Das erste Werk von Karola Weiß war ein Afrika-Kittel. "Die Hippie-Klamotten, genau so, wie man sie wollte, die gab's ja nicht zu kaufen. Ende der 60er, Anfang der 70er-Jahre, das war meine erste Näh-Zeit", erzählt die Forchheimerin. "Es muss in der zehnten oder elften Klasse gewesen sein, als ich damit anfing."

Mit Schnittmustern abgeben hat sich die Schülerin damals nicht. "Für solch einen Kittel hat man eine Stoffbahn genommen, einen Ausschnitt reingemacht, die Freundin hat an den Seiten abgesteckt. Das war die ganze Vorbereitung."

Um etwas zu haben, das man ganz nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann - das war in den 70er-Jahren (und davor) der Grund, warum Frauen zu Hause schneiderten. Das ist heute nicht anders. Früher stand aber vor allem der Spar-Aspekt im Vordergrund.

Wer heutzutage zu Schere, Schnittpapier und Schneiderkreide greift, nimmt zum Teil höhere Kosten in Kauf, als wenn er Kleidung "von der Stange" erwirbt.

"Gute Stoffe gibt es immer weniger. Und die Zahl der Hersteller geht auch weiter zurück", sagt Alexander Holzschuh vom Nähzentrum Bamberg. Zu seiner Kundschaft zählen nicht nur professionelle Schneiderinnen, sondern auch Frauen, die das Nähen als Freizeitbeschäftigung schätzen.

"Die machen es aus Lust und Laune und sehen es als Hobby, für das man gerne auch etwas Geld ausgibt." Seit rund 30 Jahren bietet sein Unternehmen Nähkurse an, in denen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder den Umgang mit der Nähmaschine lernen beziehungsweise ihre Schneiderkenntnisse vervollkommnen können.


Bei Jugendlichen beliebt

Bei den Erwachsenen hält der Do-it-yourself-Trend in Sachen Nähen an. In der Altersgruppe zwischen zehn und 14 Jahren entwickelt es sich zurzeit zum Renner, hat Holzschuh ausgemacht. "Nähen ist cool und ist hip, das höre ich immer wieder."

Ist das nicht gerade ein Alter, in dem Jugendliche sich ihre Kleidung möglichst uniform wünschen? "Längst nicht alle. Und diejenigen, die sich für das Nähen begeistern, haben erkannt, dass sie damit für sich etwas ganz besonderes herstellen können. Etwas, das genau nach ihrem Geschmack ist und das sonst kein anderer hat."


Augenmaß und "Frei Schnauze"

Das hat Karola Weiß zu Schulzeiten auch zu schätzen gewusst. "Schlaghosen im Blumen-Design? Kein Problem. Da haben wir uns eine alte Hose hingelegt und den Rest nach Augenmaß und frei Schnauze irgendwie so hinbekommen. Okay, das war nicht immer die perfekte Passform, aber uns hat's gefallen", schmunzelt sie. "Alles, was auf Figur gearbeitet war, hat meine Mutter für mich gemacht. Zum Beispiel auch das Konfirmationskleid.

Später wollte Karola Weiß dann für ihren eigenen Nachwuchs etwas machen so hat sie nach fünf oder sechs Jahren Näh-Pause wieder angefangen. "Es waren zunächst immer noch eher unkomplizierte Sachen wie Schlafsäcke, Waldorfpuppen oder Stofftiere. Denn Kleidung für die Kinder kam ja von der Oma."


Stammgast in den Nähkursen

Ehrgeiz und Fertigkeiten wuchsen mit der Zeit. Seit acht Jahren ist die Forchheimerin Stammgast in Kursen im Nähzentrum Bamberg. "Jeder kann machen, was er möchte, jeder hat sein eigenes Projekt. Und wenn man nicht weiterkommt, stehen die Kursleiterinnen mit Rat und Tat zur Seite. Es ist ideal, dass der Nähräume so nah beim Geschäft sind. Wenn man noch etwas braucht, sind die Wege kurz."
Und so hat Karola Weiß auch ihr Glanzstück angefertigt: das Hochzeitskleid für die Tochter.

Im Gegensatz zu ihr ist Ele Langlouis aus Bamberg erst vor relativ kurzer Zeit auf den Geschmack gekommen. "Ich habe ein bisschen in der Schule genäht, aber das ist nicht der Rede wert. Kreatives Arbeiten macht mir Spaß und deshalb habe ich vor drei oder vier Jahren das Nähen ausprobiert. Jetzt habe ich die Zeit, mich auch mal ein paar Stunden konzentriert an eine Arbeit dranzusetzen.

Es ist das Individuelle, das ich mag. Ich habe die Möglichkeit, etwas ganz exakt für meine Figur passendes herzustellen. So ein Kleidungsstück ist für mich wertiger, als ein ähnliches, von der Stange gekauftes.

Ich mag die Arbeit in der Gruppe. Die Tipps, die man manchmal von den anderen bekommt, bringen einen wirklich weiter. Wir verstehen uns alle gut und unternehmen auch mal außerhalb der Kursstunden etwas gemeinsam."


Blick in die Geschichte

Die Anfänge des Nähzentrums Bamberg liegen in der 1925 in der Wunderburg gegründeten Nähseidenfabrik, zu der später auch ein Schneidereibedarf-Großhandel kam.

1955 erfolgte der Umzug in die Brennerstraße. Alexander Holzschuhs Vater übernahm die Firma. Er erweiterte das Portfolio um einen Futterstoffimporthandel (aus Italien) und baute den Einzelhandelsbereich stärker aus.

In den 80er-Jahren kamen Nähmaschinen dazu. Nähkurse werden seit rund 30 Jahren angeboten. Mit einer Modernisierung des Sortiments stiegen Alexander Holzschuh und seine Frau 2007 ins Geschäft ein.Die Anfänge des Nähzentrums Bamberg liegen in der 1925 in der Wunderburg gegründeten Nähseidenfabrik, zu der später auch ein Schneidereibedarf-Großhandel kam.

1955 erfolgte der Umzug in die Brennerstraße. Alexander Holzschuhs Vater übernahm die Firma. Er erweiterte das Portfolio um einen Futterstoffimporthandel (aus Italien) und baute den Einzelhandelsbereich stärker aus.

In den 80er-Jahren kamen Nähmaschinen dazu. Nähkurse werden seit rund 30 Jahren angeboten. Mit einer Modernisierung des Sortiments stiegen Alexander Holzschuh und seine Frau 2007 ins Geschäft ein.