Diese Diagnose war eindeutig: Der Bürgermeister ist nicht schuld. Die Symptome: Heftige Unmuts-Äußerungen und massenweise Anfragen aus der Bevölkerung. Woran krankt es? An der allgemeinärztlichen Versorgung in der Gemeinde Burgwindheim. Seit geraumer Zeit hat sich Burgwindheims praktischer Arzt Jörg Kerling mit einem Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis zusammengetan. Knackpunkt: Diese Praxis befindet sich in Burgebrach im Gesundheitszentrum bei der Steigerwaldklinik. Nun widmete sich der Marktgemeinderat dem Thema und hatte den Arzt in die "öffentliche Sprechstunde gebeten".

Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) dankte Kerling für dessen Kommen. Die Marktgemeinderäte hätten "viele Fragen, die auf Antworten warten", erklärte er dem Gast. Den Tenor in der Gemeinde gab Thaler so wieder: "Die Menschen suchen und brauchen den Arzt vor Ort." Zu einer ordentlichen Infrastruktur gehöre auch ein Arzt. Scherzhaft merkte Thaler zur akuten Diskussion in Burgwindheim an, er habe sich versichert, "der Bürgermeister ist nicht schuld". Er meinte damit die 2,5 Stunden Sprechstunde pro Woche.

Kerling hatte dann Gelegenheit, die Situation aus seiner Sicht zu schildern. Zuvor versicherte er seinerseits, dass der Bürgermeister nicht verantwortlich sei. Der Allgemeinarzt, der zum 1.
Juli 2009 die bestehende Praxis übernommen hatte, erklärte, dass Einzelpraxen auf dem absteigenden Ast seien und man moderne Strukturen brauche, um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern. Auch für den eigenen Vertretungs- und Krankheitsfall sei die Gemeinschaftspraxis das bessere Modell, die Nähe zum Gesundheitszentrum wiederum biete kurze Wege in Bezug auf die hier vertretene Palette an Fachärzten.

Den Weg zwischen Burgwindheim und Burgebrach, "von Ortsschild zu Ortsschild acht Minuten", so zeigten seine Schilderungen hält er für machbar. Ansonsten mache er nach wie vor Hausbesuche und im Rahmen der Gemeinschaftspraxis könne eine Vielzahl medizinischer Leistungen erbracht werden. In Burgwindheim hingegen machte er ein deutliches Raumproblem aus. Es fehle bei der bestehenden Praxis ein ebenerdiger Zugang und die Einhaltung der nun geänderten Vorgaben für hygienische Standards sei kaum zu erfüllen, merkte er weiter an.

Die drei Bürgermeister und die Gremiumsmitglieder machten deutlich, dass man sich mit einer Sprechzeit von wöchentlich nur zweieinhalb Stunden in Burgwindheim keinesfalls zufriedengeben werde und hier unbedingt nachgebessert werden müsse. Kerling willigte ein, deswegen in Kürze für ein weiteres Gespräch zur Verfügung zu stehen.