Mithilfe eines Gemeinschaftsunternehmens (Joint Venture) wollen sich die Brose Gruppe aus Coburg und die Volkswagen AG besser auf dem international hart umkämpften Autositz-Markt positionieren. Das neue Unternehmen heißt "Brose Sitech" und wird Anfang 2022 die Arbeit aufnehmen.

"Der Markt für Sitzsysteme ist hart umkämpft, bietet jedoch großes Potenzial", erklärt Ulrich Schrickel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose Gruppe in einer Pressemitteilung. Mit der "Brose Sitech" soll ein global führender Anbieter von Sitzsystemen und Innenraumlösungen entstehen: "Wir wollen zu den führenden Anbietern gehören."

Brose und Volkswagen mit Joint Venture - Kartellbehörden geben grünes Licht

Das Vorhaben ist von den Unternehmen lange geplant und vorbereitet worden. Wie inFranken.de berichtete, wurde eine entsprechende Absichtserklärung bereits im Juli 2020 unterzeichnet. Im Frühjahr 2021 folgte der Vertrag zur Gründung des Joint Ventures. Nun gaben auch die Kartellbehörden ihre Freigabe für Brose Sitech.

Der Vertrag sieht vor, dass sich Brose zur Hälfte an der Volkswagen-Tochter Sitech beteiligt. Beide Konzerne werden also jeweils 50 Prozent halten. Außerdem heißt es in der Pressemitteilung, dass Brose die industrielle Führung übernimmt und das Gemeinschaftsunternehmen bilanztechnisch konsolidiert.

"Im künftigen Joint Venture haben wir die Chance, das Beste aus beiden Unternehmen zu vereinen und die Stärken beider Seiten zusammenzuführen", meint Thomas Spangler, designierter Vorsitzender der Geschäftsführung von Brose Sitech. Sitech besitze bereits umfangreiche Kompetenzen in der Entwicklung, Montage und Logistik von Sitzsystemen, heißt es der Mitteilung. Brose bringe seine langjährige Erfahrung und Innovationskraft ein. Für die beiden Konzern-Schwergewichte bedeutet die Zusammenarbeit auch, eigene Kosten zu sparen.

Brose Sitech: Eigenständiger Anbieter von Sitzsystemen

Das gemeinsame Vorhaben könnte eine gute Nachricht für die Beschäftigten von Sitech sein. Das Unternehmen erfährt auf dem hart umkämpften Markt zunehmenden Preisdruck von der internationalen Konkurrenz. Die Konzernleitung von VW gab erst im Frühjahr 2020 die Schließung eines Sitech-Werkes in Hannover bekannt. Die Entlassung von rund 450 Mitarbeitenden traf die Belegschaft schwer.

Mit Brose Sitech soll alles anders werden: "Es entsteht ein eigenständiger Komplettanbieter von Sitzsystemen, der für frischen Wind in der Branche sorgen und ins Drittmarktgeschäft einsteigen wird. So machen wir Standorte und Arbeitsplätze langfristig wettbewerbs- und zukunftsfähig", erklärt Thomas Schmall, Konzernvorstand der Technik Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components.

Laut der stellvertretenden Konzernbetriebsratsvorsitzenden der Volkswagen AG Daniela Cavallo, gibt es für die Angestellten von Brose Sitech eine Beschäftigungssicherung bis 2029. Die Standorte sollen hierzu möglichst ausgelastet werden. Weiterhin sollen die Beschäftigten an den deutschen Standorten von Brose Sitech in dem Joint Venture ihr Mitbestimmungsrecht behalten. Nach der Schreckensnachricht für die Belegschaft in Hannover geht es nun also darum, bestehende Strukturen zu stärken. Neue Werke in Deutschland sieht Brose Sitech derzeit nicht vor.