Skeptisch blinzle ich durch die Sonnenstrahlen auf eine Kraterlandschaft in Asphalt. Vom Hochradeln zum Wetterkreuz im Litzendorfer Ortsteil Naisa tropft mir schon vor der ersten Runde der Schweiß von der Stirn auf den Lenker. Zögerlich und bremsbereit lasse ich mich den steilen Einstieg in den Rundkurs hinunterrollen, schon geht es auch wieder hinauf. Runterwärts bremsend, rauf in die Pedale tretend komme ich von Welle zu Welle im Kreis wieder zum Start. Viel zu langsam.

Jugendliche zeigen wie's geht

"Du musst pumpen! Beim Runterrollen in die Knie gehen und dann rausdrücken", erklärt Julian. Deshalb heißt die Sportanlage auch Pumptrack. Der 13-jährige Litzendorfer rast wie selbstverständlich von Welle zu Welle, springt am höchsten Punkt ab und dreht sein Rad in der Luft zur Seite und kurz vor dem Landen wieder gerade. Er und seine gleichaltrigen Freunde Ramon und Joel kommen seit der Eröffnung vor knapp sechs Wochen fast jeden Tag hierher und arbeiten an den Tricks, die sie von ihren Youtube-Vorbildern wie Mark Diekmann und Lukas Knopf kennen. Ramon fliegt über die Hügel, als wäre er eine in die Bahn geschossene Murmel. Die Zielgerade fährt er auf dem Hinterrad seines Mountainbikes. "Wheelie" nennt sich der Trick, den er beherrscht, seit er sieben Jahre alt ist.

Wenn die drei Jungs durch die Anlage rasen, springt der Rundenzähler auf der Anzeigetafel schnell weiter, innerhalb einer Stunde von 111 359 auf 111 438. Eine beachtliche Zahl für sechs Wochen, in denen sich nicht selten Hitze- und Regenwellen abwechselten.

Für alle Altersklassen

Auf das Wetter kann ich meine mäßige Leistung heute nicht schieben. Also: Tipps beherzigen und weitermachen! Meine Finger umkrallen entschlossen den Lenker. Kräftig trete ich in die Pedale und rolle in die Welle, gehe in die Knie - und doch drossle ich kurz vor dem Hügel wieder die Geschwindigkeit. Mit dem Springen tue ich mir entsprechend schwer, trotz immer vertrauter werdender Technik. Doch nach vier weiteren schweißtreibenden Runden hebe ich nach einer kleineren Welle tatsächlich ab. Der kurze Verlust des Bodenkontakts beflügelt und zieht meine Mundwinkel nach oben.

"Naja, das waren vielleicht drei Zentimeter in der Luft", holt mich der Fotograf wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ja, in der Jugend war ich auch mutiger. Jetzt bin ich Mitte 30, also alt. Erleichtert, eine Ausrede gefunden zu haben, sehe ich ein parkendes Auto. Heraus kommt Tom mit seinem BMX-Fahrrad. "Ende 30" ist der nach eigener Auskunft. Und er bewegt sich ebenso agil von Welle zu Welle wie die Jugendlichen. Na toll.

Pumpen bei Nacht

Tom kommt etwa ein Mal die Woche von Bad Staffelstein nach Litzendorf. Über Kollegen habe er von der Anlage erfahren. Seit dem Jugendalter sind er und seine Freunde auf dem BMX oder Mountainbike unterwegs. Den Litzendorfer Pumptrack findet er "ein geniales Rundum-sorglos-Packet: Jeder kann hier Spaß haben und bleibt fit". Besonders schätzt er die Flutlichtanlage. "Meistens treffe ich mich Freitagabend mit den alten Kollegen. Darunter ist auch eine BMX-Legende, der ist inzwischen 50 und fährt hier mit seinem Sohn."

Zusammen mit Kumpels Spaß haben, inzwischen mit Kindern statt Bier, dafür ist Tom den Initiatoren der Litzendorfer Anlage dankbar. Dazu zählt Gemeindejugendpfleger Franz Bezold, der den zuvor einzigen Pumptrack Bayerns in Selb zusammen mit Litzendorfer Jugendlichen in Augenschein nahm. Aber auch die Jugendlichen selbst brachten sich ein. So sammelten sie etwa auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Live-Earth-Festival rund 15 000 Euro für die Realisierung des Projekts, das die Gemeinde insgesamt 200 000 Euro kostete.

Die Anlage kann mit Fahrrädern verschiedenster Art, Skateboards, Tretrollern und Rollstühlen befahren werden. Auf der Hauptstrecke gibt es mehrere Wege ins Ziel. Dahinter befindet sich ein kleiner Wellenkurs mit kleinen Hügeln. Außerdem gibt es noch zwei steile Sandberge für weite Sprünge. "Verdammt viele Möglichkeiten", fasst Tom zusammen.

Außer ihm und den Jugendlichen sind auch zwei kleine Mädchen mit ihren Rädern hier, die sich langsam an den Rundkurs herantasten. "An nicht so heißen Wochenenden ist hier manchmal der ganze Parkplatz voll", erzählt Tom, der sich einladend mit "bis Freitag" verabschiedet. Mal schauen. Vielleicht klappt's beim nächsten Versuch dann auch mal mit dem Abheben.