Wolfgang Hergenröther hat schon jede Menge Mäuse rumgeschippert: "Irgendwie kommen die Kerle immer an Bord", sagt der Schiffsführer. "Mit der Ladung. Oder sie rennen auf den Tauen rein, wenn ein Schiff anlegt." Aber eine Maus mit Filmteam und großem Gepäck? So was kam dem Unterfranken in über 50 Jahren aufm Wasser noch nie an Bord - bis jetzt: Im Juni schipperte er Armin Maiwald und das Team von der "Sendung mit der Maus" von Bamberg den Main entlang bis zum Rhein, über Haßfurt, Schweinfurt, Volkach, Kitzingen, Sommerhausen, Ochsenfurt und Frankfurt bis nach Mainz.

Zwei Wochen waren sie gemeinsam unterwegs. "Schade, dass es nur so ein kurzes Gastspiel war." Hergenröther lacht: "Das tät ich schon öfter machen." Angeheuert hatte ihn sein früherer Arbeitgeber, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Schweinfurt. Sie sollte dem Filmteam einen erfahrenen Skipper vermitteln. Und Hergenröther ist so was wie ein alter Flussbär: Er war jahrzehntelang mit Eisbrechern und Vermessungsschiffen unterwegs, kennt sich auf dem Main mindestens so gut aus, wie der olle Seebär Käpt'n Blaubär aus der Maus-Sendung auf dem Meer.

Flussbär statt Seebär

Hergenröther lebt in Höchberg bei Würzburg. Fünf Tage bevor die Fernseh-Crew an Bord kam, hatte der Rentner die vom Filmteam gecharterte "Jupiter" bei Aschaffenburg abgeholt. "Ein stattliches Boot", schwärmt der 67-Jährige, "eigentlich schon 'ne Yacht", er zögert: "'ne handliche Yacht." 12 Meter lang, 3,90 Meter breit, ein 150-PS-Dieselmotor, Tanks für Diesel, Trinkwasser und Schmutzwasser, sechs Schlafplätze.

"Der Innenraum ist wirklich schön, da kann man sich schon wohlfühlen", sagt der Schiffsführer. "Mit Kochgelegenheit und allem. Da hat der Maiwald auch mal ein Mittagessen zamgebrutzelt." Der Maiwald, der vor über 40 Jahren die "Maus" mit erfunden hat, ist in echt genauso nett wie im Fernsehen. "Wir haben uns richtig gut verstanden, von der ersten Stunde an", sagt Hergenröther. "Das Team ist super. Es war, als ob du sie schon 20 Jahre kennst."

Für das Maus-Team war es die sechste Entdeckungsreise durch Deutschland. Armin Maiwald sagte darüber im Interview mit der Teleschau, ihm sei vorher gar nicht bewusst gewesen, wie grün der Main ist. "Das sah toll aus. Es kam mir manchmal so vor, gar nicht in Deutschland zu sein, sondern auf dem Amazonas zu schwimmen." Vieles war anders als bei den vorigen Sommerreisen zu Fuß oder mit dem Auto: "Ein Schiff schaukelt natürlich die ganze Zeit ein bisschen", sagte Maiwald.

"Am dritten oder vierten Tag ging ich abends mal von Bord. Als ich dann auf dem Topf saß, dachte ich plötzlich: ,Huch, warum dreht sich denn das Badezimmer?‘" Schiffe hätten eben Eigenheiten, man könne auch nicht einfach am Straßenrand stehenbleiben und sich etwas anschauen.

Opa freut sich aufs Kinderfernsehen

Hergenröther lacht. "Der Maiwald hat schon immer rechtzeitig Bescheid gesagt: Wir müssen langsam machen, weil wir wollen jetzt des und des filmen: Baustellen, den Uferbereich, Vögel, was die halt so interessiert." Für den Flussbären aus Franken alles nichts Neues, aber für "Sachgeschichten von unterwegs" jede Menge Material: 34 Schleusen auf den 382 Kilometern, eine Radar-Prüfung für Boote und eine Maut-Station am Main.

"An der Mainschleife haben sie einen Hubschrauber angefordert, der uns von oben filmte", erzählt Hergenröther. "Und in Volkach wurden Farbversuche gemacht: Die haben Flaschen angemalt und geschaut, wie sie auf der anderen Seite der Schleuse wieder rauskamen." In Schweinfurt interessierte sich die "Maus" für das Walzenwehr. "Es ist das älteste der Welt, aus dem Jahr 1902", erklärt Hergenröther. "Vorher gab es Nadelwehre, da wurden viereckige Balken nebeneinander gestellt, und damit ham sie das Wasser gestaut."

Der Unterfranke kennt die Flussschiffahrt, vieles musste er vor der Kamera erklären. Was daraus geworden ist, weiß er nicht: "63 Filmrollen haben die aufgenommen. Sie waren ja vorher schon mitm Auto unterwegs und haben an Land gefilmt. Bewundernswert, wie die da klar kommen mit der Schnippelei! Aber was wohl rauskommt, wenn die das zusammensetzen?" Neugierig ist er jetzt, der alte Flussbär. "Normal gucken die Sendung eher meine Enkel. Aber am Sonntagfrüh schau ich auch Kinderfernsehen."

"Die Sendung mit der Maus" zeigt die Reise ab dem 4. August an vier Sonntagen immer um 11.30 Uhr im Ersten und bei Kika.