Ein gepflegtes Anwesen in einer grünen Wohnsiedlung in Breitengüßbach. Roter Klinkerbau mit schönem Garten und Bänkchen neben der Haustür. Darin wohnt und arbeitet ein Tüftler, der es mit einer guten Idee und einer großen Portion Hartnäckigkeit zu einer kleinen, aber prosperierenden Firma gebracht hat. Die macht genau das, was ihr Name verspricht: "Pflegehände".

Bis zu 10.000 Stück der praktischen Helfer für Menschen mit körperlichen Einschränkungen verkauft der Erfinder und Unternehmer Helmut Walter im Jahr. Kunden hat er längst nicht mehr nur in Deutschland, sondern inzwischen in zwölf verschiedenen Ländern, darunter die USA und Singapur.

Mit "Walter's Pflegehand", für die er ein Patent bekommen hat und deren Markenname geschützt ist, wird die Körperpflege leichter.
Wer den Arm nicht mehr heben oder sich nicht mehr weit genug bücken kann, dem hilft die langstielige Pflegehand aus Buchenholz. Dank eines Klettverschlusses lassen sich vorne auf der "Pfanne" verschiedene Einsätze befestigen: ein Schwamm, eine Bürste, ein Massageroller, ein Zehenzwischenraumreiniger, ein Spiegel zum Kontrollieren der Fußsohlen und das Kissen zum Eincremen.

Mit diesem Kissen hat in den 90er Jahren alles begonnen. Der Baustoffhändler Helmut Walter litt an einer schlimmen Hautallergie und ärgerte sich, dass es kein Hilfsmittel gab, mit dem er die Salbe gleichmäßig auf dem Rücken verteilen konnte. Also begann er, zu experimentieren und so lange an seiner Pflegehand zu tüfteln, bis jedes Detail durchdacht und er mit dem Ergebnis und der Funktion zufrieden war. Er hatte recherchiert und herausgefunden, dass "nichts dergleichen auf dem Weltmarkt" war. Deshalb ließ er sich die Erfindung patentieren und stellte sie in Nürnberg auf der Erfindermesse vor.

Dann erst begann das härteste Stück Arbeit: die Vermarktung. Nicht einmal 2 Prozent aller patentierten Produkte kommen überhaupt auf den Markt, musste Helmut Walter erfahren. "Es begann ein harter Lernprozess. Wir haben ganz langsam aufgebaut und fünf Jahre gebraucht, bis wir richtig Fuß gefasst hatten."

Zwei Umstände haben dabei geholfen: Zum einen ist die ganze Familie - Ehefrau, Sohn, Schwiegertochter und bei Bedarf auch weitere Verwandte - in Materialbestellung, Endfertigung, Versand und Marketing eingespannt. Zum anderen lebt Helmut Walter von seinem Baustoffhandel, den er seit 30 Jahren betreibt. Er konnte es sich also leisten, das Pflegehand-Geschäft mit Bedacht zu entwickeln.

Über die Jahre hinweg hat er viele wertvolle, auch schmerzliche Erfahrungen machen müssen. "Sie haben keine Chance, wenn Sie nicht jeden Tag aquirieren." Sanitätsgroßhändler, Sanitätshäuser, Versandhäuser, Apotheken-Großhändler: Walter hat sich die Finger am Telefon wund gewählt und den Mund fusselig geredet.


Holzteile kommen aus Oberfranken
Auch im Fernsehen war die Pflegehand schon drei Mal: Einer der großen Verkaufssender hatte sie im Programm. Doch die verkauften Stückzahlen kamen nicht an die verlangten 1000 pro Minute heran. Das Produkt wurde nicht mehr aufgenommen.

Walter ist darüber nicht böse. Hohe Stückzahlen sind sowieso nicht seine Sache. Stattdessen hat er es lieber solide: Alle Einzelteile sind in Deutschland hergestellt, die Holzteile beispielsweise kommen aus Oberfranken.
In der hauseigenen Werkstatt werden die Buchenholzstiele geölt, der Name eingestempelt, danach alles zusammengebaut, der an den Enden verschweißte Bändel befestigt und die Pflegehand verpackt. Große und kleine Pakete verlassen das Waltersche Domizil in Breitengüßbach.

Bei der Qualität macht der Erfinder und Firmengründer keine Abstriche: "Ich will nicht auf Discounterniveau herunter." Die Kunden wollen das offenbar auch nicht, legen Wert auf "Made in Germany" und lassen sich die Pflegehand bis nach Australien liefern.

Vor Nachahmern hat er keine Angst. "Für die Chinesen ist das zu aufwändig und zu kostenintensiv." Schließlich kann Helmut Walter selbst auf "billige" Arbeitskräfte zurück greifen: In seiner Familie rechnet niemand den Stundenlohn aus, wenn größere Bestellungen abzuarbeiten sind. Dann packen alle selbstverständlich auch an Samstagen und Sonntagen mit an.

Und keiner kommt mehr auf die Idee, dem Senior zu sagen, was der sich in der Anfangszeit anhören musste: "Jetzt fängt der Papa das Spinnen an."