Das war die Bamberger Radtour zu E.T.A. Hoffmann - weitere steht an
Autor: Redaktion
Bamberg, Freitag, 08. Mai 2026
Eine Radtour führte durch E.T.A Hoffmanns Welt in Bamberg. Im Juni ist eine neue Tour zu einem anderen Thema geplant.
E.T.A. Hoffmann verstaubt, vergessen? Nicht in Bamberg. So lässt sich die Teilnahme an der "Bamberg on tour" im Hoffmann-Jahr interpretieren. Über 30 Mitradlerinnen und -radler wollten sich die Gelegenheit am 3. Mai nicht entgehen lassen, mit Hilfe von Martin Habermeyer, Kurator des E.T.A. Hoffmann-Hauses, Hoffmanns Kosmos zu ergründen. Ein Dank Habermeyer und John von Düffel, Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, köstliches Unterfangen.
Die Tour-Kilometer schnell abhaken. Einmal E.T.A.-Hoffmann-Platz, dann in den Hain und zurück, das muss es doch gewesen sein. Von wegen. Mit Martin Habermeyer ging’s von Hügel zu Hügel und dann hinein in die Lange Straße. Selbst der Weg hoch zur Altenburg wäre eine Überlegung wert, drohte er. Der Tour-Radius zeigt: Der, gemessen an seiner Körpergröße, kleine E.T.A. Hoffmann war in seiner Bamberger Zeit gut zu Fuß und ließ selbst im frostigen Februar nicht davon ab, im Hain spazieren zu gehen.
1808 kam E.T.A. Hoffmann als ambitionierter Musikdirektor ans Bamberger Theater und inszenierte, dann als Dramaturg und Dekorationsmaler, Kleists "Käthchen von Heilbronn". Dass seine Bamberger Zeit seinen Weg zum gefeierten Schriftsteller bereitete, skizzierte John von Düffel eingangs der Tour. Ein Beitrag seines Hauses zur Reihe "250 Jahre E.T.A. Hoffmann" ist "Des Kapellmeisters Johannes Kreislers musikalische Leiden", zu erleben am 20. Mai.
Keine Zukunft als Musikdirektor
Die "Fantasiestücke in Callots Manier" ebneten seinen Weg zum Schriftsteller. Sicher auch deshalb, weil er als Musikdirektor keine Zukunft hatte. Nach schon 40 Tagen gab er auf. E.T.A. Hoffmann nahm in der Folge eine Reihe von Aufgaben am Theater wahr. Und sah sich bald, um über die Runden zu kommen, genötigt, Töchtern aus höheren Gesellschaftskreisen Musikunterricht zu erteilen.
Erster Wohnsitz war am Alten Kanal, dort, wo für alle ersichtlich, geschrieben steht: "am 1. September 1808 in Bamberg angekommen". Wenig später wechselte er ins schmale Haus direkt gegenüber der Theater-"Rose", heute Hausnummer 26 am Schillerplatz. Habermeyer kündigte an, das E.T.A.-Hoffmann-Haus 2028 öffnen zu können und gewährte Einblick in dessen Konzeption: Nahe gebracht werden sollen die vielen Talente Hoffmanns. Also der, so Habermeyer, "überaus exakte" Jurist, der Zeichner, der Komponist und natürlich der Schriftsteller.
Der Hain war Inspirationsquelle und Begegnungsstätte. Hier erinnert Hermann Leitherers Denkmal an den sprechenden Hund Berganza. Im "Vergnügungsorte Bug" begegnete Hoffmann – "Sie sind auch kein Bamberger, wie ich höre" – seinem späteren Freund und Geschäftspartner Carl Friedrich Kunz, Verleger, Inhaber einer Weinhandlung und einer Leihbuchhandlung. Mit Kunz ging es hinab in den Weinkeller des heutigen Krackhardt-Hauses am Maxplatz, um fröhlich zu zechen. Hoffmann war nach den Worten von Habermeyer dem Alkohol in verschiedenen Formen überaus zugeneigt, was aber wunderbarerweise seine Schaffenskraft nicht behinderte.
Weltruhm erlangt
Handfestes entstand aus der Beziehung zu Kunz auch: Ein Vertrag wurde geschlossen über die Verlegung seiner "Fantasiestücke". Ein Meilenstein im Werdegang von E.T.A. Hoffmann, der nicht zuletzt mit seinem Märchen "Nußknacker und Mäusekönig" und dessen Ballettadaption durch Tschaikowski Weltruhm erlangte.