Noch braucht es Phantasie, um sich das transparente dreigeschossige Firmengebäude vorzustellen. Es soll in eineinhalb Jahren aus dem sandigen Boden der Breitenau wachsen. Der Platz, an dem am Mittwoch die Zeitkapsel für den Grundstein mit Bauplänen, Münzen und der aktuellen Ausgabe des Fränkischen Tages befüllt wurde, wird dann so etwas wie die Steuereinheit für die internationalen Geschäfte der Brose-Gruppe sein.

Rund 600 Mitarbeiter werden dann von Bamberg aus den zentralen Einkauf, die Entwicklung und die Informationstechnologie abwickeln. "Wir werden sehr viel Besuch aus der ganzen Welt bekommen und auch viel Kommunikation mit der ganzen Welt haben. Wir werden von Bamberg aus die Welt erkunden", beschrieb Jürgen Otto, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Brose-Gruppe, die Zukunft.

Was das bedeutet, kann man sich anhand der Zahlen vorstellen. So beschaffte der künftig in Bamberg beheimatete zentrale Einkauf zuletzt Materialien, Dienstleistungen und Investitionsgüter im Wert von 3,6 Milliarden (!) Euro.

Bamberg hat den Zuschlag für den Standort in einem Wettbewerbsverfahren mit den Städten Coburg und Würzburg erhalten. "Am Ende haben wir uns für Bamberg entschieden - wegen der Zukunftsaussichten, der Bildungslandschaft und der Attraktivität für Mitarbeiter", sagte Otto.

Ganz besonders geht es in der Zuliefererbranche mit ihrem harten Wettbewerb freilich um Schnelligkeit. Die ist in Bamberg dank Autobahnkreuz, ICE-Anschluss und Flugplatz gegeben. Selbst die am weitesten entfernten europäischen Standorte können mit dem Firmenjet künftig in vier Stunden erreicht werden, sagte Gesellschafter Maximilian Brose.


Sozialtrakt für zehn Millionen Euro

Brose investiert im ersten Bauabschnitt über 50 Millionen Euro. Mehr als zehn Millionen davon fließen in den zweigeschossigen Sozialtrakt, ein eigenständiges Gebäude, das dem firmeninternen Leitbild folgend unter anderem Kantine, Fitnessstudio, Physiotherapie und medizinisches Servicecenter beherbergt.

Zusammen mit Hallstadt bildet Bamberg künftig den größten deutschen Brose-Standort mit annähernd 2000 Mitarbeitern. Sollte das Wachstum wie zuletzt in Nordamerika (plus 13 Prozent) und Asien (plus 16 Prozent) weiter anhalten, könnten es aber schnell mehr werden. Otto bestätigte die geplante Erweiterung des Werks in Hallstadt. Auch hier geht es um ein Investitionsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe.

Hauptgesellschafter Michael Stoschek konnte dem Festakt selbst nicht beiwohnen. In den Reden war er gleichwohl präsent. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) erinnerte an die gemeinsamen Anstrengungen Vieler, nachdem er in einer Novembernacht von Stoschek erfahren hatte, dass Brose ein Grundstück sucht.

Stoschek spendete großzügig

Starke dankte dem Firmenpatriarchen auch für dessen überragendes soziales Engagement. Erstmals wurden Zahlen bekannt. So habe Stoschek Beträge in Höhe von drei Millionen Euro für kulturelle und soziale Institutionen in Bamberg gespendet.