einen wahren Schatz an Zeitzeugnissen, darunter eine Vielzahl an Fotografien gehoben. "Ich bin von Haus zu Haus gelaufen und habe nach Fotografien gefragt." Daraus hat sich zwischenzeitlich ein digitales Archiv entwickelt. Irgendwann wurden es immer mehr Gundelsheimer, die meinten, es wäre schön, wenn man Fotos aus den Ausstellungen doch auch für sich selbst haben könnte. Das gab letztlich den Ausschlag für das neueste Werk. Dieses reicht von den Anfängen der Fotografie im Ort bis in die 60er. "Denn ab da begann der Ort, sich sehr stark zu verändern, mit einem Zuzug von jährlich über 100 Menschen."

Profitiert habe sie bei ihrer Arbeit wohl auch davon, Nachbarin "der alten Frau Schiml" gewesen zu sein. Die hatte etliche Fotoalben, die sie der interessierten Norddeutschen zeigte. So wie die früheren Familienalben aufgemacht waren, so empfindet es das "Gundelsheimer Dorfalbum" nach: Mit Kordeln und sepia-braunen Bildern in dunklen Fotoecken.

"Ein echter Schatz"

Die älteste Aufnahme entstammt übrigens keinem Gundelsheimer Album, sondern kommt aus der Nachbarschaft: genauer gesagt aus dem Bestand derer zun Zandt, vormalige Besitzer von Schloss Seehof. Die hatten 1896 den Leitenbach mit Schule fotografiert. Maria Köppl legt Wert darauf, dass es "Schule" heißt. Denn damals war die gerade aufgestockt. Erst später wurde diese Schule zum heutigen Alten Rathaus. Maria Köppl ist in ihren Jahren in der Region Bamberg schon zu einer Art wandelndem Gundelsheim-Archiv geworden, obwohl die heute 63-Jährige das der Gemeinde erst ab dem Jahr 1999 systematisch zusammengestellt hat.

Für alle Gundelsheimer und an Gundelsheim Interessierten gibt das "Dorfalbum" jedenfalls anschaulich Einblick, wie sich der Ort im Laufe von annähernd sieben Jahrzehnten verändert hat. "Gigantisch" sei das insbesondere bei ortsbildprägenden Straßenzügen, begeistert sich der Bürgermeister. Für den 29-Jährigen ist das Album ein echter Fundus und Schatz.

Damit man Personen gut erkennen kann, hat sich Maria Köppl für die großformatige Wiedergabe der Fotos entschieden. "Größer als in der Jubiläums-Chronik", wie sie sagt. Schulklassen, Kindergartenkinder, Familienfeiern, Feste, Schnappschüsse... viele Möglichkeiten, Freunde und Verwandte zu entdecken. Etwa das Ehepaar Inge und Walter Lang. Die Frischvermählten sind auf dem Umschlag beim Zug durch das Dorf zu sehen. Anlass: die Hochzeit 1957, mit einer Gesellschaft, die auf der noch ungeteerten Bachstraße unterwegs ist. Das Ortsschild am Ortseingang von Hallstadt aus an dem Ludger Zenk 1955 posierte ist schon lange vom Gartenzaun des Anwesesens weiter "gewandert". Zenk ziert die Titelseite ebenso wie drei Generationen auf einer Bank, aufgenommen 1940. "Da lebt nur noch das Baby", weiß Maria Köppl.

Bei ihren Geschichts-Recherchen hat die Archivarin vieles über das Leben, die Familien und das Dorf erfahren. Die Kapitel der 120 Seiten widmen sich den Bereichen Alte Dorfansichten, Arbeiten auf Feld und Hof, Geschäftswelt und Broterwerb, Lernen im Dorf, Feste und Feiertage, Dörfliche Lebensart. Die Zuneigung zum Dorf, seinen Leuten, seinen Bauten, seinen Gepflogenheiten, seiner Geschichte hat auch in diesem Werk Maria Köppls Niederschlag gefunden.

Wer die emsige Gemeindearchivarin kennt, kann sich gut vorstellen, dass sie es nicht mit diesem Buch bewenden lässt. Die Zeit nach den 60ern des letzten Jahrhunderts bezeichnet sie vielsagend als "Herausforderung"...