Sie strahlen die natürliche Autorität aus, die typisch für Chefärzte ist. Auch reden können die beiden Fachleute, und ihnen ist anzumerken: Über dieses Thema haben sie schon oft gesprochen, ist es doch "ihr" Projekt - das Herz-Hirn-Zentrum (HHZB) im Klinikum am Bruderwald.

Auf die neue Einrichtung sind Professor Doktor Peter Rieckmann, Chefarzt der Neurologie, und sein Kollege, Privatdozent Doktor Martin Braun, Chefarzt der Kardiologie, schon ein bisschen stolz. Die beiden stehen im Empfangsbereich der "ersten interdisziplinären Einrichtung dieser Art in Deutschland", wie sie sagen. "Wir haben das extra noch mal nachgeprüft", schiebt Rieckmann schmunzelnd hinter her.
Sechs Fachdisziplinen arbeiten zusammen, neben den Spezialgebieten von Rieckmann und Braun sind dies die Gefäßchirurgie, Radiologie, Neurochirurgie und Psychiatrie. Weil beispielsweise auch die Angst vor einem neuen Schlaganfall für psychische Probleme sorgen kann.


OP-Trakt direkt nebenan

Räumlich vereint sind Kardiologie, Neurochirurgie und Neurologie im fünften Stock des Klinikums - wo einst der Operationstrakt lag. Dieser ist nun sozusagen in direkter Nachbarschaft einen Flur weiter.
Ende 2015 waren die OPs geräumt worden, 2016 wurde umgebaut, und noch am 21. November vergangenen Jahres fiel der Startschuss - sechs Wochen früher als geplant. "Erzählen Sie das mal auf einem Symposium den Berlinern mit ihrem Flughafen", scherzt Professor Rieckmann. Bei der Sozialstiftung ist man außerdem stolz, dass die Kosten für die Fertigstellung etwas unter den geplanten elf Millionen Euro liegen. Doch wie konnte das neue Konzept überhaupt umgesetzt werden? "Die Idee über eine solche Zusammenlegung gibt es in Deutschland schon seit zehn Jahren", sagt Kardiologe Martin Braun. "Aber die Realisierung ist schwierig. Sie brauchen die Räume, die finanziellen Mittel und die persönlichen Sensibilitäten müssen stimmen."

Alles traf in Bamberg zu: Die Räume wurden frei, der Freistaat Bayern förderte das Vorhaben mit rund 8,98 Millionen Euro - den Rest finanzierte die Sozialstiftung aus Eigenmitteln - und die Herren Rieckmann und Braun können gut miteinander. Nun arbeiten sie täglich interdisziplinär, sei es bei der gemeinsamen Visite oder bei Notfallpatienten. "Herz und Hirn sind eng beieinander", sagt Braun. Sein Kollege Rieckmann erläutert: "Herzinfarkt und Schlaganfall sind die beiden Volkserkrankungen mit den höchsten Sterbezahlen." Braun: "Der, der einen Schlaganfall hat, bekommt häufig auch einen Herzinfarkt oder umgekehrt." Laut Rieckmann ist es Ziel der Einrichtung, dass ein Patient mit Herzinfarkt eben nicht ein halbes Jahr später wegen eines Schlaganfalls wieder kommen muss. "Der Patient bekommt praktisch eine ,Eintrittskarte‘ und alles andere wird gleich mit angeschaut."

Martin Schmalz, Pressesprecher der Sozialstiftung, nennt zudem das Stichwort "Behandlungskette": Im Herz-Hirn-Zentrum geht es nicht nur um die Prävention, sondern auch um ambulante Angebote, Akutversorgung und Rehabilitation.
Durch die räumliche Nähe soll zudem das Warten auf Betten oder das andauernde Herumschieben wegfallen. Auch die Mitarbeiter seien zusammengewachsen, sagt Rieckmann. Er und Kollege Braun wollen für diese noch ein Lob loswerden.
Und wie finden sich die Patienten in der großen Abteilung zurecht? Durch die farbigen Wellen an den Wänden: Rot für die Kardiologie, Grau für die Neurochirurgie und Neurologie. Am Eingang führen beide miteinander verschlungen bis zur Anmeldung.



Zur Eröffnung:
Symposium
Am Samstag, 11. Februar, findet im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle das Eröffnungssymposium statt. Am Vormittag tagt das Fachsymposium, von 14.15 Uhr bis 17 Uhr ist die interessierte Öffentlichkeit geladen.